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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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III
f)lan eines Defensivbundes nach dem Hubertusburger Frieden'
Siegreich hatte der A�nig den schier �berm�chtigen Ansturm der Gegner bestanden. Voch sah er sich sofort
vor neue schwere Aufgaben gestellt: es galt nicht nur das gro�e Werk des wirtschaftlichen und milit�rischen �R�tablissements"
in Angriff zu nehmen, sondern auch die politischen Fundamente des Staates neu zu legen; denn, treulos ihn im Stiche
lassend, hatte England mit seinen Gegnern einen Sonderfrieden gemacht, Peter III.war gestorben, und da. sein� Gemahlin
und Nachfolgerin, Aatharina II., ablehnte, da5 mit dem toten Zaren geschlossene B�ndnis zu ratifizieren, so war Friedrich
wieder auf sich allein angewiesen. Zwei Wege standen ihm offen, um sich aus seiner politischen Isolierung zu befreien:
er mu�te versuchen, entweder Katharina II. umzustimmen oder zum Abschlu� mit den T�rken zu gelangen.
Veide Eisen legte der A�nig ins Feuer. Ver in A�rze zu erwartende Tod Augusts III.von Polen und die
damit brennend werdende Frage einer neuen polnischen A�mggwahl f�hrten zu erneuter Ankn�pfung mit Ru�land,
wahrend eine t�rkische Gesandtschaft, die als Gegengabe f�r die nach Abschlu� des Freundschaftsvertrages gespendeten
Geschenke �reiche pr�sente" des Sultans �berbringen sollte, Gelegenheit bot, die Verhandlung mit den
Vsmanen fortzusetzen.
Schon im Januar k�ndigte Rexin die Gesandtschaft an. Achmet Effendi, Resmi Pascha, ihr F�hrer,
lie� ihm vertraulich sagen, er habe �geheimen Auftrag", zu erforschen, wie der A�nig �ber den Abschlu� des Ver-
teidigungsb�ndnisses denke, und �ber etwaige Vorschl�ge desselben zu berichten. Die Gr�nde der Pforte f�r diese
entgegenkommende Haltung liegen nicht ganz klar zutage. Es scheint, da� sie glaubte, an der friedlichen Gesinnung
des Wiener Hofes zweifeln zu m�ssen. Vazu kam dann die Aussicht auf den baldigen Thronwechsel in Polen, der
auch die t�rkischen Interessen nahe ber�hrte.
Am 5. Gktober 5763 erlag August III.einem Schlaganfall. Ghne Z�gern erkl�rte sich Friedrich auf Katharinas
Anfrage bereit, die Wahl ihres Aandidaten, des Stolnik (Truchse�) von Litauen, Stanislaus poniatowski, zu unter-
st�tzen, da das preu�ische Interesse lediglich den Ausschlu� eines �sterreichischen Vewerbers bedingte. Am ?. September ?6H
erfolgte die Wahl von Stanislaus dank dem energischen Eintreten der russischen und preu�ischen Gesandten in Warschau.
Sie bildete den preis der Vefenswallianz , die A�nig Friedrich nach langen Verhandlungen am April des Jahres
mit der Zarin abgeschlossen hatte. Damit war bereits das Schicksal der Unterhandlung mit der Pforte entschieden.
Von Anfang an war Friedrich entschlossen, sich nur auf ein Verteidigungsb�ndnis mit den T�rken einzulassen.
August III. war schon gestorben, als Achmet Effendi am 9. November seinen feierlichen Einzug mit seinen
Vegleilsrn in Verlin hielt. Am 29. November wurde er von dem U�nig in Potsdam empfangen 2. Nachdem Friedrich
kurz seine Politik des Jahres und den Friedensschlu� mit Ru�land gerechtfertigt hatte, unterrichtete er den
Gesandten von der mit Katharina getroffenen Uebereinkunft, einen piasten auf den polnischen Thron zu erheben;
dabei unterlie� er nicht, zu betonen, da� diese Abrede f�r Polen und alle Nachbarn, also auch f�r die T�rken vorteil-
haft sei. Endlich brachte er die Rede auf die Allianz: sie entspr�che dem gemeinsamen Interesse; die geographische
Tage ihrer L�nder erm�gliche beiden Teilen, sich gegenseitig durch eine Diversion zu unterst�tzen. Er schlug vor, sie
auf 50 Jahre oder noch besser auf ewige Zeiten zu schlie�en. Zur ausdr�cklichen Bedingung machte er aber, da�
sie sich nur gegen Vesterreich richten d�rfe; ja, die Russen sollten nicht einmal genannt werden, war doch die Situation
ganz �hnlich, wie nach der Thronbesteigung Peters III.
Seiner Zuversicht auf das Gelingen gab er in einem dieser Tage an den Prinzen Heinrich gesandten Schreiben
beredten Ausdruck, indem er das T�rkenb�ndnis geradezu als �einen der wertvollsten Teile der ganzen Erbschaft"
1 Vgl. f�r diesen Abschnitt die Abhandlung von Z�ottebo?im, �Die preu�isch. t�rkische Defensivallianz 5?S3� (Festschrift
des Friedrich�H>erderschen Gymnasiums, Berlin 188() und meine Darstellung im HohenIollern -Jahrbuch 49a?, 5. ZU ff. � 3 Ver Gegenstand
der Verhandlung in der Audienz ist in einer Denkschrift vom 30. November {763 zusammengefa�t (abgedruckt: p. �?., Bd. 23, S, 2
    
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