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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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Charlotte besucht Friederike, meint man; ja, ich wei�, sie wohnen nicht im selben Hau5, darum verwundert
man sich dr�ber.
Die Aosaken waren vorgestern schon in Freienwalde. Vas soll ganz gewi� sein. Vas Lazarett ist weggebracht
worden pon hier.
Amalie^ schreibt mir, da� sie entsetzlich viel Einquartierung dort 2 haben, und sie mu� die Honneurs machen,
da Herzogs und Erbprinz krank sind. Sebastians ist wieder da, dessen H�flichkeit sie immer sehr lobt.
WA. schl�ft sehr sanft, und es ist bald '/Z2. Gestern ging er einmal wieder getragen spazieren im Tiergarten;
denn es war Fr�hlingswetter ....
Heinrich Hab ich noch nicht mit Augen gesehen ....
Mein teben geht seinen einsamen Gang; ich sah noch niemand ....
kebe wohl! Ewig Deine Nariane.
8.
f>rinz Wilhelm an Prinzessin Marianne.
Breslau, den 9. Februar 53^5.
Dein dritter Brief, bestes Weib, ist zu meinet gro�en Freude einpassiert .... Bis jetzt waren Deine s�mtlichen
Briefe in keine unrechten H�nde gefallen. Der Zusatz auf der Adresse kann aber der Vorsicht wegen nichts schaden ....
(Es ist entsetzlich, wie die Zeit vergeht. Heute sind es schon Cage, den Tag der Ankunft mitgerechnet,
da� ich in Breslau bin; diesen Abend 8 Tage, da� ich �on Anton Abschied nahm; morgen \$ Cage, da� wir uns
trennten, und morgen auch ein Monat, da� Fried Tassilo non uns ging. �Die Stunde rennt auch durch den rauhsten
Tag", wie im Macbeth steht. Das f�llt mir fast immer ein, wenn etwas Trauriges zu �berstehen ist. In den Zeiten
der Arbeit, die uns wahrscheinlich bevorstehen, werde ich dieses Alottos eingedenk sein.
Du meinst, bas Treiben in der Welt w�rde gut auf mich wirken. Ich glaube es selbst. �L�ssige Ruh ist
das Grab des IHutsV Ich fing an ' zu sehr in mich selbst zu versinken, viel zu egoistisch zu werden. Das, denke
ich, wird nun ganz aufh�ren. 2Nein Sinn ist offener. Mein ganzer Geist hat eine neue Spannkraft erhalten. ?s sind
die edleren Gef�hle in mir aufgeweckt worden, und alles Unreine will ich von mir werfen. Darum wird mir Antons
N�he von Nutzen sein. Nichts st�rkt mehr zum Guten, als jemand denselben weg wandeln zu sehen, jemand, der
auch wie ein INensch darauf gegangen ist. Du gehst wie ein Engel daraus. Nie seh ich Dich wanken. Auf den
Standpunkt, worauf Du stehst, werde ich wohl nie kommen; denn die Vergangenheit ist nicht noch einmal durchhieben;
aber streben darf man nach dem G�ttlichen. Und bas willich. Denke meiner nur stets mit liebe, auch wenn mir
etu.as Menschliches begegnet. Wilhelm Adalbert brauche ich Deiner Sorge ja nicht erst zu empfehlen. Als Me Kleinen
geboren wurden, da hatte ich mir ein artiges Reimlein ausgedacht, welches so lautete:
Tassilo und Adalbert,
2eid der hohen Ahnen wert!
Wie die eine Seite unserer Erdenhoffnung finster geworden ist, also auch die H�lfte des Versleins. Wag
damals auf zwei sich bezog, bezieht sich nun nur auf einen, wei�t Du noch, ich sagte �fters, ich k�nne nicht begreifen,
wie ich zu dem Gl�cke k�me, Zwillingss�hne zu haben, was ich nie getr�umt h�tte? ?s war aber auch nur ein
Craum, welcher statt einer Nacht etwas mehr als ein Jahr dauerte.
Ich sollte eigentlich Dir nicht so viel traurige Vilder vor die 3eele stellen; aber hier ist nun, seit AntonZ
Abwesenheit niemand, welcher mich, was diesen Punkt betrifft, verstehen w�rde. Man mu� Ainder haben oder gehabt
1Prinzessin Amalie, Schwester Mariannes, geb. *77
    
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