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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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durch den eigenen Bundesgenossen gefesselt sein, wir wissen �berdies, noch stand tic Zarin tm �rient nicht am
Ziel ihrer plane. Auf nichts Geringeres sann fie als auf die Vertreibung ter T�rken aus Europa. Auf Aonstautinopel
war ihr Vlick gerichtet. Dort wollte fie f�r ihren zweiten, imFr�hjahr \7?9 geborenen Enkel, dem sie den symbolisch
bedeutsamen Namen Aonstantin gegeben hatte, ein Aaiserlum als russische Sekundogenitur begr�nden.
Nach alledem waren die V�ndnisantr�ge f�r Katharina unannehmbar. In� Hinblick auf diese Verhandlungen
nannte fie denn auch K�nig Friedrich einen trotz feines Alters �unbesonnenen" Politiker, der �fters versuche, �Dinge zu
combimeren, die sich nicht kombinieren lie�en"'.
Nicht erst dieser Dreibundsvorsch lag des A�nigs hat seiner Allianz mit Ru�land das Grab gegraben. Auf
Interessengemeinschaft beruhte sein V�ndnis mit dem Petersburger Hofe, In der polnischen Thronfrage, die sie gleich
nahe anging, hatten sich beide IN�chte gefunden. Nlit dein Augenblicke, da Ru�land die Verfolgung seiner Pl�ne im
Vrient aufnahm, begannen ihre Wege sich zu trennen. Das zeigte sich bereits im verlaufe des Aneges von
Schneidend trat ihr Interessengegensatz jedoch erst in den� Projekt des Dreibundes mit der Pforte zu Tage. Vot
Vcfterreich die Hand zur Verst�ndigung �ber die orientalische Frage und zur Unterst�tzung der russischen Pl�ne, dann
schwenkte Ru�land in das feindliche tager ab, war das Zustandekommen einer russisch-�sterreichischen Allianz gesichert.
Aaiser Joseph entschlo� sich zu diesem Schritte. Er stattete der Zarin seinen Vesuch in Nlohilew ab und folgte
ihr auf ihr? Einladung nach Petersburg. Im Niai 5?8�, schl�ssen sie ein Defensivb�nduis auf acht Jahre, und im
September des folgenden Jahres leitete Aatharina II. die Verhandlungen �ber die gemeinsame Aufteilung der T�rkei ein.
Mit steigendem Entsetzen verfolgte Friedrich die Abwandlung der politischen Ca$e im �stlichen Europa. Hautu
fa�bar erschien ihm der Perlauf der Ereignisse. Seit dem Teschencr Frieden, fo schrieb er im R�ckblick auf die letzten
Jahre 2, �ist die Politik zum Chaos geworden". Eifrig hielt er Umschau nach neuen Vundesgenossen. 3m Fr�h-
jahr 782 dachte er vor�bergehend an eine neue Verbindung mit England. Nachdem sich, wie erw�hnt, seit (Ente der
siebziger Jahre seine Beziehungen zu den Franzosen stetig gebessert hatten, schlug er diesen im Herbst J783 ein V�ndnis
vor. Trotz der Ablehnung, die Friedrich erfuhr, versuchte ein Jahr sp�ter sein Br�tet, Prinz Heinrich, als er Paris
besuchte, auf eigene Faust die Allianz zustande zu bringen, aber mit nicht gr��erem Erfolge. Wollte der Konig
nicht in politischer Isolierung verharren, dann blieb ihm als letzter Ausweg nur ein Bunt mit den deutschen
F�rsten, wie ihn schon als Ersatz f�r die Tripelallianz mit ter Pforte bei den Verhandlungen des Jahres 17?9
Graf panin angeregt hatte.
Damit ist der politische Hintergrund f�r die letzte Phase der Veziehungen A�nig Friedrichs zu den
Gsmanen gezeichnet.
VII
Zur�ckhaltung K�nig Friedrichs. Die Krisis des Jahres Ausgang
Auch diese letzte Epoche ist ganz und gar van dem Gegensatz gegen Vefterreich, von der Sorge vor Aaifer
Josephs ehrgeizigen Pl�nen beherrscht. Der A�nig wird nicht m�de, den T�rken Kriegsbereitschaft zu predigen, um
gegen alle �sterreichischen Anschl�ge gewappnet zu sein.
Auf der anderen Seite gewahrt man sein deutliches Vestreden, jeden Schritt zu vermeiden, der zum offenen
Bruche mit Ru�land f�hren konnte. Zwar f�hlte er, seitdem sich Joseph II.mit Katharina verbunden, den Voden
unter den F��en schwanken. Als aber alle Versuche fehlschlugen, mit einer der anderen Gro�m�chte zu einer Allianz
1 vgl. von Arneth, Maria Theresia und Joseph li Ihre Korrespondenz, Bd. 3, 5. 26<5 (Wien (868). � 2 In den, Entwurf
(,,De la politique") zur Fortsetzung seiner Denkw�rdigkeiten, den er im November 5785 verfa�te (abgedruckt in der Historischen Zeitschrift,
Vd. 60, 5. 266 ff.).
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