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König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

Full text: König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

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Am gro�artigsten kommt bas, was alle bewegt, im �Aufrufe an mein Volk" zum Ausdruck. Ver Entwurf des eng;
herzigen, kleinlichen Ancillon, der in unbegreiflichem Unverst�ndnis ein gewundenes unw�rdiges Machwerk in franz�sischer
Sprache feinem Herrn vorzulegen wagte, wurde verworfen, und dem braven Hippel blieb es vorbehalten, zum Herzen
des Volkes gehende Worte zu finden. So hatte noch fein preu�ischer K�nig gesprochen, f�r Friedrich Wilhelm war es
ein Augenblick der Selbstbefreiung, da� er feine angeborene und eingewurzelte Zur�ckhaltung zu �berwinden und sich
diese flammenden Worte anzueignen vermochte. Der Bann war gebrochen, K�nig und Volk verstanden sich, und auf
breiter Grundlage entstand bas Volksheer, das Preu�en befreite, bas fortan des Vaterlandes St�rke gebildet hat und
dem es vorbehalten blieb, nach einem halben Jahrhundert Deutschlands (Einigung zu erk�mpfen, dasselbe Volksheer,
das sich heute in einem Kampfe nach allen Seiten, wie ihn einst Friedrich der Gro�e zu bestehen hatte, gl�nzend
bew�hrt. Da denken wir dankbar zur�ck an die Zeit seiner Entstehung, an den K�nig, der unter schweren K�mpfen
sich selbst �berwand, an die trefflichen M�nner, die den plan erdachten und ausf�hrten, in erster Time an Scharnhorst.
wie ein Mi�ton in der heiligen vertrauensvollen Stimmung muten uns Stellen in dem Aufrufe an das Heer
an-, �tiefe Schande und strenge Strafe" sollen den treffen, �der seine Pflicht vergi�t", uno ein peinlicher Unterschied
wird zwischen den zur Verteidigung des Vaterlandes berufenen und den freiwillig sich dazu erbietenden M�nnern
gemacht, ein Unterschied, der doch gerade durch die Aufhebung der �Exemlioncn" und die Errichtung der kandwehr
beseitigt werden sollte. Hier klingen die Erinnerungen an das ungl�ckliche Jahr nach, man gewinnt den
Eindruck, da� der A�nig und einzelne seiner Verater das Mi�trauen noch nicht v�llig �berwunden hatten Ver-
s�hnlich ber�hrt dann wieder die Zusicherung: �Euer A�nig bleibt stets mit Euch; mit Ihm der Aronprinz und die
Prinzen Seines Hauses. Sie werden mit Euch k�mpfen. � Sie und das ganze Volk werden k�mpfen mit Euch."
Vies versprechen haben der Herrscher und sein Haus treu gehalten, alle Gefahren des Heeres haben sie unentwegt
geteilt. Nachzuweisen, wie dies im einzelnen geschah, ist die Aufgabe dieser Vl�tter.
Friedrich Wilhelm vermochte weniger als andere, traurige Erfahrungen zu vergessen und sich zu vollem Ver-
trauen auf die Zukunft durchzuringen. Er ist selbst �berrascht gewesen, als wirklich �alle, alle kamen", und nur
langsam vermochte er sich in den mit der allgemeinen Wehrpflicht und der Errichtung der freiwilligen J�gcrabteilungen
und der Landwehr verkn�pften Gedankengang hineinzufinden. Graf Ludwig zu Vohna wollte schier verzagen, als er
in Breslau lange vergeblich auf eine Best�tigung dessen, was Ostpreu�en aus sich selbst geschaffen hatte, warten mu�te 2.
Vem A�nig wurden schnelle Entscheidungen unendlich schwer. Im Ariege und mit der wachsenden Gefahr wurde er
entfchiedener und k�hner, und seine Z�higkeit im Festhalten an dein einmal als richtig Erkannten steigerte sich. Die
Schlacht wirkte geradezu befreiend auf ihn, die Fesseln sielen, die sonst die besten Eigenschaften seines edlen Charakters
nicht zu voller Entfaltung kommen lie�en
Vie Kriegserkl�rung erfolgte am 6. M�rz. Vorher konnte auch die Bildung der kandwehr nicht befohlen
werden, weil sie unter den obwaltenden Verh�ltnissen einer Kriegserkl�rung gleichkam. Man hat die Versp�tung beider
Ma�regeln, die Aapoleon zugute kam, dem A�nig als Schuld angerechnet, aber der Aneg konnte unm�glich mit
Aussicht auf Erfolg ohne Ru�land begonnen werden, Friedrich Wilhelm hatte stets auch ein B�ndnis mit Gesterreich
im Auge gehabt. Ver Vertrag mit Ru�land wurde zwar erst am l.3. M�rz abgeschlossen, doch fanden schon vorher
gemeinsame Heeresbewegungen statt, und bereits am 8. M�rz wurde die Einschlie�ung zweier von den Franzosen besetzten
Festungen angeordnet. Gro�e Schwierigkeiten bereitete die Regelung des Oberbefehls. Vem A�nig wurde es nicht
1 F�r den Aufruf liegt, au�er einem eigenh�ndigen Entw�rfe des K�nigs, demgegeiliibcr das amtliche Schriftst�ck nur einige Stil*
Verbesserungen aufweist, noch einer des Generaladjutanten Don dem Knefebccf vor mit demselben Gedankengange, zum (Teil denselben Worten.
Anscheinend ist dies die �lteste Fassung. 23eide sind abgedruckt in von siflug�Harttung, Das Vefreiungsjahr 5653, Aerlin (9(3. vgl. auch
denselben �ber die Entstehung der beiden Aufrufe �Forschungen zur Vrandenburgischm und preu�ische� Geschichte", 26. Vd., 5. 265 ff. �
s Allerdings spielte bei der Verz�gerung die Erw�gung mit, die landwehreinrichtung f�r den ganzen Staat gleichm��ig zu gestalten. Vie
Vehauptung Doigts, der sein Material von Sch�n erhielt, von Unstimmigkeiten zwischen Vohna und Scharnhorst ist aus der luft gegriffen,
wie Arollmann in der Einleitung zu de� �tandwehrbriefen 5812" (Serlin \y\3) �achweist.
�
B Vgl. mein �K�nig Friedrich Wilhelm in.
in bec Schlacht", Verlin ;?07.
        
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