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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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den ruhenden pol die preu�isch-�sterreichische Gegnerschaft. Gleichsam wie ein ehernes Gesetz beherrschte sie den Gang
der friderizianischen Politik.
Die stunde, da Aaiser KavI VI. dahinschied, war K�nig Friedriche Schicksalsstunde. Heine Gr��e und auch
feie Tragik feines Geschickes liegt in feinem Entschl�sse zur Eroberung Schlesiens. Uni diese Erwerbung und die
Gro�machtsstellung Preu�ens, die er mit ihr f�r feine Staaten errungen halte, siegreich zu behaupten, hatte er bis an
sein Lebensende gegen Gestcrreich 311 k�mpfen, w�hrend der ersten H�lfte seiner Regierung gegen MariaTheresia,
w�hrend der zweiten H�lfte gegen Aaiscr Joseph,
Am siegreich allein den Streit bestehen zu k�nnen, fehlte der preu�ischen Monarchie noch die innere Araft.
Sie war auf starke Bundesgenossen angewiesen. So folgten einander die Allianzen, zun�chst mit Frankreich, dann mit
England und schlie�lich mit Ru�land, big Friedrich zuletzt, als Aatharina II.sich mit seinem alten Gegner verb�ndete,
den F�rstenbund ins kcben rief.
Ver Gedanke dagegen, das politische System Preu�ens auf eine Allianz mit der Pforte zu begr�nden, lag dem
K�nig fern. Jede derartige Verbindung h�tte die Gefahr f�r ihn. heraufbeschworen, in die Streitigkeiten des Orients
verstrickt zu weiden, mit denen das preu�ische Staatsinteresse nichts 511 schaffen hatte. Dieser Uebcrzeugung gab er mit
folgenden Worten pr�gnanten Ausdruck: �Was ich etwa zum vorteil der T�rken tue, darf nicht zum Unheil f�r
Preu�en ausschlagen'." Wenn �berhaupt, konnte eine Allianz mit der Pforte nur subsidi�r, nur soweit f�r ihn in
Betracht kommen, als sie als Waffe gegen Gcstcrreich diente; denn nur die gemeinsame Gegnerschaft gegen das Haus
Habsburg war das Band, das beide Staaten miteinander verkn�pfte. Hur der milit�rische Gesichtspunkt war ma�gebend,
da� dank der geographischen Tage ihrer L�nder die beiderseitigen Heere den Gegner inFront und R�cken packen konnten.
So hat Friedrich denn auch, ohne da� ein B�ndnis zwischen ihnen bestand, die T�rken zu einer Diversion gegen Gesterreich
zu bestimmen versucht, als er \?7S wie \785 daran ging, die Anschl�ge Aaiser Josephs auf Bayern zu Falle zu bringen.
Verh�ngnisvoll f�r alle Bestrebungen des A�nigs, zum Abschlu� einer Allianz init der Pforte zu gelangen,
war nun aber der Umstand, da� diese nicht blo� mit Vcstcrreich, sondern auch mit Ru�land inbitterer Feindschaft lag.
Mit dem Augenblicke, da er selbst init den Russen sich verb�ndete, geriet seine T�rkenpolitik in einen unheilvollen
inneren Zwiespalt, der ihn schlie�lich dazu zwang, auf jedes B�ndnis mit der Pforte zu verzichten. Auch die Versuche,
die er, die Ziele der russischen Politik verkennend, seit machte, den russisch-t�rkischen Gegensatz zu �berbr�cken,
mu�ten scheitern, da Aatharina II. an ihren orientalischen Entw�rfen unersch�tterlich sesthielt.
Noch einmal dachte der A�nig ernsthaft an ein V�ndnis mit der Pforte, als die alte 1
    
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