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Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

Full text: Zum Hohenzollernjubiläum 1915. Der Krieg 1915

Xvalona anzuerkennen. Aber diese allen berechtigten W�nschen der italienischen Nationalisten gerecht werdenden
Zugest�ndnisse gen�gten der italienischen Regierung, die mehr und mehr in eine demagogische Verbindung mit den
radikalen nationalistischen Areisen geraten war, nicht mehr, namentlich seit der Fall non f)rzemysl die Hoffnungen
auf eine Wendung des Nriegsgl�cks zugunsten der Gegner Vesterreichs neu delebt und gesteigert hatte. Man verlangte
die Vrennergrenze, �>as ganze Isonzogebiet, Trieft, Istrien, Dalmatien, die Herrschaft �ber die Adria, die sofortige
milit�rische Besetzung der abzutretenden Gebiete. Man glaubte in flauen, da� der Zerfall Gesterreichs vor der T�r
stehe; man w�nschte auch an der Zertr�mmerung der T�rkei teilzunehmen und hoffte aus der Erbschaft dieser M�chte
Gewinn ziehen zu k�nnen, um die Gr��e Italiens dauernd 511 begr�nden. Die Minister Salandra und Sonnino, die
durch die Aabincttskrisis vom Anfang November ihre Stellung nur befestigt hatten, lie�en jetzt den demagogischen
Treibereien freien kauf; und die gem��igten Politiker vom Schlage Giolittis, die anf�nglich zwei Drittel der Deputierten-
familier und fast den ganzen Senat beherrscht hatten, wurden gezwungen, zu weichen oder sich &ent Willen des Stra�en-
p�beis zu beugen, der im Namen der Nation den Arieg verlangte. Der Bestand der Monarchie war bedroht; �Krieg
oder Revolution" wurde die kosung. Der anr�chige poet Gabriele d'Annunzio wurde zum geistigen F�hrer der
Nation in dieser tollen Arisis erkoren; am 5. Mai hielt er in Quarto bei Genua zur Einweihung des Denkmals der
tausend Garibaldiner eine pomphafte Ariegsrede. Der K�nig blieb dieser demonstrativen Feier noch fern. Am H. Mai
war durch den italienischen Botschafter in lUicu das B�ndnis gek�ndigt worden; aber noch war eine besannen?
Majorit�t in der Regierung gegen den Krieg. Sie hoffte auf die F�hrung Gioliltis. Aber die Flut der demagogischen
Bewegung schlug �ber diesen besonnenen Elementen zusammen. Das Ministerium entschied die Arisis, indem es dem
K�nig feine Demission anbot (^3. Mai). Eine unerh�rte pref?^e^c gegen Giolitti und feine Anh�nger wurde ent-
fesselt, der Stra�enp�bel bedrohte die Gegner des Krieges mit F�usten und Anilteln; die gem��igten Politiker wechselten
ihre Stellung oder zogen sich zur�ck; �iolitti selbst gab den Kampf auf. Der K�nig lehnte die Entlassung der Minister
ab; der Umschwung in der �ffentlichen Meinung vollendete sich; am 23. Mai erging die Kriegserkl�rung an Gesterreich.
Das Verhallen Italiens wurde von seinen beiden bisherigen Bundesgenossen als ein schn�der Treubruch
angesehen. Italien war durch Artikel H des Bundesvertrages, der auf den vorliegenden Fall genau pa�te, mindestens
zu wohlwollender Neutralit�t verpflichtet; es behauptete zwar, Vesterreich habe Buchstaben und Geist des Artikel ?
verletzt, weil es Italien nicht vorher von der Note an Serbien verst�ndigt habe, die zum Ariege niit dieser Macht
gef�hrt hat; aber Vesterrcich konnte darauf hinweisen, da� in jenem Artikel nur von territorialen Ver�nderungen,
von vor�bergehender oder dauernder Besetzung eines Balkangebietes die Rede sei und da� es sich bei der serbischen
Note keineswegs um dergleichen gehandelt habe. Vesterreich hatte denn auch am H. Mai die Annahme der K�ndigung
des Vundesvertrages verweigert. Zu Deutschland geriet Italien in ein ganz unklares Verh�ltnis. Der Reichskanzler
nahm keinen Anstand, �ffentlich vor dem Reichstag den Treubruch Italiens zu brandmarken, und erkl�rte, da� Italien
bei den, Angriff auf Vesterrcich Deutschland an der Seite seines Bundesgenossen finden werde. Eine Ariegserkl�rung
ist aber weder von h�ben noch von dr�ben erfolgt.
Der italienischen Ariegserkl�rung folgte nicht sofort, wie zu erwarten gewesen w�re, ein Angriff mit ganzer
Macht auf die �sterreichischen Grenzen. Es dauerte fast noch acht Tage, bis die italienischen Truppen m gr��erer
Zahl erschienen und die Feindseligkeiten er�ffneten. Die Ursache lag in ernsten Unruhen, die in Oberitalien ausgebrochen
waren und die den Marsch der Truppen verz�gerten. In Turm erhoben sich die Arbeiter gegen den Arieg; in Mailand
pl�nderte der f>�bel deutsche H�user und L�den. Die Gesterreicher gewannen Zeit, die Grenze �berall zu besetzen; die
Tiroler Standsch�tzen vom J�ngling bis zum Greise gingen in die vorbereiteten Sch�tzengr�ben, um das Vaterland in
demselben Geiste wie einst zu verteidigen. Nur wenige Grenzorte wurden den Italienern �berlassen; auch an
dieser Front entwickelte sich in ununterbrochener Onie vom Tonale-Pa� bis Trieft ein hartn�ckiger, an Heftigkeit und
blutigen Opfern best�ndig zunehmender Stellungskrieg, der namentlich an der Dolomitenfront und am Isonzo h�ufig zu
gro�en Durchbruchsversuchen aufflammte, ohne da� es den Angreifern gelang, irgendwo erhebliche Erfolge zu erringen.
        
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