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Friedrich der Große und die Osmanen

Full text: Friedrich der Große und die Osmanen

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nur seine Anh�nger ins Vertrauen 511 ziehen, das Geheimnis zu wahren und zum schnellen und gl�cklichen Gelingen
des planes beizutragen'.
�H�chst interessant" sei sein Vericht, erwiderte der A�nig in seiner Antwort vom 1,3. September dem Gesandten;
er f�gte hinzu, er werde den Vorschlag sofort an Ru�land mitteilen; doch m�sse sich die Pforte in Geduld fassen, da
man in Petersburg nicht an prompte Erledigung der Gesch�fte gew�hnt sei.
Welche Bedeutung der K�nig dem Projekt dieses Dreibundes beima�, erhellt aus dem Erla� an G�rtz, der
Ml demselben Tage erging wie Me Antwort an Gaffron und der den Gesandten animes. die Meinung de5 russischen
Hofes einzuholen, ohne dessen Einverst�ndnis Friedrich sich auf nichts einlassen wollte.
Nach diesem Erla� versprach sich der K�nig von der Tripelallianz einen doppelten Erfolg. Er erblickte in
ihr zun�chst einen �sehr starken Damm gegen alle ehrgeizigen plane des wiener Hofes". Nichts anderes hatten ja
alle seine Verhandlungen mit der Pforte bisher bezweckt. Um so wertvoller mu�te die vorgeschlagene Allianz in
diesen: Augenblick dem K�nig erscheinen, als er sich bereits auf einen neuen tDaffengang mit dem Kaifer gefa�t
machte. 3n eben diesen Septembertagcn arbeitete er einen neuen Feldzugsplan aus . Noch will er darin nicht mit
der C�rkenhilfe �wie mit einer vollendeten Tatsache" rechnen und entwickelt daher zun�chst einen Gperationsplan, f�r
den nur die s�chsische Armee, die schon im Bayerischen Erbfolgekrieg an Preu�ens Seite focht, und ein russisches
Hilfskorps in Anschlag gebracht sind. Zum Schlu� wirft er indes kurz den Gedanken auf, wie sich das beiderseitige
Ar�fteverh�ltnis stellen w�rde, sobald die C�rken eingreifen, die Franzosen in Flandern offensiv vorgehen, franz�sische
und sardinische Truppen eine Diversion in die Lombardei ausf�hren. Er gelangt zu dem Ergebnis, da�, selbst wenn
Holland und England au Gesterrsichs Seite k�mpfen und man dein Gegner �berall mit gleichen Kr�ften entgegentritt,
Preu�en dennoch eine Uebcrmacht von H0000 Mann erhalten w�rde, die es nach v�llig freiem Ermessen verwenden
k�nnte. Eine solche Heberlegenheit aber, damit schlie�t er, verb�rgt den Erfolg sogar gro� angelegter Pl�ne, wenn
nicht der Heerf�hrer selbst alles verdirbt.
In dem Erla� an G�rtz, zu dein wir zur�ckkehren, betrachtet Friedrich zweitens die Tripelallianz als Mittel,
�um f�r immer den Frieden zwischen Ru�land und der Pforte zu befestigen". Unzweideutig ist in diesen Worten
ausgesprochen, da� er �berzeugt war, Ru�land sei saturiert, es habe mit der im vertrage von Ainali Aawak erfolgten
Anerkennung der Unabh�ngigkeit der Tarlaren das Ziel seiner Pl�ne im Grient erreicht. Diese Auffassung wird
durch die Immedial Instruktion f�r G�rtz vom Juli I,??9 best�tigt. Dort hei�t es w�rtlich: �Das Princiv, das
alle Schritte der Kaiserin von Ru�land leitet, ist ihr Ehrgeiz, auf die europ�ischen Angelegenheiten Einflu� zu besitzen."
Sie habe Polen gewisserma�en in ihrer Hand, besitze betr�chtlichen Einfiu� in Schweden. �Aber ihr gro�er Ehrgeiz
geht dahin, sich in die Angelegenheiten Deutschlands einzumischen. Sie betrachtet das Reich als eine zwischen zwei
M�chten geteilte Monarchie, deren eine, und zwar die st�rkere, Gesterreich ist, die andere, die schw�chers, Preu�en.
Gerade dieser Umstand hat ihre Entscheidung f�r die Allianz mit Preu�en bestimmt; durch ihren Beistand will sie
die wage sich auf die Seite senken lassen, die ihren: Interesse am meisten entspricht. Nach diesem Aompa� mu�
man sich richten, um ungef�hr zu wissen, was man von Ru�land erreichen kann."
' Die Frage Pott Uebersberger (�Ru�lands Grientpolitik in den letzten Zwei Jahrhunderten", Bd. \, 3. 355, Stuttgart !9^2),
ob der Antrag nicht �unter dem Einfiu� der preu�ischen Diplomatie" erfolgt sei, ist unbedingt 311 verneinen; denn es m��te sonst irgend"
welche weifung an Gaffron dar�ber vorliegen. 3 einem Schriftst�ck, bei dein jeder diplomatische Nebengedanke ausgeschlossen ist, demjrelbjugspliin f�r den Fall eines neuen Krieges mit Vesterreich, den Friedrich im September (7*9 entwarf (siehe unten), sagt er auch
geradezu: �Les Turcs ont propos� de faire une alliance avec la Prusse et la Russie." Eher W�re an franz�sischen Einflu� 311 denken, wie
es Acu�erungen eines franz�sischen Dragon ers Vezotcux nahelegen, der den K�nig auf der Durchreise nach Petersburg fprach.
Friedrich schreibt dar�ber am 26. September an (Sorti:�H ne m'a pas dissimul� que, quoique militaire, ilavait �t� employ� dans les affaires
�trang?res ..
.1 il m'a confi�, ? la fin, que c'�tait sa cour qui avait l�ch� de donner ? la Porte l'id�e de s'unir avec moi et la Russie par
une triple alliance formelle, ? laquelle sa cour acc�derait comme partie principale contractante, et que c'�tait pour faire avancer cette quadruple
alliance qu'il se rendrait d'ici ? P�tersbourg et de l?. ? Constantinople" ((S. St. A.). Vezoteux machte Zwar inRu�land j�mmerlich Fiasko,
doch gibt es gen�gend Beispiele, da� sich Frankreich f�r seine plane derartiger politischer Agenten bediente.
�
a Die am 28, September *7?9
abgeschlossene Denkschrift; �R�flexions sur les mesures ? prendre au cas d'une guerre nouvelle avec les Autrichiens, en supposant qu'ils suivent
U m?me m�thode d'une d�fensive rigide comme dans la derni?re campagne de 1778" ist abgedruckt in den ?uvres, Vd. 29, 5. V29 ff-
        
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