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Die Beziehung des Großen Kurfürsten zu der Stadt Amsterdam

Full text: Die Beziehung des Großen Kurfürsten zu der Stadt Amsterdam

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in die Tat umzusetzen, bot die Geburt Aarl-Aemils willkommenen Anla�, und die m�chtige Handelsempore
Amsterdam, die A�nigin unter den St�dten Europas, wie zeitgen�ssische Hochsch�tzung sie nannte, machte sich zum
Dolmetsch solcher Gesinnung.
Vas Material, bas uns die Archive und die Literatur �ber dieses bisher ein wenig vernachl�ssigte Gebiet
liefern, ist nicht allzu reichhaltig. Die Akten des k�niglichen Geheimen Staatsarchivs und des K�niglichen Hausarchivs
zu Berlin bzw. Charlottenburg enthalten allerlei belangreiche Angaben, sind indessen zu l�ckenhaft, um uns ein klares
zusammenh�ngendes Bild �ber imfer Thema zu geben. Hier nun bringt ein Aufsatz des holl�ndischen Forschers
und Archivars der Stadt Amsterdam Dr. jur. A. de Raever willkommene Erg�nzung. Er betitelt sich: �Die Stadt
Amsterdam als patin des Sohnes des Gro�en Kurf�rsten
Juden: ich diese Abhandlung, deren Vorz�ge nicht zum wenigsten auf ihren dem Haager Reichsarchw ent-
nommenen Quellen beruhen, tinter Benutzung des AktenMaterials der genannten preu�ischen Archive f�r meine Aus-
f�hrungen verwerte, glaube ich ein abgerundetes Bild jener politisch denkw�rdigen Periode geben zu k�nnen und hoffe
durch Behandlung dieses dankbaren Stoffes, der auf bas Verh�ltnis des Gro�en Aurf�rsten zur Stadt Amsterdam
und die politischen Str�mungen des Jahres H655 manch belangreiches Streiflicht wirft, allgemeinerem Interesse
zu dienend
3�ii allgemeinen ist von jener Patenschaft bei uns selbst in unterrichteten Kreisen wenig bekannt, und doch darf
fie wegen der Pers�nlichkeit des hohen T�uflings besondere W�rdigung beanspruchen. Hatte die Aunde von der Geburt
l(arl=2lemils schon im oranischen Hause gro�e Freude ausgel�st, so ward das frohe Ereignis von der 5ta6t Amsterdam,
die ihre Zuneigung f�r kuife-Henriette bereits bei ihrer Vermahlung durch Schenkung einer doppelten Perlenkette (bei-
l�ufig im Werte von \6 000 Gulden) bekundet hatte, ganz besonders begr��t.
Recht anschaulich l��t sich �ber Me Feier im Haag das Theatrum Europaeum (San!) VII, �ont Jahre \665
�
vgl. die Anmerkung {, S. vernehmen:
�Gleich wie Ihre CIjurfl. Durent, Friderich lvilhelm .... im Jahre l<520, den 26. Februar (mu� hei�en
6. Februar) nach Mittag umb Uhr in diese Welt gebogen, Also ward in gegenw�rtigem J655. Jahr eben
den 6. Februar Vormittag umb halb 50. Uhr Ihrer Cl)urfl, Durch!, ein junger Chur-Pnntz gebohren, �ber welche
Geburt die Cromvetten, pauefen, Glocken und St�cke sich zu Berlin und Spandau erfreulich h�ren lassen. Insonderheit
hat prin^ 2��auri| von Nassau in Haag hier�ber sehr stattlich triumphirl, sintemal man in den Fenstern desselben
Hauses 3 �ber J700. brennende Wachg-Aertzen gesehen. Gben aufs dem Hause stunden 25. Kerle in wei�en Hembdern
und g�ldenen ledernen Hauben, in ihren H�nden gro�e Fackeln haltende, worunter 2. so de� prin^em von Uranien
jaunie gef�hret, und so offt auf 6, leinen Feldst�cken, so zu dem Ende vor dem Hause stunden, Salve gegeben
wurde, dieselben k�nstlich herumb stiegen lassen. Sechs Trompetter und ein Heerpaucker spielten und bliesen dag alte
CteMein
.wilhelmus von Nassauen' usw. In dem Saal waren die Vocal und .Insirumental-Musici', welche eine sehr
liebliche ���uftc zusammen machten."
Aehnlich schildert der �holl�ndische 2T?ercurius /; f�r Februar \655 den Porfall und schlie�t seine Ausf�hrungen
mit den Worten:
�Gott wird diesen jungen Aurf�rsten wie seinen Herrn Vater in Weisheit und Gnade aufwachsen lassen; denn
ein weiser und vortrefflicher F�rst ist ein wahrer Segen Gottes!"
Dieser wohlwollende Zeitungsbericht enth�lt, wie de Roever berichtigend darlegt, eine nicht ganz zutreffende Bemer-
kung, wonach die Stadt ihre Patenschaft dem Aurf�rsten angeboten h�tte, vielmehr war es der Aurf�rst selber, der die
1 �De Stad Amsterdam Peter over den Zoon van den (Kroaten Keurvorst" in dem Vuche be ??OEDers: Uit onze oude Amstelstad,
2. Aus!., Amsterdam ?9(>2, �
'
von einer besonderen Hervorhebung der de Roeoerschen Darlegungen im nachfolgenden habe ich abgesehen mit
R�cksicht darauf, da� die w�rtliche Wiedergabe meines Gew�hrsmannes infolge von Zus�tzen und erforderlich gewordenen Ab�nderungen
sich nicht durchf�hren lie�. � � Graf Iohann-Moritz von Nassau.^ieaen, genannt der Vrafilianer, stand im Dienste des Gro�en Khc-
surften als Statthalter von Cleve (geb. w*,gest. 20. [30.] Dezember <6?9). Das in echt holl�ndischer Manier f�r den prachtliebenden Grafen
im Haag erbaute Haus hei�t noch heute �Het �llauvi^uts" und enth�lt gegenw�rtig eine bedeutende K�nigliche Gem�ldesammlung.
        
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