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Die Wohnräume Friedrichs des Großen in Schloß Sanssouci

Full text: Die Wohnräume Friedrichs des Großen in Schloß Sanssouci

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Hn diesem Anne m�ssen wir auch die bisher niemals beachteten Inschriften �ber den T�ren des folgenden
Zimmers auffassen, die sich in den geschnitzten und vergoldeten E�rsl�cken in den von Putten gehaltenen aufgeschlagenen
V�chern befinden. Ueber der Eintrittst�r (vgl. die Abbildung des Zimmers lesen wir folgende Verse, deren Herkunft
bisher nicht festgestellt wurde, die aber nach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Professor volz jedenfalls nicht
Friedrich selber zuzuschreiben sind:
�Que l'aube ? son. brillant retour
Sous ces lambris nous trouve encore
Disputant de vers et d'amour
Et de nouveau voyons �clore
Pour pr�mices d'un plus beau jour
Les fleurs, les plaisirs et l'aurore."
Ueber der gegen�berliegenden C�r auf zwei leiten des Vuches:
�Ainsi sans chagrins, sans noirceurs
De la fin de nos jours poison lent et funeste
Je s?me encor de quelques fleurs
Le peu de chemin qui me reste 1."
,,Et ne perdons point ? conna�tre
Des moments faits pour jouir.
O Posthume! Le temps passe;
Pourquoi dans un si court espace
Renfermer de si longs projets 2 ?"
Ver folgende auch als �siaradezimmer" bezeichnete 2Nusikraum diente dem A�nig nach dem Zeugnis des
Marquis de Vouille als Salon, wo er Vesuche empfing und wo auch nach dem Mittagessen Kaffee angeboten wurde.
Friedrich pflegte sich w�hrenddessen mit einzelnen seiner G�ste zu unterhalten. Gine besondere Pracht entwickelte er
noch bei solchen Gelegenheiten, indem eine Anzahl feiner kostbaren Brillantdosen mit Schnupftabak auf den
Tischen aufgestellt waren
Auch hier wurde nach dem Code Friedrichs das Mobiliar fortgeschafft und durch dem damaligen �modernen"
Empfinden entsprechendes ersetzt. Die beiden Sofas mit sechs Fauteuils erhielt der Kastellan als Geschenk, das
f>ianoforte kam nach den Neuen Kammern und von dort nach dem Marmorpalais, eine Kommode ebenfalls nach
den Neuen Kammern usw. Line aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammende Lithographie (vgl. die Abb.)
zeigt in dem herrlichen Raum nicht ein St�ck der alten Einrichtung mehr, sondern ein Gemisch von Zopf- und
Viedermeierm�beln, das in dieser Fassung geradezu beleidigend wirkt. Soweit es nicht gelungen ist, die urspr�nglichen
St�cke wieder herbeizuschaffen, sind sie wenigstens durch solche aus anderen Teilen des Schlosses ersetzt worden, die
1Herr Professor Volz hat die Herkunft dieser Strophe von Chaulieu festgestellt. Sie ist der ��p�tre ? Monsieur le Chevalier
de Bouillon, En 1713" entnommen, deren 5dflu�3cilen sie bilden. ?uvres de Chaulieu, Haag >???, Bb,II,5. 19
�
26. Nur die ersten
Worte sind von Friedrich ge�ndert; fie lauten im Original; Ami voil? comment, sans chagrins, sans noirceurs, usw.
� * Vie letzten
drei Zeilen sind in dem Schreiben Friedrichs an seine Schwester, die Markgr�fin von Bayreuth, vom 2.M�rz ;?^?, also ungef�hr gleichzeitig
mit der Anbringung in Sanssouci, enthalten (?uvres, Bb. 2?�, Cl[.I, S. (56); und zwar ist die erste Zeile �bersetzung aus Horaz:
Oden II, 14, die beiden andern aus II, {6. Vgl. Droyfen: Beitr�ge zur Textkritik einiger Werke Friedrichs d. Gr. in der Zeitschrift f�r
franz�sische Sprache und llteratur 30, i. Freundliche hinweise der Herren Professoren volz und Mangold. � 3 Vgl. Hohenzollern-Iahr"
buch (90(, S, 76. Seidel: Die prunkdosen Friedrichs des Gro�en.
yuhenioll�!!
.Jahrbuch 1915 1 59
        
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