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König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

Full text: König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

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ImHauptquartier hielten die gehobene Stimmung und die Einigkeit nicht lange vor, man vermochte sich nicht
zu entschlie�en und � hielt wiederholt Kriegsrat.
Anfang September r�ckten die Verb�ndeten wieder in der Richtung auf Dresden vor, bis ihnen da5 Korps
Lt. Cyr bei Pirna entgegentrat. Die Nachricht, da� Napoleon selbst sich bei den nachfolgenden Heeresmassen befand,
beeinflu�te die Entschlu�kraft der Verb�ndeten, nur K�nig Friedrich Wilhelm nicht. Als am Morgen des 50. September
die Alarmsignale ert�nten, litt es ihn nicht im Quartier, er ritt nach Kulm zu, dem Kanonendonner entgegen^ �,
es fand ein R�ckzugsgefecht am Geiersberge und bei Nollendorf statt. �Der K�nig war an solchen Cagen unruhiger
Erwartung immer der erste auf der entscheidenden stelle 2."
Nach Eintreffen der Nachricht vom Ziege der Nordarmee bei Dennewitz, und als das Ausbleiben eines
franz�sischen Angriffs auf eine Umkehr der Franzosen schlie�en lie�, wurde ein Lmksabmarsch unter gleichzeitiger Heran-
ziehung der schlesischcn Armee beschlossen. Als Vl�cher jedoch seine eigenen Wege ging, war es der K�nig, der ihm
die M�glichkeit sicherte, bei seinem Entschl�sse zu verharren. Andererseits vermochte der K�nig nicht zuzustimmen, wenn
Gneisenau in berechtigter Unzufriedenheit mit der fortgesetzten Unt�tigkeit des Kronprinzen von Schweden auf eine
Trennung der preu�ischen und russischen Generale von ihm hinarbeitete. Er meinte, der (Oberbefehl �ber das Korps
V�low sei dem Kronprinzen vertragsm��ig zugesichert �, er wollte nicht wortbr�chig werden. In zartester weise lie�
er dann Gncisenau �freundschaftlich" im Interesse der Allgenieinheit und mit R�cksicht auf die schon beginnende
Uneinigkeit zu guten� Einvernehmen mit den, Kronprinzen crmahnen. Unentwegt, und mehr als irgend ein anderer,
ist Friedrich Wilhelm f�r die Einheitlichkeit der Heeresbewegungen und f�r die Herbeif�hrung einer Entscheidung ein-
getreten. Unendlichen Aerger hat er in sich verarbeiten m�ssen, das aber tat er f�r sich allein, er pflegte sich dann
f�r einige Zeit vom Hauptaartier zu trennen. Als auch die Nachricht vom Siege bei Wartenburg und Vl�chers Elb-
�bergang eine Beschleunigung der Entschl�sse der obersten Heeresleitung nicht herbeizuf�hren vermochte, begab er sich
zur Armee Bennigsens. Dort erfuhr er zu seiner Freude den Abschlu� des B�ndnisvertrages mit Bayern, �von Herzen"
lie� er dem Kaiser Franz dazu Gl�ck w�nschen und entschlo� sich, baldm�glichst sich wieder zum Zaren zu begeben.
Unterdessen r�ckten drei Armeen der Verb�ndeten auf Leipzig vor, wo Napoleon seine Streitkr�fte versammelte.
Am 1Z. Gktober sah der K�nig noch einer gewaltsamen Erkundung Vennigfens gegen Dresden von seinem alten
Standpunkte auf den R�cknitzer H�hen zu, am erschien er auf dem Schlachtfelde bei Leipzig. Auf dem Wachlberge,
s�dlich von G�ldengossa, traf er, wie in der Regel bei Beginn des Kampfes, mit Kaiser Alexander von Ru�land
zusammen. Schwarzenbergs Schlachtleitung wurde durch dcis gewohnheitsm��ige Eingreifen von russischer Seite und
besonders dadurch erschwert, da� er �ber die russisch preu�ischen Garden und Reserven nur mit Zustimmung der beiden
Herrscher verf�gen konnte. Der K�nig von Preu�en hielt sich auch diesmal bewu�t zur�ck, war aber sofort einverstanden,
als der Zar diese Reserven heranzog. Gegen 5 Uhr nachmittags entgingen die beiden Herrscher nur mit M�he der
Gefahr, von der attackierenden franz�sischen Kavallerie gefangen zu werden. Abgesehen von der schleichen Armee,
hatten die Verb�ndeten trotz heftigen Kampfes kein Gel�nde Zu gewinnen vermocht, und am ;?. ruhte der Kampf.
Der K�nig war, ebenso wie der Zar, trotzdem auf dem Platze und begab sich erst mit sinkender Nacht in sein Quartier.
Am fand er sich fr�hzeitig mit Alexander bei G�ldengossa ein. Beide beobachteten zuerst vom Galgenh�gel
das Vorr�cken der Kolonne Barclay und begaben sich dann nach der sp�ter �Monarchenh�gcl" genannten Anh�he
zwischen Sch�ferei Mcusdorf und dem Dorfe Zuckelhausen. Der K�nig war bester Stimmung, was mag im Inneren
des verschlossenen, wortkargen Herrschers vorgegangen sein, als er verfolgte, wie die Hecresmassen von allen Seiten
auf den Feind eindrangen, wie des anscheinend Unbesiegbaren Kraft erlahmte und unerbittlich sich auch an dem das
Schicksal erf�llte, der ihn und sein Preu�en sieben Jahre lang gemi�handelt hatte. Eiserne Anne schienen Napoleon
zu umfassen, zu erdr�cken, mit fliegenden Fahnen verlie�en ihn seine Verb�ndeten. Aber Friedrich Wilhelm hatte
genugsam erfahren, wie leicht der scheinbar errungene Schlachterfolg im letzten Augenblicke wie ein Traumbild
1Hardenberg verzeichnet in seinem Tagebuche: �Morgens Alarm, indie Gegend vonKulm geritten. Kanonendonner." Kcincnfa�s
ist der Staatsfanjler ohne den "K�nig auf das Schlachtfeld geritten.
�
a v. Hippel, a. a. V., 5, 93.
        
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