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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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fa�te er den Gedanken einer gemeinsamen �sterreichisch-preu�ischen Fncdensvermittlung: danach sollten die T�rken die
�sterreichische Vermittlung anrufen, wahrend Ru�land die seinige in Anspruch nahm^.
Wirklich gelang es &em Roma, den Wiener Hof zu Anfang des Jahres (770 dahin zu bestimmen, der Pforte
die Vermittlung anzubieten. W�hrend aber Friedrich lediglich auf dein Wege der Verhandlung fein Ziel zu erreichen
plante, fa�ten die Vesterreicher van vornherein die bewaffnete Vermittlung ins Auge. Ostentativ verst�rkten sie ihre
Gruppen in Siebenb�rgen, um so gleicherma�en einen Druck auf die Russe� wie auf die T�rken auszu�ben. Da sie
indessen zweifelten, ob dieser gen�g�, um den Widerstand des Petersburger Hofes zu brechen, so gedachten sie, Preu�en
gegen Ru�land auszuspielen. Sie dr�ngten K�nig Friedrich zu energischen� Auftreten gegen seinen Bundesgenossen;
selbst zu Drohungen sollte er greifen 2 Aber der K�nig war nicht gewillt, sich zum blinden Werkzeug ihrer Pl�ne
herzugeben und leichtfertig feine Allianz mit Ru�land aufs Spiel zu setzen. Immerhin verfolgte er zun�chst gemeinsam
und im Einverst�ndnis mit Gesterreich das Ziel der Wiederherstellung des Friedens.
Die Mi�erfolge imFelde hatten die T�rken nachgiebiger gestimmt. Zwar wies auch jetzt noch Mustapha III.
jeden Gedanken an Frieden zur�ck, aber die Minister der Pforte legten noch vor Ablauf des Jahres dem
preu�ischen Gesandten nahe, in einer neuen Note �nochmals die Mediation anzutragen". Dann verlangten sie, Zsgelin
solle ihnen im Namen Ru�lands �einige directe propositiones" f�r den Frieden machen, und wieder etwas fp�ter
ersuchten sie ihn um Mitteilung der russischen Friedensbedingungen; dabei wollten sie jeden Anschein vermieden sehen,
als ginge die Aufforderung von ihnen aus-'. Obgleich Friedrich, die Rolle des ehrlichen Maklers spielend, sich sofort
an die Russen wandte, kam die Friedensaktion nicht in Flu�.
Die entscheidende Wendung brachte erst die Vernichtung der t�rkischen Flotte vei Tschesme si. Juli) und des
kandheeres am Aagul August Nunmehr lie�en die T�rken das f�rmliche Vermittlungsgesuch an den
wiener und Verliner Hof ergehen. Damals, in den ersten Hevtembertagen, stattete der A�nig in M�hrisch -Neustadt
dem Kaiser seinen Gegenbesuch ab. Den Hauptgegenstand der Verhandlung bildete der Hilferuf der Pforte. Nach
Abrede mit dem Staatskanzler F�rst Raunitz, der Joseph II.begleitete, �bernahm Friedrich die Aufgabe, die Zustimmung
des Petersburger Hofes zur �sterreichisch-preu�ischen Vermittlung zu erlangen. Nur mit widerstreben ging Aatharina II.
darauf ein; am liebsten h�tte sie gesehen, da� Vesterreich ganz aus dem 3piele blieb. Und nur z�gernd verstand sie
sich zur Mitteilung ihrer Friedensbedingungen, die in der Forderung der Unabh�ngigkeit der Tartaren und der
der Moldau und Walachei auf 25 Jahre gipfelten.
Damit war die orientalische Frage aufgerollt, die Frage der Vertreibung der T�rken aus Europa und der
Verteilung ihres Erbes. In dem von ihnen aufgestellten Friedcnsprogramm erkl�rten die Russen offen, da� sie die
Vorherrschaft auf dem Valkan beanspruchten. Es war klar, da� die Vesterreicher diesen Anspruch nicht anerkennen
konnten, ohne ihre eigenen kebensinteressen und ihre politische Zukunft auf das schwerste zu gef�hrden.
Nicht einen Augenblick verkannte der A�nig die weittragende Vedeutung der Forderungen Katharinas II.
Veharrte sie auf diesen, dann war der langbef�rchtete Krieg zwischen beiden Amserh�fen unvermeidlich. Friedrich zog
sofort die Konsequenz und verlangte in feiner Antwort vom H. Januar 5??^ den rufsischen Verzicht auf jene beiden
Vedingungen; um seinem Vegehren desto st�rkeren Nachdruck zu verleihen, f�gte er hinzu, andernfalls werde er von
der Vermittlung g�nzlich zur�cktreten.
Eben jetzt dr�ngle auch der Wiener Hof, der unver�ndert an dem Gedanken der bewaffneten Vermittlung
festhielt und seine R�stung verst�rkte, zur Entscheidung. Friedrich wich aus, indem er sich auf seine Allianz mit
Ru�land berief, und Vesterreich, diesen Vescheid als Absage deutend, schlo� nunmehr gegen Ru�land ein V�ndnis
mit der Pforte, das in der Nacht von, 6. zum ?. Juli ;??; zu Ronstantinovel unterzeichnet wurde.
1Friedrich an Rohd, 25. Gktober ,76Y (p.C., Vd.2?, S. ;65f.). � 8 Vgl. v. Arneth, Geschichte Maria Theresias, Bd. s,
5. 20
    
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