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Reisebriefe des Prinzen Wilhelm (Kaiser Wilhelms des Großen) an seine Schwester Prinzessin Charlotte Kurfürstin Alexandra Feodorowna

Full text: Reisebriefe des Prinzen Wilhelm (Kaiser Wilhelms des Großen) an seine Schwester Prinzessin Charlotte Kurfürstin Alexandra Feodorowna

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ging ich nach Crier, wo ich am 23 und 2^ "Gruppen un& die sch�nen Alterth�mer aus der R�mer Zeit sah, welche
wirklich �u�erst interessant sind. Vie Porta nigra, die B�der und der Cyrcus; durch ersteres f�hrt man schon durch,
letztere sind schon sehr weit aufger�umt, so da� man die ganze Form und Konstruktion erkennt. � Am 25 ging
ich nach Cell an der Mosel, und machte den halben letzten Theil des Weges zu Wasser, immer zwischen hohen
sch�nen Weinbergen und Felsen. Vie Fahrt an sich ist aber doch etwas langweilig. Nat�rlich wurde ich vielf�ltig
mit Ehrenwein und Schie�en etc. bewillkommt, wie auch das alte ?ieb: die wei�gekleideten M�dchen nicht fehlten.
Am 26 ten ritt ich quer durchs Gebirge, um eine Position zu besehen, nach dem Vade Vertrich, welches in einem sehr
engen Thal mit h�bschen Promenaden charmant liegt. �
Verlin, den September
Erst von hier und am heutigen Cage finde ich Zeit und Mu�e Dir auf Deinen lieben Vrief vom JO ten d. M:
Su antworten, den ich in Coblenz am 3 " dieses fand, als ich bort aus biegen Abends anlangte, liante K�nigin 1
war grabe auch bort zum �bernachten eingetroffen, weshalb ich nat�rlich gleich zu ihr eilte und mit ihr soupirte.
Am Ve" fat? ich die Toblenzer Landwehr und hatte Ursach au�erordentlich rieben zu fein. Mittags gab ich eine
Art Abschieds Din� und war Abends bei 3n9 cris 2, wo wir sehr munter und lustig uns mit kleinen Spielen
unterhielten. Die Wahlert^ legt sich Dir zu F��en. Am 5*en perlief ich nun Toblenz und ich versichere Dir, mit
Wehmuth; oie vielen male wo ich sonst den Rhein sah, lie�en mir zwar immer einen sch�nen Eindruck zur�ck; jetzt
aber, wo ich l�nger in jener herrlichen Natur gelebt habe, versichere ich Dir, habe ich mich so an die Rheingegend
attachirt, da� ich ordentlich traurig war mir sagen zu muffen, da� ich sie nun vielleicht auf lange verlassen m��te!
Ich ging den weg �ber die V�der und dejeunirte bei Tante Cumberlan�> 8 in Schwalbach. 4 Meile vor F a/M
brach ich den wagen; durch Miethswagen kam ich aber gl�cklich bis F a/M, machte (Bolzens eine Visite im Theater
und kutschte dann miethsweise weiter nach Wilhelmsbad zu den Tanten! welche Freude mat f�r mich dies wieder-
sehen! Nach dem Souper ging ich schlafen nach Hanau. Am andern Morgen 9 Uhr war ich wieder drau�en zur
Gratulation zu Maries Geb. Tag, der ich eine Kleinigkeit schenkte. Vie Zeit bis zum vins verstrich unglaublich
rasch, wahrend welcher nat�rlich alles m�gliche abgehandelt wurde. Nach Tisch fuhren wir nach p?n'lippsrul?e, un& als
wir zur�ck kamen, fanden wir die Rumpen heimsch en Herrschaften 5 s�mmtlichst angelangt. En grande Compagnie ward
getheet, und als man sich verlaufen hatte, blieben wir Einwohner zum Souper zusammen. Des andern Morgens
fuhren wir um 1/2 9 Uhr nach F a/M auf die Messe, wo man Aquisitiouen machte und Alles sich gegenseitig
beschenkte. Dec sogenannte Vraunfels ist jetzt das Haupt waarenhaus. ?s war viel ?eben in der Stadt. Nach der
Besichtigung des Frankfurter Museums ward dejeunirt im r�mischen Kaifer und dann der Markgrafin von Vaden
eine Visite gemacht, welche in Weimar und Homburg bei ihren Schwestern 6 Aufenthalt gemacht hatte. Dann gings
nach Wilhelmsbad zur�ck zum Din� um 5 Uhr. Auf eine Promenade durch den Garten folgte Thee und Souper
entre nous. (D. Wilhelm 7 war in F a/M zu uns gesto�en. /: Der Hz. p. Cumberlanb war auch inF a/M mit dem
P5. Christian von Darmstadt :/ Nach dem Souper nahm ich von Allen Abschied! Dies kam mir wie der letzte
sch�ne Augenblick meiner ganzen herrlichen Reise vor.
Den 22 - [Sept.]
Am 8^" ging ich bis Eisenach; den 9"" nach Erfurt, wo ich Iagows Infanterie besah, wie auch die
Festung; nach einem Vine bei Iagow fuhr ich noch bis Weimar, wo ich den Abend bei Hofe zubrachte. Die Gro�-
f�rstin war nicht anwesend, sondern im kustschlo� Vornburg bei Jena, wohin sie mich zum andern Morgen durch
1 VZl.oben S. (25, Anm. <. � 9 Der (Dberpraf?&ent �on^ngersleben, Staatsminij�er a, V.� 3 Friederike, die Schwester der K�nigin
tuise. � *Prinzessin Marie von Heffen-Lassel, geb. 6, Sept- � 6 Rumpenheim, schlo� am linken Mainufer, Sitz des kandgrafen Friedrich
von Hessen und seiner Familie (vgl, Ieitschr. des ver. f.Hess. Gesch. u. tandeZkunde 3, 222 ff.).
� 6 Markgr�fin Amalie, ihre Schwestern
tuise (Weimar) und (Caroline (Homburg).
�
7 Prinz Wilhelm, der Vruder Friednch-Wilhelms III.
        
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