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Die Stellung des Königlichen Kabinetts in preußischen Behördenorganisation

Full text: Die Stellung des Königlichen Kabinetts in preußischen Behördenorganisation

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Jahre Friedrichs I. mochte sich dies wenig gelten!) machen: ganz anders mu�te es nat�rlich sein, als ein Mann von
der Tatkraft Friedrich-Wilhelms I. zur Regierung kam, der fein eigener Feldmarschall und Finanzministcr fein wollte.
3I?ih fehlte sofort die expedierende Beh�rde f�r die Ausfertigung seiner schriftlichen Befehle; er schuf es sich daher auch
gleich, indem er den Mann, der ihm bisher die gesch�ftliche Korrespondenz erledigt hatte, feinen Hof- un& Aanimerrat
Ehrenreich Vogislav von Creutz daf�r beibehielt. l?lxt dieser Stellung Creutz beginnt das Kabinett des (8. Jahr-
hunderts. Vie erste Nachricht �ber diese Stellung des Creu^ haben wir in einem Briefe des s�chsischen Gesandten
Freiherrn von 2TTanteuffel an den Beneralfeldmarschall Grafen von Flemming von, 28. Februar {� 1^. Die erfte
Aabinettsorder, die ich bisher habe nachweisen k�nnen, tr�gt das Datum vom \.April \7\5\ sie ist von ?reu^
geschrieben worden^
Das Aabinett trat somit in die im Jahre entstandene t�cke der Neh�rdenorganisation ein; es
unterscheidet sich aber dadurch von dem Aammersekretariat, da� es in keine Beziehung zur Aanzlei (Geheimen
Aanzlei) und somit zu den Geheimen Raten tritt. Das Aabinett ist ausschlie�lich f�r den F�rsten da, sonst
aber unabh�ngig^.
Die schriftlichen Bescheide, die aus dem Aabinett ergehen, sind die bekannten Aabinettsorders; sie unterscheiden
sich von den alten Reskripten, die sich feierlich mit der ganzen Titulatur des Herrschers einf�hren, dadurch, da� sie
jeber Umst�ndlichkeit entbehren. �?s ist ein Instrument, so scharf und handlich, so fret von all den: �berfl�ssigen
Veiwerk, wie es in den sonstigen Expeditionen mitgeschleppt wurde, da� man es sich zweckentsprechender gar nicht
denken kann 4."
ZNan mu� nun zwei Formen der Aabinettsorder unterscheiden:
A. Me im Resolution^ oder Dckretstil, Me unpers�nlich abgefa�t ist und in &er Hegel an Beh�rden ergeht.
Sie beginnt gew�hnlich: Seine K�nigliche Majest�t von preufen, Unser allergn�digster Herr, lassen Dero (Hamen der
Beh�rden) hierdurch zu erkennen geben, ..... (Inhalt.) Darauf folgen (Dxt und Datum, die eigenh�ndige Unter-
schrift des "K�nigs, sowie unten links die Adresse.
B, Me im Vnefstil, welche gew�hnlich nur an Einzelpersonen, insbesondere hohe Beamte ergeht. Sie beginnt
mit der Anrede an den Adressaten (3, V. Alein lieber wirklicher Geheimer Etatsminister ....); es folgt der Inhalt
im Ichstil (Ich bin es wohl zufrieden .....). darauf als �chlu�wendung: Ich bin Euer wohlaffektiomerter Aomg.
Pas �brige wie die erste Form 5.
Es ist nun behauptet worden, da� die "Kabtnettsor6ers nach der formellen. Seite hin eine absolute Neuerung
bedeuten". Vies ist nicht Zutreffend. Bereits aus der Zeit des Gro�en Rurf�'rsten haben wir zahlreiche Bescheide, die
in dem Resolutionsstile der Rabinettsorders erlassen sind. Sie beginnen mit den Worten: Seine kurf�rstliche Vurchlaucht
in Vrandenburg befehlen ..... haben dann (Ortsangabe (gew�hnlich mit der Einf�hrung: Signatum) und eigen-
h�ndige Unterschrift. Hehr h�ufig ist die Ausfertigung auf die R�ckseite von Gesuchen geschrieben, deren Foliobogen
dann in der Regel zu einem Huartbogen geknifft ist. Diese Art van Reskripten ergingen gerade in Finanz- und
Vom�nenangelegenhciten sehr h�ufig, so da� sie jedenfalls dem ersten Aabinettssekret�r von Creu^, der ja gerade
darin gearbeitet hatte, bekannt war.
1 Acta Borussica, Veh�rdenorganislltion I, 3(7 und 3^9, bereits Vroysen hatte in feiner Geschichte der preu�ischen Politik,
Bit*IV, \ t 3.^55 auf diese stelle hingewiesen. � 3 vgl. das Faksimile. Bas �riginol befindet sich im Provinz� alarchiv zu Berlin,
lehmann Fannie eine Ausfertigung erst vom 3. Februar {7\6 (a. a. G., 5. 15^). Aus der Seltenheit der Erhaltung �lterer Kabinetts-
orders ersieht man, da� man dem Kabintll in seinen Anf�ngen keine gro�e VedeutlMg beilegen darf; man darf nicht die sp�teren Zust�nde
auf die erste Seit �bertragen.
�
8 (Es liegt mir hier fern, auf die bedeutenden Pers�nlichkeiten, die als Aammersekrel�re, Etatssekret�re und
HabineltsfeFrct�re wirkten, einzugehen. Ich erw�hne als Beispiel nur, da� die Geheimen R�te Fuch5 und 3Ugen Kammerfefret�re, da� der
bekannte Diplomat Pol^in lktatssekrei�r, da� die Minister Creuh und Marschall Nabineltssel'iet�re waren.
� * Ha�, lieber &as Aktenwesen
nnd den Kanzleistil im alten Preu�en, in den Forschungen, Vd. XXII, 5. 214. �
� Hinye in den Acta Borussica, Veh�rdenorganisation,
Nd. VI, >hh und 6^0; Ha�, a. a. 0)., S. 24�. Die 'Mabinettsoii'ers der sp�teren Zeit sind stet? auf (Quartbogen geschrieben; f�r die �ltere
Zeit kann man dies als unbedingte Regel nicht betMplen. (Sine Gegenzeichnung haben die Kabinettsorders des l�. Jahrhunderts nicht
gehabt. � � Lehmann, a. a. V., 5. 554.
        
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