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Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

Full text: Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

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nicht recht herangewagt hat, und der Mediziner es mehr dein Kunsthandwerk, in dem er zu wenig bewandert ist,
zurechnete. In den ineisten Museen, die sonst alles besitzen und sammeln, was Menschenwitz und Kunst hervorgebracht
hat und was der Mensch braucht, suchen wir vergebens nach historischen Brillenformen.
Als ich vor etwa einem Jahrzehnt anfing, mich mit der Geschichte der Brille zu besch�ftigen und historische
Vrillenformen zu samnieln, war eigentlich nur ein Museum im Besitz einer umfangreichen Brillensammlung: das
Germanische Museum zu N�rnberg, und nur eine Privatsammlung existierte, die der Madame Heymann in Paris, die
die geistvolle Besitzerin inzwischen in einem umfangreichen Prachtwerk beschrieben hat.
Zeiten und Moden und Liebhabereien andern sich. Zurzeit hat gerade die Geschichte der Brille sehr viele
Liebhaber gefunden, und jedes St�ck, sei es, da� es imHandel oder in Museen auftaucht, findet sofort Interesse. Gegen
England und Frankreich und besonders Italien steht Deutschland sehr an aufgefundenen: Material zur�ck, und so
begr��en wir es denn sehr freudig, da� in dem Hohenzollern-Museum zu Berlin, in dem mit so lobenswerter Piet�t
die Gebrauchsgegenst�nde unserer preu�ischen K�nige aufbewahrt sind, sich so manche Vnllen und Augenglaser vor-
finden, die wohl der Beschreibung wert sind, als ein kleiner Beitrag zur Geschichte unseres K�nigshauses und der
Geschichte der optischen Augeninstrumente.
Von der Direktion wurde mir in dankenswerter Weise die Erlaubnis zur Publikation gegeben und das
Material zur Verf�gung gestellt.
Es sei gestattet, zuerst die aufgefundenen Gegenst�nde kurz anzuf�hren und dann die Erl�uterungen der
bemerkenswerten St�cke zu geben.
Die Geschichte unseres Gegenstandes beginnt hier mit K�nig Friedrich II. von Preu�en 1?86). Von
dem Gro�en K�nig befinden sich zun�chst zwei monokulare gestielte Augengl�ser im Hohenzolleru-Museum.
Im Zimmer 2^, der sogenannten Porzellankammer, steht in der Mitte eine S�nfte, in der von Friedrich dem
Gro�en gebraucht�
'
Gegenst�nde aufbewahrt werden. Dort liegen auch die beiden Augenglaser. An dem Glas Nr.
(registriert unter 5; 223, befindet sich auf vergilbtem Papier, das mit Siegel und Faden angeheftet ist, folgende
Inschrift: �Diese Lorgnette besa� S. M. der K�nig Friedrich der Gro�e, hierauf Allerh�chst dessen Schwester Prinzessin
Amalia und endlich Ihre K�nigliche Hoheit die Frau Prinzessin Ferdinand von Preu�en."
Auf dem Siegel befindet sich der preu�ische Adler, darunter die Worte: �S. A�n. Hoheit d. Prinz August
von Preu�en."
Das Glas ist eine monokulare Lorgnette, besitzt also nur ein Glas mit Fassung, die sich durch ein Gelenk in
eine H�lse, die aus zwei Schalen besteht, zur�ckschlagen l��t sein sogenanntes gestieltes Einglas mit H�lse). Das Glas
ist rund und betr�gt im Durchmesser ca. H5 mm. Es ist bikonkav geschliffen, und zwar auf jeder Seite 3,0 Dioptrien,
so da� es also im ganzen konkav 6,0 Dioptrien betr�gt.
Die Fassung ist Silber und die H�lse, in die das Glas durch ein Gelenk zur�ckgeschlagen werden kann, besteht
aus zwei glatten unverzierten Perlmutterschalen.
Glas Nr. 2 s5; 22^, liegt in einem zierlichen, viereckigen, mit rotem Leder �berspannten Etui. Auf dem
Deckel steht in Goldschrift gedruckt: �Aus dem Nachla� Friedrich des Gro�en."
Die Form des Augenglases ist fast ebenso wie Nr. Es ist also ebenfalls ein gestieltes Einglas. Der
Durchmesser des Glases betr�gt H0 mm. Es ist auf der einen Seite konkav 5,0 Dioptrien geschliffen, auf der andern
2,0 Dioptrien, also im ganzen 7,0 Dioptrien bikonkav, also etwas st�rker als das vorige Glas. Vie Fassung besteht
aus Schildpatt und l��t sich zur�ckschlagen m die H�lse von Perlmutter. Die perlmutterschalen sind mit zierlichen
Schnitzereien im Rokokogeschmack, auf der einen Seite eine Sch�ferin mit Korb in einer Landschaft stehend, auf der
andern Seite eine Burg auf dem Verge, mit Reitern im Tal, versehen. Von Goldbronze befinden sich oben und unten
am Stiel Rokokoverzierungen (siehe Fig. auf der Tafel).
Drittens befindet sich im Museum � im Zimmer 2H � von Friedrich dem Gro�en ein Kr�ckstock von
Schildkrot, der oben an der Kr�cke sehr kunstvoll mit Gold und Perlmutter eingelegt ist, ein herrliches St�ck sogenannter
        
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