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Reinhold Koser als Geschichtsschreiber Friedrichs des Großen

Full text: Reinhold Koser als Geschichtsschreiber Friedrichs des Großen

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Durch alle Vorarbeiten, die Kofcr in Edition und Forschung geleistet hatte, schien dieser erste Vand wie
auf granitenem Grunde gesichert zu beruhen. Va. erfolgte ein Angriff, der auch die Ergebnisse feiner Forschung in
Frage 511 (teilen drohte. 3m Sp�tsommer \89^ ver�ffentlichte n�mlich der G�ttinger Professor 311. Lehmann die
Schrift �ber den Ursprung bis Siebenj�hrigen Krieges. Er versuchte darin den Nachweis zu f�hren, da� der kosbruch
K�nig Friedrichs im Jahre nur als Offensive aufzufassen und zu den: Zwecke erfolgt sei, das Aurf�rstentum
Sachsen zu erobern und der preu�ischen Alonarchie ein-
zuverleiben. Auf den ersten Vlick konnte es scheinen, als
drehte es sich mir um die Frage, ob Friedrich damals
wirklich der �Angreifer" war, wie seine Gegner ihm vor-
warfen, oder ob er, seiner eigenen Erkl�rung gem��, die
Feindseligkeiten er�ffnete, um dem von ihnen geplanten
Angriff zuvorzukommen. Jedoch um weit Gr��eres
handelt es sich: im letzten Grunde h�ngt von der Eut
scheidung dieser Streitfrage die Vcurteilung der ganzen
Pers�nlichkeit und der Regierung des A�nigs ab.
Von einem �d�monischen" Friedrich sprachen
Lehmann und seine Anh�nger und wollten ihn unter
die Schar der Titanen einreihen, die von Sieg zu Sieg,
von Eroberung zu Eroberung schreiten, um die IVelt
zu unterjochen oder umzust�rzen. Vest�nde diese Ansicht
zu Recht, dann m��te der Hubertusburger Friede, der
den Zustand Europas vom Jahre wiederherstellte,
als das v�llige Scheitern seiner Offensiv und Er
oberungsvl�ne betrachtet werden. Trifft hingegen zu,
da� der A�nig zum Schwerte griff, um, wie er sagt,
�das Pr�venire zu spielen", dann lag in jenem Friedens
schlu� von die Anerkennung der Gro�machts-
stellung Preu�ens, f�r die er gegen halb Europa in
das Feld gezogen war. Indessen hat Friedrich selber
gegen seine Einsch�tzung als IDclteroberer schneidenden
Protest erhoben, und zwar in den gegen Ende des
Jahres 175�) �zur eigenen Belehrung" niedergeschrien
benen �Betrachtungen �ber die milit�rischen Talente
und den Charakter Aarls XII." Fern liege es ihm,
so f�hrte er aus, �den Ruf dieses hervorragenden Ariegs-
heloen zu schm�lern", doch indem er seine Taten bis
zur Aawstrophe von pultawa durchging und kritisch
Tusse mil 5ilt]ouettenbiltmis Fi!edrich5 des Kro�en und Eilschrift auf der Untertasse
beleuchtete, gelangte er zu dem Ergebnis, da� Aarl an seinen �heftigen Leidenschaften", an �der ma�losen Ruhmbegierde",
die ihn beherrschte, zugrunde gegangen sei. lind so stellt er der Nachwelt warnend das Veisviel Aarls vor Augen.
Den ihm hingeworfenen Fehdehandschuh nahm Aoser ohne Z�gern auf und wies den von Lehmann mit
pers�nlicher Verunglimpfung Albert Naudes verquickten Angriff sofort mit m�nnlich'sch�ncr Absage und sachlich-starker
Abwehr zur�ck, f�r die er aus dem politischen Testament A�nig Friedrichs von seine Argumente entlehnte.
Wohl trug Naude aus den Sch�tzen der Verliner und lviener Archive eine F�lle des wichtigsten Materials zusammen,
doch war es ihm nicht verg�nnt, dieses zu sichten, zu erg�nzen und auszuarbeiten. Nach dessen allzu fr�hem Eingang
        
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