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Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

Full text: Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

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Ein wahres Kunstwerk ist ein binokulares perspektiv noch ohne H�lle, offenbar eines der ersten Instrumente,
die wir jetzt Operngl�ser nennen. Die Fassung besteht aus ziseliertem Silber mit Vergoldung (siehe Fig. 9 m Cext).
Alle vier Gl�ser nebst Stiel lassen sich �bereinanderklappen und werden durch kunstvolle Klammem zusammengehalten
(siehe Fig. tO im Text).
Wir finden weiter einige Vperngl�ser ohne gro�es Interesse.
Von Kaiser Wilhelm dem Gro�en ist eine einfache offenbar sehr gebrauchte Schildpattlorgnette mit geradem
Steg vorhanden, die beiderseits konvex 5,0 Dioptrien hat 2,0 Dioptrien konvex. Es soll dieses das Glas sein, das
Kaiser Wilhelm bis zu seinem Code getragen hat. (Die vorletzte Vrille des Kaisers, die kurz vor seinem Code zum
Umtauschen zur optischen Firma C. Vittmar geschickt wurde, befindet sich noch in dem Vesitz des jetzigen Inhabers
der Firma C. Dittmar, w. Menzel, Unter den Anden 29. Es ist eine einfache Stahlbrille mit Voppelfedern und
bikonvexen Gl�sern von Zoll
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5,75 Dioptrien).
Zum allgemeinen Verst�ndnis d�rfte wohl ein kurzer R�ckblick auf die Erfindung der Vrille am Platze sein,
wer der gro�e Wohlt�ter der Menschheit war, der Erfinder der Vrille, wissen wir nicht mit Sicherheit. Einige Autoren
schreiben fie dem gelehrten Gxforder M�nch Roger Vacon (gest. zu, andere dem Florentiner Edelmann Salvino
d'Armato degli Armati (gest. noch andere dem Pisaner Dominikaner Alessando della Spina. So viel wissen wir
aber, da� die Vrillen im Ausgang des Jahrhunderts aufkamen, da uns manche Chronik von der merkw�rdigen
Erscheinung berichtet. Vei der Hochzeitsfeier der Herzogin Juta von Gesterreich mit dem Grafen kudwig von
Gettingen zu Wien, Anno erschien als Hochzeitsgast der Trevisaner pietro Vuonaparte, podesta von padua,
und erregte ungeheures Aufsehen, �da er mit der vor nicht langer Zeit erfundenen Vrille sso genannt von ,beryllus',
durchfichtiger Stein) auf der Aase erschien".
Jedenfalls wurden die Vrillen anfangs nur in Italien gefertigt. Gutes Glas wurde lange �berhaupt nur in
Venedig gemacht, bzw. in Murano, der Insel nahe Venedig, wohin die Glas Werkst�tten wegen Feuersgefahr aus der
Stadt verlegt wurden. Das Geheimnis der Fabrikation wurde bis ins Jahrhundert gewahrt, dann soll es durch
verrat ins Ausland gekommen sein. In Venedig wurden auch Vrillen geschliffen, ebenso in andern Grten Italiens
und Frankreichs, und zwar anfangs meist durch die stei�igen M�nche.
Sp�ter wurde S�ddeutschland das Hauptland der Vrillenerzeugung, und zwar besonders das gewerbestei�ige
N�rnberg, daneben Regensburg und Augsburg.
In den V�chern der Stadt N�rnberg kommen die Vrillenmacher schon als Zunft vor. Diese Industrie
florierte in N�rnberg jahrhundertelang.
Der Norden Deutschlands blieb dagegen lange zur�ck.
Die Einf�hrung der Vrille in Preu�en geschah offenbar erst unter Friedrich II. Der Gro�e K�nig, der in
so genialer weise die verschiedensten Industriezweige in seinen banden einf�hrte, hatte offenbar Kunde von der so
n�tzlichen Erfindung der Augengl�ser, konnte ihre wunderbare Wirkung aus eigener Erfahrung best�tigen und suchte
die Wohltat dieser Erfindung auch in seinem kande einzuf�hren. Es wird uns berichtet, da� Friedrich der Gro�e
sich im Jahre ;??2 einen Vnllenschleifer aus der Stadt N�rnberg verschrieb, namens Hieronymus Meyer. Dieser
er�ffnete in Frankfurt a. V. eine Werkst�tte und betrieb 55 Jahre lang die Schleiferei als Monopol in Preu�en;
erst von da ab wurden auch ausl�ndische Gl�ser zugelassen.
Teider ist es mir nicht gelungen, Velege f�r diesen oft gedruckten Satz aus Dokumenten zu erbringen, weder
in Verlin, noch in Frankfurt a. G. waren Dokumente dar�ber auffindbar.
Andere Erz�hlungen berichten, da� schon unter dem Gro�en Kurf�rsten die Kunst des Vrillenschleifens in
Preu�en ihren Anfang genommen habe, w�hrend seines Aufenthaltes in den Niederlanden soll dieses Gewerbe,
mit dem sich der Amsterdamer Philosoph Spinoza seinen Lebensunterhalt verdiente, schon das Interesse des jungen
yoh�iiolltrN'Iabrbuch 19�, 2,
        
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