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Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

Full text: Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

XVI
in Frankreich uni� Belgien. So gleicht Mitteleuropa heute einer gro�en Festung, deren Verteidiger im Westen uno
namentlich int (Dften ihre Verf�gungen weit �ber ihre staatlichen Grenzen hinausgeschoben haben, wahrend die
(Dffenfipfraft der Gegner �berall erlahmt oder gebrochen ist. Durch die Herstellung der Verbindung mit Konstantinopel
ist an einer Stelle der Ring gesprengt und ein Zugang nach Asien gewonnen morden, der wirtschaftlich und politisch
von gro�er Nedcutung ist. Allerdings versuchen unsere Gegner auch hier eine Zusammenh�ngende ,front zu bilden,
welche das t�rkische Reich von dem �brigen Asien, insonderheit von perften und der Landschaft Irak, abschn�ren soll.
Die Russen wollen vom Kaukasus ans nach Armenien und Nordpersien vorsto�en, und die Engl�nder haben den
Versuch gemacht, vom persischen Golf her nach Mesopotamien vorzudringen und Vagdad zu erobern. Aber der
Vurchbruch der Russen ist bisher nicht gelungen, und die Engl�nder haben vor kurzer Zeit (November 1915) 59 km
vor Vagdad bei dem alten Ktesiphon eine schwere Niederlage erlitten, so da� es vor der Hand ganz ausgeschlossen
erscheint, da� an der Irak-Front eine Bereinigung der englischen und russischen Streitkr�fte m�glich w�re. Hinzu
kommen die Schwierigkeiten an der indischen Grenze, die sich 511 vermehren scheinen, [0 da� schon die Rede davon
gewesen ist, da� Japan gem�� seiner V�ndnispflicht, die auch den Schutz Indiens umfa�t, hier eintreten solle, Ver
immer wiederholte Appell an Japan zur Hilfeleistung in Europa, der keine Aussicht auf Erfolg hat, zeigt, une wenig
unsere Gegner ihren eigenen Kr�ften trauen. Immer wieder h�rt man zwar von den Millionen, die England auf
die Veine bringen will,und von den Riesen Heeren, mit denen Ru�land im n�chsten Fr�hjahr den Angriff von neuem
er�ffnen will. Aber das Zutrauen zu solchen Zukunftslcistungen ist in Anbetracht der Erfahrungen der bisherigen
Kriegf�hrung wohl nur gering. Auch die silbernen Kugeln, mit denen ?Ioy6 George den Krieg gewinnen wollte,
fangen au zu versagen. Vie Geldverh�ltnissc der Mittelm�chte, insbesondere in Deutschland, sind infofern gesunder als
bei den Gegnern, als das Geld f�r die milit�rischen Ausgaben bei uns im Tande bleibt und immer wieder in Form
von Kriegsanleihen der Staats- und Heeresleitung zur Verf�gung gestellt wird. IDie der �ffentliche Kredit und die
finanzielle Leistungsf�higkeit sich w�hrend des Krieget gehoben haben, zeigt der wachsende Betrag der Kriegsanleihen:
im ersten Jahr 4V2 Milliarden, im Fr�hjahr \ty\� 7 Milliarden, im Herbst desselben Jahres \% Milliarden. Vie
Hoffnungen unserer Gegner gr�nden sich demgegen�ber auf die Erwartung, da� die Abschneidung Mitteleuropas von
dem �berseeischen Verkehr, den das secbeherrschende England mit allen Mitteln herbeigef�hrt hat, es am Ende doch
dahin bringen m�sse, da� die mitteleurop�ische Festung, wenn nicht durch Waffengewalt, so doch durch den Hunger
und den Mangel an Rohstoffen zur Uebergabe gezwungen werde. Wir wissen, da� auch diese Hoffnung eitel ist,
wenn fie auch in der Behauptung der Seeherrschaft durch England eine scheinbare St�tze findet. Viese Verh�ltnisse
gilt es zum Schlu� noch kurz ins Auge zu fassen.
Zwischen den gro�en Kampffchiffen der Heimalflotten ist es zu keinem Zusammensto� gekommen. Unsere
Linienschiffe liegen iu den H�fen und sichern unsere K�sten vor einer eigentlichen englischen Blockade. England hat
nicht gewagt sie anzugreifen; die Vrohung Churchills, da� man sie ausgraben werde wie die Ratten, ist eine leere
Prahlerei geblieben. Vie Kriegsschiffe freilich, die beim Ausbruch des Krieges in fernen Meeren schwammen, konnten
auf die, Dauer der Vernichtung durch die englischen Seestreitkr�fte und die ihrer Verb�ndeten nur unter besonders gl�ck-
lichen Umst�nden durch Tist und Geschicklichkeit entgehen, wie die Kreuzer Vreslau und Goeben, die den Engl�ndern
im Miltelmeer entkamen und dann im Schwarzen Meer wiederauftauchten und sich in t�rkische Schiffe verwandelten.
Vas ostasiatische KreuZergeschwader, bestehend aus den Schiffen Scharnhorst, Gneisenall, N�rnberg, keipzig uud Vresden,
unter dem Konteradmiral Grafen von Soce, konnte sich seit dein Ausbruch des Krieges mit Japan in den ostasiatischen
Gew�ssern nicht mehr halten und versuchte mit Erfolg, seine Kampfkraft noch f�r die Sache des Vaterlandes nutzbar
zu machen, ehe es von dem unvermeidlichen Schicksal ereilt wurde. An der K�ste von Chile, wo es den Salpeter-
schiffen der Gegner auflauerte, traf es am November bn Coronel mit einem englischen Geschwader zusammen
und schlug es in kaum einst�ndigcm Kampfe in die Flucht. Ein englischer Panzerkreuzer stNonmouth) wurde
        
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