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Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

Full text: Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

II
emporgebracht wurde, ward doch auch der deutschen Hache der beste Dienst geleistet, der Jamais m�glich war; denn die
Verfassung des alten Reiches war bereits einer so heillosen Entartung verfallen, �a� nur durch seine Aufl�sung eine
kr�ftige politische Neubildung vorbereitet werden konnte, und nur ein starker Milit�rstaat tote Preu�en konnte dabei
die F�hrung �bernehmen.
Durch die begeisterte Erhebung von und die ungeheuren Anstrengungen und Leistungen in den Vefrciungs-
kriegen gegen Napoleon, in denen die deutsch-nationale �berhaupt erst lebendig wurde, hat Preu�en dann einen
vollg�ltigen Anspruch auf die F�hrung in Deutschland erlangt; aber es hat freilich lange gedauert, bis die dadurch
gestellte Aufgabe gel�st war, und diese L�sung ist anders ausgefallen, als sie den deutschen Patrioten von 58^5 und
vorschwebte; denn es handelte sich nicht allein und nicht einmal in erster tinie um die deutsche Verfassung, sondern
vor allem uni eine Neugestaltung der europ�ischen Machtverh�ltnisse, die bisher auf der Voraussetzung einer schwachen
Mitte beruht hatten und nun durch die Einigung Deutschlands unter preu�ischer F�hrung eine starke Ver�nderung
erfuhren. Dadurch sind die Ariege von und notwendig geworden. Die Wunde, die dem deutschen Volks-
k�rper durch die Abtrennung der �sterreichischen Stammesbr�der zugef�gt werden mu�te, ist durch das dauernde V�ndnis
mit Vcslerreich, das sich in der Gegenwart so gl�nzend bew�hrt hat, doch einigerma�en geheilt worden. Die alte Idee
Friedrich-Wilhelms IV., die er von Radowik und Gagern �bernommen hatte, vom engeren und weiteren Vunde, ist
durch Wilhelm I.und Vismarck in etwas anderer weise verwirklicht worden. So m�ndet die patikular istische preu�ische
Machtpolitik der Hohcnzollern aus in das Werk der nationalen Einigung Deutschlands; und kaum war dieses Ziel
erreicht, so hat uns die gro�e Ver�nderung der Weltverh�ltnisse gezwungen, unter Wilhelm II. die Vahnen einer Welt-
politik einzuschlagen, die bereits �ber den Rahmen des Nationalstaats hinausf�hrt.
Die Voraussetzung f�r diese ganze Machtpolitik und ihr wichtigstes Instrument war von Anbeginn bis zur
Gegenwart ein starkes, nach Ma�gabe der Zeitumst�nde best�ndig vermehrtes Heer. Es ist vielleicht der bezeichnendste
Zug in der Herrschert�tigkeit der Hohenzollern, da� sie es verstanden haben, allen widerst�nden und Schwierigkeiten
zum Trotz dieses gro�e Machtmittel zu schaffen, zu erhalten und den Forderungen ver�nderter Zeiten anzupassen. Das,
was man, anf�nglich im Ton entr�steter Anklage und Opposition, Militarismus genannt hat, ist das eigenste und
dauerhafteste Werk der Hahenzollern; es ist die eigentliche Seele des preu�ischen Staates und des neuen Deutschen
Reiches. Man versteht darunter nicht blo� das Vorhandensein eines verh�ltnism��ig gro�en Heeres, auch nicht blo�
die allgemeine Wehrpflicht, mit der Preu�en allen modernen Aulturstaaten vorangegangen ist, sondern vor allem die
Tatsache, da� das Heer zum R�ckgrat des ganzen Staatsk�rpcrs geworden ist, da� milit�rische R�cksichten und Not-
wendigkeiten das ganze �ffentliche kcben beherrschen, da� sie insonderheit die Verfassung und Verwaltung auf das
tiefgehendste beeinflu�t haben.
Man kann sagen, da� das preu�ische Heer �lter ist als der preu�ische Staat, d. h< da� es eher eine fest
geschlossene Einheit darstellt, als das V�ndel von Territorien, aus denen noch der Staat des Gro�en Nurf�rsten bestand.
Es war keine leichte Aufgabe, aus den zuchtlosen S�ldncrhaufen des Drei�igj�hrigen Krieges eine wohl disziplinierte.
Armee zu schaffen. Sie ist vollst�ndig erst durch Friedrich-Wilhelm I,gel�st worden. Dieses Heer des Jahrhunderts
war nach kein Volksheer, sondern beruhte zum gro�en Teil noch auf ausl�ndischer Werbung; aber es besa� bereits
eine feste und starke organische Verbindung mit dem selbst noch in der Vildung begriffenen Volksk�rper. Friedrich-
wilhelmI. hat das Ziel ins Auge gefa�t und es auch erreicht, das Offizierkorps im wesentlichen aus dem einheimischen
Adel zu erg�nzen, unter Ausschlu� fremder Abenteurer und Gl�cksritter. Das gab auf der einen Seite dem Offizier�
stand eine starke soziale Vasis und einen festen moralischen Halt, und auf der anderen Seite wirkte es dahin, den fr�her
vielfach widerspenstigen und in lokaler Absonderung verharrenden Adel mit und preu�ischen! Staatssinn
zu erf�llen; Friedrich der Gro�e sah geradezu in dem Gffizierkorps die j)flanzschule des eigentlichen preu�entums. Vie
Mannschaft aber erhielt ihren eigent�mlichen Geist durch die inl�ndischen Kantonisten, die auf Grund eines
gewohnheitsrechtlich eingef�hrten Vienstzwanges in das Heer eingestellt wurden. Diese Dienstpflicht beruhte auf staats-
rechtlichen Vorstellungen, die seit der Zeit der Renaissance sich �berall in den europ�ischen Staaten mehr oder minder
        
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