Path:
König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

Full text: König Friedrich Wilhelm III. und die preußischen Prinzen in den Befreiungskriegen 1813 - 1815

10
3" Altenburg hatte er bann eine lange Aussprache mit den, verwundeten Scharnhorst. Der treue Mann, der ja auch
Auerstcdt miterlebt hatte, soll seinen Herrn getr�stet und ihm gut zugeredet haben. Die Fahrt ging Ms penig, am
n�chsten Tage nach Dresden, wo er, wie schon vorher, im Don Rackwitzschen Hause in der Neustadt Quartier nahm.
Am 6. Mai best�tigte er die in seiner Gegenwart von Hardenberg, Scharnhorst und Anesebeck beratenen
Ma�nahmen zur Verteidigung Verlins, die �u�erstenfalls bis zum Stra�enkampfe geplant war, auch das kandsturm-
edikl sollte dabei zur Ausf�hrung kommen.
Die russischen Anordnungen f�r den R�ckzug hinter die Elbe waren ebenso ungeschickt wie alle anderen bis*
herigen Leistungen in der Heeresleitung. Die Russen waren auf Dresden in Marsch gesetzt, die f>reu�cu auf Mei�en.
Vl�cher und Aleist sollten die Stromstrecke von Mei�en bis Wittenberg decken, eine, wie Vl�cher richtig erkannte, un-
l�sbare Aufgabe; auch war die Vernichtung der schwer zu verteidigenden Vr�cke bei Mei�en geplant. Scharnhorst
hielt es f�r seine Pflicht, den K�nig auf die schwere, den preu�ischen Truppen vor dem Engwege drohende Gefahr
aufmerksam zu machen, Sofort begab sich Friedrich Wilhelm nach der Gefahrs stelle, fand aber das linke Ufer bei
Mei�en bereits von den hauptkr�ften ger�umt un& alles zur v�lligen R�umung vorbereitet. Er konnte daher
beruhigt nach Dresden zur�ckkehren, verblieb dort auch, nachdem der Zar am 6. Mai in der Richtung auf Bauten
abgereift war, und nahm an einer Beratung teil, in der die Absendung Scharnhorsts trotz seiner Verwundung nach
Vesterreich beschlossen wurde, um bas dringend gew�nschte B�ndnis zustande zu bringen. Darauf wohnte der K�nig
auf dem linken Elbufer einem R�ckzugsgefechte der Russen bei und ritt als einer der letzten langsam �ber die gro�e
23r�cPe zur�ck, unmittelbar bevor die zum Ersatz der fr�her pou den Franzosen gesprengten Bogen erbaute Notbr�cke
durch Feucr zerst�rt wurde. Unmittelbar vorher fand er noch Zeit, sich bei der in der N�he wohnenden Oriuzessm
Elisabeth von wachsen entschuldigen zu lassen, da� er ihr nicht selbst seine Aufwartung machen k�nne, �er hoffe sie
in besseren Zeiten wiederzusehen". Nach diesem Akte der Ritterlichkeit wandte er sich nach dem �Wei�en Hirsch" und
beobachtete den R�ckzug der Nachhut der dort befindlichen russischen Kolonnen �ber die Schiffbr�cke. Der durch die
voreilige Zerst�rung der Vr�cke verursachte Verlust vieler Menschenleben erregte feinen Zerechten Zorn, er stellte den
schuldigen Gffizier fest, fein gutes herz bewog ihn aber, sich sp�ter f�r die Begnadigung des schwer Bestraften zu
verwenden. Rasch war er auch zur Belohnung einer k�hnen Cat bereit; als er wahrnahm, wie der von� Feinde ge-
dr�ngte Vberst Baron von Coipenftern mit feinen Kofafen durch die Elbe schwamm, sagte er ihm Worte des kobes
und verlieh ihm den 0rben Pour le m�rite 1, Erst am Nachmittage, als kein Mann mehr auf dem linken Ufer
zur�ckgeblieben war, verlie� der K�nig die Neustadt und ritt bis Wei�ig zur�ck. Schritt f�r Schritt nur sollte Preu�en
weichen, bas hat er hier symbolisch zum Ausdruck gebracht, zweifellos unbewu�t, denn alles Theatralische war ihm
fremd. Staunend nahmen die Russen die unersch�tterliche Ruhe dieses Herrschers im feindlichen Feuer wahr und
gewannen Vertrauen zu ihm, das bald gute Fr�chte tragen sollte.
Der weitere R�ckzug wurde zu sserde fortgesetzt, meist in Gemeinschaft mit Aaiser Alexander. In dieser Zeit
erwuchsen schwer ausgleichbare Gegens�tze zwischen den auf rein milit�rischen Erw�gungen begr�ndeten Anforderungen
der Heerf�hrung und denjenigen der Politik, die bei jedem Roalitionskriege eine gesteigerte Veachtung beanspruchen,
kaum jemals aber einflu�reicher gewesen sind, als w�hrend der Befreiungskriege. Verhandlungen mit Gesterreich
waren in der Schwebe, man konnte den Beitritt dieser Macht zum B�ndnis nicht erwarten, wenn man sich nicht als
b�ndnisf�hig erwies. Das war nicht der Fall, wenn das Heer nach der ersten, angeblich siegreichen Schlacht in
dauernden: R�ckzuge blieb und, wie die preu�ischen Generale in ihrem wachsenden, nur allzu gerechtfertigten Mi�trauen
vermeinten, schlie�lich gar Schlesien preisgegeben wurde. Eine solche Ma�regel h�tte auch alles vertrauen im Volke
untergraben, die soeben organisierte Volksbewaffnung inSchlesien unm�glich gemacht, in den �brigen Provinzen gel�hmt.
Anderseits galt es, die Russen sich nicht zu entfremden. Der Zeitpunkt, in dem ein Angriff auf die die Elbe �ber-
schreitenden Franzosen Aussicht auf Erfolg gehabt h�tte, war verpa�t, und der Gedanke daran wurde endg�ltig
1 IPe�i, M�moires du Baron �e L�wenstcrn, II, ?, 60, f>ar>K 1903.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.