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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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einzuwenden haben. Auch die Erw�gung kann auf den Petersburger Hof Eindruck inachen, da� eine solche Convention
feine Absicht der Einmischung in Deutschlands Angelegenheiten unendlich beg�nstigen w�rde; denn dazu mu� er den
R�cken frei habend"
Seinerseits schlug nun auch G�rtz den Ausweg vor, das preu�isch-russische V�ndnis zu erneuern und ihm
einen Artikel einzuf�gen, durch den beiden Teilen die Freiheil vorbehalten werde, auch andere befreundete M�chte in
das V�ndniK aufzunehmen. So k�nne dann die Pforte miteinbezogen werden. Aber sofort erhob Panin dagegen
den Einwand, da� Katharina II. nimmermehr die Zulassung der Pforte gestatten w�rdet
Dann verfiel der A�nig auf den Gedanken, er k�nne mit der Pforte ein Sonder-Abkommen schlie�en, um sich
gegen Gefterreich zu sichern, sowie auch uni zu verhindern, da� die T�rken mit dem Kaiser gemeinsame Sache machten ".
An dein hartn�ckigen Ividerstande der Kaiserin Katharina, die nichts von einer Allianz mit der Pforte wissen
wollte, scheiterten indes alle Vorschl�ge Friedrichs, und so erkl�rte er am Dezember seinem Gesandten, er k�nne sie
nicht wider ihren willen zwingen: �U)enn sie auf meine Ideen nicht eingehen will, ist das ihre Sache und ich kann
nichts weiter dabei tun." Da lief, vier Cage sp�ter, ein neuer Bericht Gaffrons ein. Ver Reis-Effendi hatte ihm
drei Fragen vorlegen lassen: erstlich, ob der A�nig nur eine Vefenswallianz oder auch gleichzeitig ein Offen stvb�ndms
w�nsche, und welches seine Bedingungen seien; zweitens, ob er bereit sei, auch allein mit der Pforte abzuschlie�en,
falls Ru�land nicht zur Teilnahme zu bestimmen sein w�rde, und endlich drittens, ob er nicht vor Ablauf des Winters
die Verhandlung so weit f�rdern k�nne, da� Ru�land, ganz gleichg�ltig wie seine Entscheidung aussiele, nur seine
Unterschrift hinzuzuf�gen brauche. Sofort schickte der A�nig den Vericht an G�rtz, mit dem Vcfehl, ihn dein Grafen
Panin vorzulegen. Dieser m�ge sich daraufhin entscheiden. Nochmals wies Friedrich auf die vorteile hin, die ein
preu�isch V�ndnis f�r die gemeinsame Sache haben k�nnet Auch dieser letzte Versuch f�hrte zu keiner
Wiederaufnahme der Verhandlung. Damit war das Projekt des Dreibundes endg�ltig gescheitert und begraben.
wir stehen vor der Frage: weshalb nahm Katharina II. eine schroff ablehnende Haltung ein? Nicht die
entscheidenden Motive enth�llte Panin, wenn er ausf�hrte: �IhrWiderwille gr�nde sich auf ihre pers�nlichen Ansichten,
auf die �ffentliche Meinung und auf die Gewi�heit, da� die Nation aus religi�sen Vorurteilen ein solches V�nduis
tadeln w�rdet" Die ausschlaggebenden Momente lagen f�r die Zarin auf politischem Felde. Nach ihrer Ansicht,
die sie dem Grafen Panin in einer Denkschrift entwickelte", erf�llte bereits die Allianz mit dem K�nig v�llig den
Zweck, �die hochstiegenden Pl�ne des wiener Hofes einzuschr�nken". Dann f�rchtete sie, da� das vorgeschlagene
V�ndnis mit �einer der gesamten Christenheit feindlichen Macht" den �sterreichern die erw�nschte Gelegenheit b�te,
�die unter dem T�rkenjoche verbleibenden V�lker" an sich zu fesseln und sich damit eine �berlegene Stellung im Vrient
zu schaffen. Endlich und vor allem sprach gegen den Dreibund die Erw�gung, da� die T�rkei, gesichert von au�en,
�zu Kr�ften komme und Ru�land gr��ere Sorge als fr�her bereiten k�nnte". Aber sie verwarf auch den Gedanken
eines preu�isch-t�rkischen Sonderbundes, weil der K�nig bei einem neuen russisch-t�rkischen Kriege, der durch den Zustand
in der Krim, durch Handels- und Schiffahrtsfragen und sonstige �Mi�verst�ndnisse" hervorgerufen werden k�nnte, nicht
die geringste Sch�digung der Existenz der Vsmanen zulassen w�rde. Ru�land w�rde daher, so lautete ihre Schlu�folgerung,
1 Dci K�nig an G�rtz, 25. Oktober U79 (G. 5t. A.). Zinkeisen (Bb. h, S. z^ f. und 257) und Reimann (Vd. 2, 5. 2??f.)
weifen die �on dem K�nig vorgeschlagene �Convention", die nur den Deckmantel fur die Tripelallianz bilden sollte, mit einer zweiten,
non potcmfi� uno panin angeregten �Convention" zusammen. Hiese sollte sich, wie d� vren�isch'russische Konvention rom *.Mai 1767
(vgl. Forschungen zur Brandenburg, und pteug. Geschichte, Vd, 18, 5, 5 77 f.), ausschlie�lich gegen Gesterreich richten und bereits im voraus
alle Ma�nahmen f�r den Fall eines offenen Konfliktes mit Kaiser Joseph IL festlegen, vgl. die Berichte von G�rtz vom \9. Gktober,
15,. und 50. November 779 (G. 3t. A.). -- 4 Berichte von G�rtz vom (6. nnd (9- Vktober (779 (G. St. A.). Die Fortdauer der
preu�isch-russischen Allianz war bereits durch Erneuerung des Vertrages von \7^ in den Jahren i?by und 1777 bis (788 sichergestellt. �
3 Der K�nig an G�rtz, 2., 52. und \6. November (779. Zinkeisen (Bd. 6, S. 245) und, ihm folgend, Reimann (Bd. 2, S. 277) und
peters (5. 
    
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