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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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Vaf�i kommt endlich noch ein besonderes Moment in Betracht: sein Glaube an die innere Araft des
Osmanenreiches. Zwar nicht allzu g�nstig lauten die Urteile, die er �ber die T�rken in den Denkw�rdigkeiten von
f�llt. Gr nennt sie begabt; doch sind sie verdummt infolge ihrer unglaublichen Unwissenheit selbst inKenntnissen aller-
gew�hnlichster Art. pers�nliche Tapferkeit zeichnet sie aus, aber diese wird meist wertlos, da ihnen jeder Vegriff der
h�heren Ariegskunst fehlt, die erst die Araft auszun�tzen lehre. Allerdings habe der Franzose Vonneval die Ianitscharen
zu organisieren versucht; die Einf�hrung der Disziplin, wie sie in den christlichen Heeren herrscht, h�tte die unerme�lichen
Scharen der T�rken zu einer Gefahr f�r Europa gemacht. Indessen das Verbot des Aorans, an den alten Gebr�uchen
zu r�tteln, habe alle Vestrebungen Vonnevals scheitern lassen, wenn die T�rkei ihr Dasein behaupte, so geschehe es
dank ihrem Alter und der unersch�pflichen Araft, die sie aus ihren weiten Provinzen ziehe, die �wahrhafte Pflanzstatten
der menschlichen Gattung" seien, und wie Friedrich in der �Geschichte meiner Zeit" von noch hinzuf�gt, dank
der Eifersucht der F�rsten Europas.
U)ir vernahmen das vernichtende Urteil des A�nigs �ber die t�rkische Ariegf�hrung w�hrend des russisch-
t�rkischen Aneges, Auch nach dem Friedensschlu� von Autschuk-Aainardsche ward er nicht m�de, �ber die
�Lethargie" der Pforte zu klagen. �Ihre Politik ist so schwach wie ihr Degen", erklarte cr. �Der Gro�herr liegt in
apoplektischem Schlummer." �Der T�rke ist nur ein armer T�rke V Er dachte damals daran, alle Verbindungen
mit Aonstantinopel abzubrechen.
Dann im Herbst und Winter des Jahres 5?8H entwickelte er in der Aorrespondenz mit Diez nochmals seine
Anschauungen �ber das Reich der Gsmanen^. Dtez habe Recht, wenn er sage, da� die T�rken allzu eigensinnig bei
ihren Gebr�uchen beharrten und zu unwissend seien, uni das Gute zu erkennen, das aus Reformen f�r sie erwachsen
k�nne. Auf die Frage, welchen Umst�nden sie ihre fr�heren gro�en Erfolge zu verdanken h�tten, gibt Friedrich die
Antwort: der �berlegenen Zahl ihrer Truppen, ihrem religi�sen Fanatismus, ihrer dauernden Ariegs�bung, aus der
erfahrene Heerf�hrer hervorgegangen seien. Seitdem aber h�tten die europ�ischen F�rsten die Ariegskunst zu ver-
vollkommnen gesucht, und w�hrend diese, um das Ariegghandwerk kennen zu lernen, es �anatomisch zergliederten und
untersuchten", habe der Vsmane mit gekreuzten Armen dabeigestanden. Franz�sische Offiziere seien gekommen, um
die T�rken zu unterrichten, aber infolge der Unzul�nglichkeit der Lehrmeister, wie der Ungelehrigkeit der Sch�ler sei
aller Erfolg ausgeblieben.
Doch Friedrich � und damit kommen wir zu dem entscheidenden Punkte � will nicht verzweifeln. Die
Vsmanen, erkl�rt er, sind zwar unwissend, aber nicht dumm, wenn sie wollen, k�nnen sie Armeen in der St�rke
von 200000 Mann aufstellen. Es fehlt ihnen nur an erfahrenen (Offizieren und guter Artillerie, was ihnen helfen
kann, sind nicht fremde Instrukteure, sondern allein Reformen, die sie selbst in die Hand nehmen m�ssen. Daher geht
feine Mahnung dahin, da� sie begabte M�nner, die gesundes Urteil besitzen, an die verschiedenen H�fe Europas senden,
um dort Finanz- und Heerwesen, Festungsbau und Handel zu studieren und sich genau �ber kage und Zustand einer
jeden der europ�ischen M�chte zu unterrichten. Diese M�nner sollen alsdann die Reform des Reiches durchf�hren.
Bedingung aber bleibt, da� die T�rken ihre Voreingenommenheit ablegen, als sei es unter ihrer W�rde, Aufkl�rung
bei Nationen zu sch�pfen, �die sie Giaurs nennen".
Diese Reformgedanken, die er dem Gro�vezier zu unterbreiten befahl, beweisen, da� Friedrich die T�rkei in
keiner weise als einen dem Untergange geweihten Staat betrachtete. Freilich kam seiner Ueberzeugung nach alles auf
die Vsmanen selber an. Sollten sie in ihrem Zustande des Verfalls beharren und fortfahren, ihren Glauben fatalistisch
auf das Schicksal zu setzen, dann, so prophezeite er ihnen d�ster, sei �ber kurz oder lang ihr Verh�ngnis gewi�: die
Vertreibung aus Europa.
1 Vgl.Publikationen aus den Agl.Preu�. Staatsarchiven, Vt�. 4. S. (91, nnd ?uvres, �3?>. 2, 3. 52f. --- * vgl.p.?., Bi). 36,
5. 5^7. � 8 (?s handelt sich um die Erlasse vom \9. September, 25. November und 22. Dezember \7B^ (G. St. A.). vgl. auch Znikeisen,
Vd. 6, S. $96, und peters, S. $5ff. Hic von beiden Forschern ebenda angef�hrten schreiben vom 27. November un�t H- Vczember 5735
art Diez sind INinisterialerlasse nnd kommen daher f�r uns nicht in Vrlracht.
n��3ctftbudi ig)5- 14
        
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