Path:
König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

Full text: König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

15
�ber Kulm hinaus und nahmen nun auf den H�hen von prieften, s�dwestlich von Kulm, Stellung. Zwischen 9 und
\0 Uhr morgens erschien der K�nig selbst dort, besprach sich mit Oftermann und blieb w�hrend der sich nun ent-
spinnenden Schlacht ganz in der N�he an der Chaussee nach Teplitz, s�dwestlich �on Sobochleben. ?r gab sich die
gr��te M�he, Verst�rkungen heranzuziehen, von seinen eigenen Truppen vermochte er nur der reitenden Gardebatterie
habhaft zu werden, die er, nachdem sie in der N�he von Kulm aus dem Gebirge herausgekommen war, durch einen
Adjutanten heranholen lie�. Ein anderer Gffizier mu�te den durch den Aanonendonner bereits aufmerksam gemachten
�sterreichischen Gberst von S�d ersuchen, mit seinem Dragoner-Regiment einzugreifen, was der tapfere Offizier ohne
weiteres tat. Die Russen k�mpften mit gro�er Tapferkeit. (Es wird erz�hlt, der ?{b'n\� habe sich, als die russischen
Garden nach zweimaligem vergeblichen Angriff wieder vorzugehen z�gerten, mit den Worten an ihre spitze gesetzt
�Mitmir werden fie wohl gehen" � und dadurch das Gefecht zum Stehen gebracht. Diese Erz�hlung ist zwar nicht
beglaubigt, indessen in jedem Falle kennzeichnend f�r sein Ansehen bei der Truppe und bas, was man ihm zutraute.
Allm�hlich kam russische Reiterei heran und machte der bedr�ngten Infanterie tust. Ver mit zwei A�rassier-Divisionen
eintreffende Gro�f�rst Aonstantin wurde vom K�nige zur Eile ermahnt.
Inzwischen hatte auch der Zar durch Entsendung der erreichbaren Truppen nach dem Schlachtfelde eingegriffen
und �sterreichische Kolonnen zum Marsch in der Richtung auf priesten angeregt. Gegen Abend traf er selbst dort ein
und fand au�er A�nig Friedrich Wilhelm auch Varcla^ und Schwarzenberg vor, der nun den �sterreichischen Heeresteilen
Weisungen zugehen lie�.
Der K�nig war in berechtigter Sorge um das noch im Gebirge befindliche Aorps Aleist, dem franz�sische
Truppen auf dem Fu�e folgten, so da� es sich gewisserma�en zwischen zwei Feuern befand. Am vormittag und
nochmals am Abend sandte er Gffiziere zu Aleist, um ihn zu m�glichst schnellen! Eingreifen zu veranlassen. Die nach
Teplitz f�hrenden Wege waren durch Aolonnen versperrt, Aleist fa�te daher den folgenreichen Entschlu� zu einem
Marsch in des Feindes R�cken und w�hlte dazu die Stra�e �ber Nollendorf. Als am Morgen des 30. eine Meldung
eintraf, da� dieser Marsch tats�chlich eingeleitet sei, hatte der Aamvf bereits wieder begonnen. Die Gesterreicher griffen
auf dem rechten Fl�gel ein, Aleist im R�cken pandammes. Die beiden vordersten nacheinander zur Entwicklung
gelangenden preu�ischen Vngaden gerieten indessen in eine so �ble Cage, da� der schlie�lich von den Verb�ndeten
errungene Sieg f�r Aleist selbst eine Neberraschung war. Der A�nig und Aaiser Alexander hatten den Wiederbeginn
der Schlacht vom Schlo�berge bei Ceplitz beobachtet, waren dann zur russischen Reserve nach Sobochleben vorgeritten
und schl�ssen sich zuletzt der l�ngs der Hauptstra�e verfolgenden Aavallene an. Das Aorps vandamme wurde vernichtet,
und der Marschall selbst geriet in Gefangenschaft. Aulm war ein Lichtpunkt im Wirrwarr des Aoalitionskriegcs.
Ein bisher unerh�rtes williges Zusammenwirken aller Ar�fle zeitigte trotz h�chst ung�nstiger Voraussetzungen einen
gro�en Erfolg. Zwei Herrscher stellten Anforderungen an fremde Truppen, die ohne Zaudern darauf eingingen, und
dem erst sp�ter eintreffenden Gberfeldherrn wurde in die Hand gearbeitet. Aleist geb�hrt das Verdienst, den k�hnsten
Weg gew�hlt und dadurch die Entscheidung herbeigef�hrt zu h�ben, was er in seiner Bescheidenheit nicht zugeben wollte.
Aber vor allem war es des A�nigs gro�er Tag. Sein rasches Erfassen der verwickelten tage, der schnelle Entschlu�,
die r�cksichtslose Ucbernahme der Verantwortung und seine Aamvffreudigkeit zeigen, da� Feldherrneigenschaften in ihm
schlummerten �, die h�chste Gefahr brachte sie zur Entfaltung. Sehr bemerkenswert ist, was der englische General
Stewart bereits am Abend des ersten Schlachttages berichtetes Seine Schlu�worte lauten: �Dieses Herrschers bewunderns-
werte Haltung bei allen Gelegenheiten ist der Gegenstand des allgemeinen Tobes."
Den Russen hat es der A�nig nie vergessen, da� sie so bereitwillig seiner Aufforderung gefolgt waren uud
sich so tapfer geschlagen hatten. Zur Erinnerung an die beiden Tage stiftete er f�r sie das �Aulmer Areuz". Die
gleichzeitig von Vl�cher an der Aatzbach und von N�low bei Gro�beeren errungenen Siege steigerten die berechtigte
Freude �ber den Erfolg. Man konnte jetzt mit Vertrauen dem Fortgange des Arieges entgegensehen.
10* pfluge.harttung, leipzig xetf, 5. 122, tSot^a ;9;3. Der Herausgeber �bersieht in feiner Fu�note 311 5. {23, da� der 23evid?t
am Tage vor Kleists Eingreifen geschrieben ist.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.