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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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England den ersten Rang behaupten. Strebt Frankreich nach immer gr��erer Ausdehnung seiner territorialen Grenzen
un& feines politischen Einflusses auf dem Kontinent,, so sucht England den gesamten Handel gleichsam als Monopol
an sich zu rei�en, zur Vermehrung fetner Hilfsquellen und unerme�lichen Sch�tze, �die ihm als Werkzeug f�r seinen
Ehrgeiz und seine Politik dienen". willFrankreich der Welt feinen willen als Gesetz diktieren, so sind die Reicht�mer
Englands tDaffe; durch Vestechung sucht es Europa zu knechten. Veide Staaten stehen feindlich einander gegen�ber;
fast umschichtig haben fie die Geschicke Europas gelenkt. In derselben Klaffe wie sie, doch ihnen nicht v�llig eben-
b�rtig, da sie alle sich in gewisser Abh�ngigkeit von Frankreich oder England befinden, rangieren die vier Gro�m�chte
Spanten, Holland, �sterreich und Preu�en. Erst mit einem gr��eren Abstand folgen Sardinien, D�nemark und
Schweden, polen und Portugal; denn fie sind g�nzlich auf die Gro�m�chte angewiesen. Zu dieser letzteren Gruppe
geh�ren schlie�lich noch die beiden �halbasiatischen" Staaten, die T�rkei und Ru�land. Friedrich charakterisiert sie ah
�Werkzeuge" (machines) der europ�ischen Politik, die von Frankreich und England je nach Bedarf in T�tigkeit gesetzt
werden; denn Frankreich lasse die T�rken auf den r�mischen Aaiser los, �sobald es ihm anderswo zu schaffen machen
wolle". Und �hnlich verfahre England mit Ru�land.
3^ der Tat behauptete Frankreich seit dem 5 ?. Jahrhundert einen entscheidenden Einflu� in Aonstantinopel.
Durch franz�sische Vermittlung war denn auch der Friede von Belgrad 573H zustande gekommenem welchem sich
Vesterreich zu starken Abtretungen an die Pforte verstehen mu�te. Frankreich war es auch, das'' rund drei�ig 3 re
sp�ter die T�rken zum Bruche mit den Russen trieb.
In �hnlicher Weise, wie in der �Geschichte meiner Zeit", skizziert A�nig Friedrich in seinem politischen
Testament von die Gruppierung der M�chte, gleichfalls hier Frankreich und England eine dominierende
Stellung im politischen Systeme Europas einr�umend. Auch im Testament l��t er die einzelnen M�chte Revue
passieren; aber leider kennen wir nicht den die T�rkei speziell behandelnden Abschnitt, da das Dokument nicht voll-
st�ndig ver�ffentlicht ist. Immerhin ist an mehreren Stellen von ihr die Rede; denn nicht mit der politischen Uebersicht
begn�gt sich der A�nig. Er zeichnet ein Gesamtbild Europas, wie es seinem Auge sich darbietet. Sein Blick sucht
die Zukunft zu durchdringen und schweift in vision�re Fernen. Ausgangs- und Mittelpunkt seiner Betrachtung bleibt
die preu�ische Monarchie. Er begr�ndet die Politik, die er f�hrt, und weist dem Nachfolger weg und Richtung.
Zun�chst wird die T�rkei in dem Aapitel �ber �gro�e politische Entw�rfe" genannt. Darin vertritt der
A�nig den Grundsatz der Politik der freien Hand, da sie allein die M�glichkeit gew�hre, etwa sich bietende g�nstige
Gelegenheiten wahrzunehmen. Als lehrreiches Beispiel dient ihm sein vorgehen im Jahre das zur Erwerbung
Schlesiens f�hrte. So handle er auch, f�hrt er fort, zurzeit in Polen, wo eine �sterreichische Thronkandidatur drohte,
die f�r Preu�en unannehmbar war, nicht minder f�r die T�rkei, den unmittelbaren Nachbar Polens und Gesterreichs,
wie f�r Frankreich, das eine solche Verst�rkung der Macht des Hauses Habsburg nicht dulden konnte. �Ich unterrichte",
so schildert Friedrich seine Gegenma�nahmen, �Frankreich von den Absichten des Hauses Vesterreich und dr�nge es,
die T�rken wachzurufen, h�te mich aber wohl, mich durch Vertr�ge zu binden, warte das Ereignis ab, um dann meinen
Entschlu� zu fassen." wirklich schrieb er im Oktober an A�nig Ludwig XV., es sei klug, seinen Feinden zuvor-
zukommen und ihre Entw�rfe zu st�ren, besonders wenn man das k�nne, ohne sich einer Gefahr auszusetzen: �Man
mu�, wie mir scheint, alles wollen, was unsere Feinde nicht wollen. Sie f�rchten den Arieg mit den T�rken, also
m�ssen wir ihn hervorrufend" Seine Vorstellungen fanden indes am franz�sischen Hofe kein Geh�r.
Eine zweite Erw�hnung der T�rken findet sich in den, Aapitel des Testaments, das �politische Tr�umereien"
�berschrieben ist und die Frage k�nftiger Erwerbungen behandelt. Friedrich spricht von den: Feldzugsplan, der bei
einem Anege gegen �sterreich zur Eroberung von Sachsen f�hren soll. Da rechnet er nur in dem Falle auf Erfolg,
da� ein Teil der �sterreichischen Streitkr�fte durch Frankreich und Sardinien, die russische Heeresmacht aber durch
die T�rken gefesselt wird.
1 vgl.M�ndel, Vie politischen Testamente der Hohenzollern, TeilII, S, 
    
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