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Reisebriefe des Prinzen Wilhelm (Kaiser Wilhelms des Großen) an seine Schwester Prinzessin Charlotte Kurfürstin Alexandra Feodorowna

Full text: Reisebriefe des Prinzen Wilhelm (Kaiser Wilhelms des Großen) an seine Schwester Prinzessin Charlotte Kurfürstin Alexandra Feodorowna

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mo die Sonne durch eins der ober� Fenster einen scharfen schein quer durch die Airche warf; es war ordentlich ergreifend,
und mie immer in solchen Augenblicken mu�te ich an Ewig denken!!! � wir wohnten mehreren Gesellschaften in Rom
bei, wo mir die Narrischkin sahen und the Duke nf Devonshire, der sich nat�rlich viel nach Dirund Hifierkundigte.
Auch nahmen mir vom pabfte 1 noch Abschied, der uns sehr gn�dig empfing, und mich an der Hand Ms zur Th�r
geleitete. Er hat uns sehr sch�ne Geschenke gemacht; mir eine magnifique Mosaik Cisch platte� � Den 23 verlie�en
wir Rom und langten am 25'"" hier an. Florenz hat einen eigenth�mlichen gemischten Anstrich von Alterth�mlichkeit
und Modernit�t; denn alle alte f)all�ste und Geb�ude, deren es sehr viel giebt, sind in colossalem Maa�stabe und von
eigenth�mlicher massiver Vau Art; eine Menge von Pl�tzen mit Arkaden eingefa�t, und offnen G�ulen Hallen mit
Zothischen uno andern Bogen gew�lbt, fielet man viel auf den Pl�tzen stehen, welches einen ganz eignen und sch�nen
Eindruck macht, da alles dies im sch�nsten Styl gebaut ist; � dies ist also der aljerth�mliche tC^eil; � das, den neuen
Anstrich gebende, sind nat�rlich die modernen Geb�ude, deren recht h�bsche l�ngs den Quais am Arno stehen, wo wir
auch wohnen; sehr sch�ne Vr�cken, welche an die pariser erinnern, f�hren �ber den Flu�. Die Gegend ist ungemein
freundlich, durch die unz�hligen H�user welche das Chal und alle h�hen bedecken. Eine Art Parc, le Cascine
genannt, ist vor dem Thor die Hauptpromenade, welche flei�ig von der sch�nen Welt besucht wird, und wo auch wir
JOOO �races devloyirt haben. � Der Gro� Herzogs und die ganze Familie hat uns �u�erst g�tig und ungeniert
empfangen. Gestern war ein recht h�bscher Sali bei Hof, der bis 3 Uhr wehrte; ich mu�te aushalten, weil die
Gro� Herzogin so lange blieb, die passionirr tanzt. Die Gesellschaft ist recht h�bsch hier; die Mutter und Gr�ber
von ?a�ia[?] habe ich kennen gelernt; die �v��et sind infatiguable T�nzer, wie es scheint. �. Louise von Homburgs ist hier, und legt sich zu F��en. Er gehet weiter noch nach Neapel zum Philipp, �ber
dessen Herzens Angelegenheiten ich ziemlich unterrichtet bin. � Vorgestern Abend waren wir nach einem Din� bei
?orb B�rgers zur Soir�e bei Vombelles^, dessen Frau eine ber�hmte S�ngerin ist und bas sehr mit Recht; sie ist dabei
eine sehr heitere Frau, heute sind wir noch zu guter- letzt auf zwei Feten; n�mlich zu einem franzsch. Gesellschafts
Theater bei Mr. (Tuarb, eine Bekanntschaft aus Genf, und zum Ball darauf bei Burghers. Denke Dir Bradchow^
ist auch hier; wir haben gestern lange zusammen conperfirt; er will zum herbst nach Berlin kommen, um die gro�en
Man�ver der concentrtrten 6 Divisionen zu sehen, welche Man�vers schon in ganz Europa bekannt zu sein scheinen. �
Du stehest aus dem Mitgetheilten, da� wir in einer sehr Freudenreichen, ober eigentlich vergn�gungsreichen Zeit und
Reise leben. Nichts destoweniger ist mein Inneres in diesen Tagen mehr wie seit l�nger mit ernsten Ansichten
besch�ftigt, da das Jahr zu Ende gehet, welches so Erfahrungsreich und kummervoll f�r mich mari Ernste R�ckblicke
werfe ich auf bas verflossene Jahr, und nehme nur die trostreiche Ueberzeugnng aus allem Erlittenen mit hinaus, da�
die tr�be Scr/merjens Zeit keine verlorene war! Nein im Gegentheil. Mich haben diese bitteren Erfahrungen
ganz dahin gewiesen, wo wir immer Hinsehen sollen, � nach (2)ben! Ganz habe ich die Allmacht der Vorsehung
erkannt, mit ihren uns unerkl�rlichen wegen; und grabe weil sie uns unbegreiflich sind, so f�hrt uns dieser Gedanke
so nat�rlich zum kindlich frommen Pertrauen zu dem Vater aller Gesch�pfe, der am besten wei�, mas uns n�tzt und
nicht n�tzt. Darum stehen wir zu Ihn�: nicht unser, sondern Dein Wille geschehe! wenn wir Ihm unser kindlich
hei�es Gebet mit unfern w�nschen und Dankgef�hlen dargebracht haben.
� Vunkel und schwankend ist die Zukunft
1 Papst pius VII.
�
2 Gro�herzog Ferdinand pou (Eoscatia; seine Gemahlin war eine s�chsische Prinzessin. �
"
Der Vrilder
"K�nig Friedrich-Wilhclms III.
� *Prinzessin luise war die Gemahlin des Prinzen Gustav van Hefsen�Homburg, �sterreichischen General-
majors. � 5 Graf ludwig �sterreichischer Gesandter; seine Frau war Ida Vnm, Tochter des d�nischen Konfereitjrats �run
und der Schriftstellerin Friederike Vrun.
        
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