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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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zu gelangen, die ihm sicheren R�ckhalt bot, da spann er, auch nach dem Abschlu� des F�rsteilbundes, den schwachen
Faden des russischen B�ndnisses � das �Restchen Allianz", wie er es nannte 1 � sorgsam fort, in der Hoffnung, da�
es der kommenden Generation, seinem und Katharinas Erben, beschieden sei, ein neues und festes Einvernehmen her^
zustellen. So sagt er in dem bereits erw�hnten R�ckblick Don {78<$ 2: �?tegt die (Erwerbung Ronstantinopels der
Kaiserin nicht mehr am Herzen, dann werden die Vande, die ihre Allianz mit dem Aaiser so eng kn�pfen, sich
wieder v�llig lockern." Da Gro�f�rst paul unersch�tterlich zu Preu�en halte, w�rde man ganz �bereilt handeln, das
V�ndnis mit Ru�land zu brechen.
Damals freilich, in den Jahren und 5 780, glaubte er noch immer nicht an die M�glichkeit eines Ein-
verst�ndnisses zwischen beiden Raiscrh�fen. wie er schon w�hrend des russisch-t�rkischen Arieges seinen Zweifel ge�u�ert
hatte, da� Vcsterreich bei dem Tausch gewinnen werde, sobald es Ru�land statt der T�rkei zum Nachbarn erhalte�,
so ineinte er auch jetzt, das eigene Interesse verb�te den Russen, die T�rkei der �sterreichischen Begehrlichkeit preis-
zugebend So wollte er den Vesuch Josephs am Petersburger Hofe nur als �Demonstration" auffassen; er �u�erte
die Hoffnung, �der krei�ende Verg werde nur ein IN�uslein geb�ren^". Erst Ende wurde er durch G�'rtz
von den gewaltigen Pl�nen Katharinas II. gegen die T�rkei genauer unterrichtet, Ende Januar 5?9^ von dem
�unerwarteten Ph�nomen", wie cr es nannte, eines Vertrages, �ber dessen Abschlu� Ru�land und Vesterreich ver-
handelten. 2Nitte Juni wollte er wissen, da� das V�ndnis noch nicht unterzeichnet, und Ende des Monats
gar, da� es gescheitert sei 6.
Erst jetzt gab er auch dcn Gedanken an die Tripelallianz mit Ru�land und der Pforte, die immer noch hin
und wieder in den Erlassen an Gaffron aufgetaucht war, endg�ltig auf. Als nicht mehr damit gerechnet werden konnte,
Aalharina f�r den Plan zu gewinnen, hatte Panm dem A�nig geraten, der Pforte gegen�ber dilatorisch zu verfahren,
und diesen Rat mit der Hoffnung begr�ndet, was gegenw�rtig unm�glich erscheine, k�nne sich in einein Jahre, vielleicht
auch in sechs Monaten verwirklichen lassen. Daraufhin hatte Friedrich anfangs in seinen Mitteilungen, die er Gaffron
�ber das Projekt eines preu�i schurkischen 5onderb�ndmsses machte, den sp�teren Beitritt Ru�lands in Aussicht gestellt'.
Dann gestand cr ein, da� es Schwierigkeiten bereite, die Zustimmung der Zarin zu erlangen; noch sei aber, so hoffe
er, ihr letztes A)ort nicht gefallen. Er sprach von sechs bis acht Monaten, die man sich noch gedulden m�sse. Darauf
befahl er dem Gesandten, sich zugekn�pft zu halten und ohne ausdr�ckliche Erm�chtigung nichts weiter zu unternehmen;
denn ohne Ru�lands Beteiligung am V�ndnis k�nne er keinen Schritt weiter vorw�rts tun (Januar 57801. Dagegen
sollte Gaffron fortfahren, die Pforte zu vertr�sten und wenigstens f�r die Zukunft Aussichten auf Abschlu� mit Ru�land
zu machen (M�rz und April Nunmehr erkl�rte Friedrich: die Tripelallianz sei allzu gro�en Schwierigkeiten
ausgesetzt, als da� sie noch abgeschlossen werden k�nne l^2. Juli
Erschreckt von dem aufsteigenden Nnwetter suchte die Pforte bei den: A�nig Schutz. Unaufh�rlich erneuerte
sie ihre Antr�ge f�r eine Defensivallianz. Friedrich war entschlossen, sich auf nichts einzulassen. 3o entgegnete er am
2H. September 1?8 5, er m�sse das V�ndnis ablehnen, wenn er nicht Ru�land geradezu gegen sich herausfordern wolle.
Im �brigen versicherte er, da� f�r die Folgezeit den T�rken keine unmittelbare Gefahr drohe, da ein V�ndnis zwischen
den Kaiserh�fen nicht bestehe. In g�nstigeren Zeiten werde er mit Freuden eine feierliche Allianz schlie�en; bis dahin
1 So schreibt der K�nig am 23. Februar ait feinen Gesandten inICottfiattttitopel:�Ayant encore un reste d'alliance avec la
Russie, je ne puis la rompre" (vgl. peters, 5. 54, 2?nm. 2). � � Historische Zeitschrift, Vd. 60, S. 268. � 'vgl. P. -IT�arte von D�nemark vom 9. Mai *7fio ((S. 5t< A.). �
�
vgl. peters, S. 33f, � 7 Script von <3srtz vom 2. November; der
K�nig an (Saffrou, Nouembcr uni) 6. Dezember (779 (G. 5t. A.). � * vgl. Peters, S. ta�20. 2^.
        
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