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Die Beziehung des Großen Kurfürsten zu der Stadt Amsterdam

Full text: Die Beziehung des Großen Kurfürsten zu der Stadt Amsterdam

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Swdt darum ersucht hatte. In der Tat bedeutete es in jenen Tagen etwas Au�ergew�hnliches, wenn ein regierender
F�rst sich herablie�, dem Magistrat einer Stadt, selbst von der Bedeutung Amsterdams, das damals auf der H�he seiner
Macht stand, die Ehre solch eines Anerbietens zu erweisen, das deutlich genug erkennen l��t, einen wie hohen wert der
kurbrandenburgische Hof der Freundschaft mit dem einflu�reichen Amsterdam beilegte. Es war das eben kein einfacher
Akt der H�flichkeit, der damit der Stadt erwiesen ward, noch sonst ein Zeichen der stets bewiesenen Sympathien
Friedrich-Wilhelms f�r Holland, wo er viermal?� lang staatswissenschaftlichen Studien obgelegen hatte;
es war eher ein Schritt von diplomatischer und staatsrechtlicher Bedeutung; denn es ist kaum anzunehmen, da� der
Schwiegersohn Friedrich-Heinrichs und Schwager Wilhelms II. f�r die allein auf ihre Handelsinteressen bedachten, nach
ihrer Meinung zugleich zum Vesten des Landes handelnden Regierenden der Amstelstadt, die den kriegerischen Gel�sten
der mit gro�em Feldherrntalent begabten Gramer nicht gerade hold waren, besondere pers�nliche Freundschaft empfunden
haben sollte. Wenn diese k�niglichen Aaufleute auch da, wo es angezeigt erschien, ihre F�rsten und ihren Anhang
mit k�niglichen Ehrungen im Sladthaufe empfingen, so blieb dennoch der demokratische Grundzug ihres Wesens auf
friedef�rdernde Ziele gerichtet. Gleichwohl kann jenes Herantreten des Aurf�rsten an die Amstelstadt heute als Veweis
ihrer fr�heren Gr��e und unbestrittenen Machtstellung gelten.
welches war nun der eigentliche Beweggrund f�r Friedrich-Wilhelm, sich mit der Stadtleitung wegen der
Patenschaft in Verbindung zu setzen?
Zur Beantwortung dieser Frage m�ssen wir auf die politischen Verh�ltnisse Rurbrandenburgs in jenen Tagen
n�her eingehen.
Aeineswegs unter g�nstigen Umst�nden hatte der jugendliche F�rst im Jahre im Alter von 20 Jahren
die Regierung angetreten. Gin gro�er Teil seiner tande war noch von fremden Truppen besetzt, das kand infolge
der Schrecknisse des Drei�igj�hrigen Arieges verw�stet und verarmt, er selbst dem Deutschen Aaiser und als tehnsmcmn
dem A�nig von Polen Untertan, beides katholische F�rsten, w�hrend sein kand der evangelischen kehre anhing. In
dem Streben, das f�r seine Flottenpl�ne unentbehrliche Preu�en zu gewinnen, hoffte er in kriegerischen Verwicklungen
seines Hauses Gr��e zu vermehren. Dazu bedurfte er bundesgen�ssischer Hilfe. Hatte er anfangs zu seinem tehns-
Herrn, dem Oolenk�nig, gehalten, so schwenkte er zu den� A�nig von Schweden ab, sobald zu besorgen war, da� letzterer
nach der Besitzergreifung der Gstseek�stc der preu�ischen Anwartschaft Friedrich-Wilhelms entgegentreten k�nnte. Hand
in Hand damit ging die Politik der Generalstaaten. Sie hielten es mit A�nig Iohann-Aasimir, weil es ihren Interessen
zuwiderlief, die Schweden zu Herren der ganzen Ostsee werden zu lassen, die infolge der Eroberungen Gustav-Adolphs
fast zum schwedischen Binnenmeer geworden war. Zu gleicher Zeit aber mu�te dem Aurf�rsten auch an dem Vunde
mit den Generalstaaten liegen, weil er wu�te, da� letztere um ihres bl�henden ostl�ndischen Handels willen nichts
sehnlicher w�nschten als gefestigte Verh�ltnisse und eine Minderung des schwedischen Linfiusses, von den, sie sich nur
Behinderungen ihres Handels versehen konnten. Anderseits n�tigte das Andringen der Schweden den Aurf�rsten im
Interesse der Sicherung seiner tande und seines Handels zum Abschlu� eines Dcfensivb�ndnisses mit Holland. Sonnt
waren der Aurf�rst und die Staaten aufeinander angewiesen. Indes schien es, als s�he man hier�ber in der Staaten-
versammlung minder klar als in der Amsterdamer B�rgermeisterei; wenigstens waren die Verhandlungen �ber ein
beabsichtigtes Traktat bereits seit einigen Jahren eingeschlafen, als am 6. M�rz des Jahres im Ratskollegium
wieder dar�ber verhandelt ward, es w�re recht erw�nscht, �angesichls des gro�en Kredits, den Hochgemelter Churf�rst
in: Reiche befa� und des Einfiusses, den er durch seine Handelsst�dte an der Gstsee aus�bte" � wie man bereits in
der Ratsversammlung von: Juni ausgef�hrt hatte � einen engeren Anschlu� an Brandenburg anzustreben.
Es sei bei diesen Ausf�hrungen de Roevers eingeschaltet, da� diese freundschaftliche Gesinnung der Staaten sp�ter
umschlug, als sie in der von Friedrich-Wilhelm geschaffenen Marine und in seinen afrikanischen Aolomen eine Schm�lerung
ihrer eigenen Handelsinteressen erblickten.
Augenscheinlich aber waren damals sf655) die Amsterdamer B�rgermeister mit gehcimgebliebenen Abmachungen
vom Aurf�rsten gewonnen worden, der recht wohl wu�te, wo seine nat�rlichen Freunde sa�en, vielleicht aber war das
HohtlizollulN'Iahll'uch 1915. 24
        
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