Path:
Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

85
die Pforte abgegeben habe und auf den Beschlu� des Gro�en Diwans warte. Alle Nachrichten schienen auf das
baldige Eingreifen der T�rken zu deuten. Darauf blieb aber wieder alles still; denn meisterhaft verstand der Gro�-
vezicr Rhagib Mohamed Pascha, der dem preu�ischen Ariegsgl�ck nicht traute, die Verhandlung unter den verschiedensten
Vorw�nden, mit immer neuen Forderungen wieder hinauszuziehen, So verlangte er in einer geheimen Audienz, die
er im April 5?5H endlich dem preu�ischen Unterh�ndler erteilte, England sollte dem B�ndnis beitreten oder es
wenigstens garantieren. Unverz�glich erfolgten die n�tigen schritte bei dem englischen Ministerium, das aber
seinerseits Schwierigkeiten erhob. Am 26. April 1?60 meldete Rexin: �Ver Defensivtractat liegt zum Unterzeichnen
fertig bei der Pforte." Und erst rund ein Jahr sp�ter, an, 2. April 5?6^, wurde der Handel- und Freundschafts-
vertrag geschlossen, nachdem man wegen der Haltung Englands in gegenseitiger �bereinkunft das Verteidigungsb�ndnis
vertagt hatte. Nur als Abschlagszahlung f�r die Zukunft konnte dieser �simple Freundschaftsoertrag" Bedeutung
f�r den A�nig haben.
Als weit wichtiger mu�te ihm unter diesen Umst�nden der gleichzeitig von Rexin �bermittelte Vorschlag
erscheinen, den Tartarenkhan zum Bruch mit Ru�land aufzufordern. Mit diesen: Auftrage reiste Ende September
ein preu�ischer Sendling, Voscamp, nach der Arim, vorl�ufig noch ohne Vollmacht und Beglaubigungsschreiben.
Sechs Wochen sp�ter traf ein tartarischer Abgesandter, Mustapha Aga, im preu�ischen Hauptquartier ein, der das
Angebot seines Gebieters, Aerim Geray, �berbrachte, �mit einem Corps von 60 oder 80000 Tartaren dem K�nig
gegen seine Feinde zu secondieren". vor allem, so betonte er, habe es der Ahan auf Ru�land abgesehen. Dem Wunsche
Aerim Gerays entsprechend sandte Friedrich den Huartiermeister^Teutnant Aarl Alexander von der Goltz zu ihm,
um den Feldzugsplan des n�heren festzustellen. In:Dezember kam noch ein zweiter tartarischer Sendbote, Jakub Aga,
mit der Versicherung, da� im M�rz die Tartaren gegen Ru�land aufbrechen w�rden.
Auch in Aonstantinopel schien sich alles g�nstig anzulassen. Rexin �u�erte die Erwartung, im Januar 5 ?62
nunmehr auch das Verteidigungsb�ndnis zeichnen zu k�nnen.
Der A�nig glaubte schon, am Ziele seiner Hoffnungen zu stehen, und entwarf einen Feldzugsplan, in dem den
T�rken und Tartaren ihre bedeutsame Rolle zugewiesen war. w�hrend 30000 Tartaren und 80000 T�rken gegen
Ru�land marschierten und in die Ukraine einbrachen, sollte die Hauptmacht der T�rken, 520 000 Mann stark, in
Ungarn einfallen. Gleichzeitig sollte ein preu�isches Aorps von 8000 Mann, haupts�chlich Reiterei, in Gberschlesien
sich versammeln, sich mit 6000 Tartaren unter Goltz vereinigen und dann bis prc�burg vorsto�en. Friedrich selbst
plante, zun�chst Schweidnitz wiederzunehmen und dann, wie nach M�hren zu gehen und Vr�nn oder Vlm�tz
zu belagern. Seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, endlich war die Aufgabe zugedacht, nach der R�ckeroberung
Dresdens in B�hmen einzumarschieren und vor Prag zu r�cken. Indessen gelangte nur ein kleiner Teil dieses grandiosen
Planes zur Ausf�hrung, n�mlich die Entsendung des preu�ischen Ravalleriekorps nach Oberschlesien, das nach einem
kurzen Vorsto� ins Vesterreichische sich dann wieder auf preu�isches Gebiet zur�ckzog.
Der Hauptgrund f�r das Scheitern dieses Feldzugsplanes beruhte in dem Wechsel der allgemeinen politischen
tage, der durch den Tod der Zarin Elisabeth am 5. Januar herbeigef�hrt wurde. Bekanntlich trat ihr Nach-
folger, Peter III.,auf die preu�ische Seite und schlo� mit dem A�nig Frieden. Dieser sah sich nun aber gen�tigt,
die T�rken und Tartaren, wenn er nicht g�nzlich auf ihren Beistand verzichten wollte, zu bestimmen, sich allein gegen
Vesterreich zu wenden. Die neue Verhandlung dar�ber mit den Tartaren stie� jedoch auf so gro�e Hindernisse, da�
sie sich immer mehr in die l�nge zog und schlie�lich ganz zerschlug. Im Oktober 1?62 berief Friedrich den
keutnant Goltz endg�ltig zur�ck.
Zur gleichen Zeit erkl�rte auch die Pforte, nachdem im Juli des Jahres schon das preu�ische Ratisikations-
instrument des Verteidigungsb�ndnisses an Rexin abgesandt war, erst nach geschlossenen: Generalfrieden die Verhandlung
wiederaufnehmen zu wollen.
Am Februar setzte der Hubertusburger Friede dem blutigen Ringen auf der Walstatt ein Ende.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.