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Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

Full text: Über Augengläser und optische Instrumente im Hohenzollern Museum

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wurden nicht nur im Theater getragen, sondern auch auf der Promenade und im Salon, Madame Heynmnn sagt:
�Viese ?orgnette wird ein wahres Joujou, das f�r den (Elegant unentbehrlich wird, sowohl in den feinen H�nden bit
Herren, zur H�lfte bedeckt von den feinen Spitzen der Manschetten, als in denen der Damen." Ueberall wurden diese
niedlichen Perspektive angebracht, in Spazierst�cken, Schirmen, in Tabaksdosen und Riechft�schchen und in F�chern.
Anfangs waren sie in starre R�hren eingefa�t, Ende des \S. und Anfang des Jahrhunderts f�gte man ausziehbare
Tuben an, eine oder eine ganze Anzahl davon.
Solche perspektivs finden wir im Hohenzollern-Museum eine gro�e Anzahl. Zuerst im Ar�ckstock Friedrichs
des Gro�en (siehe Fig. 3).
Vie einfachste Form eines Perspektive aus erster Zeit, starr, nicht ausziehbar, in Elfenbeinfassung, wurde von
unserer A�nigin kuise gebraucht.
Vie Tubenperspektws sehen wir in charakteristischer Form in, Nachlasse von Friedrich Wilhelm IV. (siehe Fig. 5
und 6). Vort schleicht sich auch ein St�ckchen damaliger franz�sischer Exzentrizit�t ei�, ein kleines perspeklw in der
Mitte eines Riechfl�schchens, vielleicht ein Geschenk. Sehr merkw�rdig ist das perspektiv Fig. ?, das sich ohne Tuben
einstellen l��t.
Viese perspektivs sind nat�rlich die Vorl�ufer unserer Operngl�ser, aber es hat Jahrhunderte gedauert, bis
die Technik so weit war, zwei siersvektivs zu verbinden, so da� sie sich gleichzeitig f�r beide Augen einstellen lie�en.
Eins der ersten Verspiele eines solchen beidaugigen Opernglases sehen wir inFig. 9 und aus dem Nachlasse
des A�nigs Friedrich Wilhelm IV., ein Wunderwerk der Technik, aber noch sehr kompliziert, schwer und unhandlich.
Es ist wohl sicher nicht zum Gebrauch angeschafft worden, fondern vielleicht eine Gabe des stolzen Erfinders und
Verfertigers an den A�nig.
Die Formen der Virektorialzeit, die Binocles und Scherenbrillen sind im Museum nicht vorhanden. Sie
haben das Unsch�ne an sich, da� der Stiel der Brille und die Hand, die ihn h�lt, vor den Mund zu liegen kommt
und ihn verdeckt. Es war deshalb der Gedanke naheliegend, den Stiel seitlich zu legen, und so entstand das Instrument,
das wir Lorgnette nennen.
Ver erste Typus war die Lorgnette mit festen� Steg, wie wir sie in dem Nachlasse des A�mgs Friedrich
Wilhelm III. erhalten sehen O; 8j, 9). Es ist dieses Exemplar sicher ein fr�hes Produkt der ersten gro�en preu�ischen
Brillenindustrie in Rathenow, die jetzt die gr��te in Europa geworden ist. Auch Aaiser Wilhelm der Gro�e bediente
sich einer solchen starren korgnette, allerdings nur im hohen Alter, mit konvexen Gl�sern.
Es folgt der Typus der Gelenklorgnette, bei der sich die beiden Gl�ser vermittelst eines Gelenkes �bereinander
und so in die H�lse einlegen lassen, wie ihn die U�nigin Elisabeth getragen hat.
Schlie�lich die sogenannte Wickellorgnette, bei der die Gl�ser nicht zusammenklappen, sondern sozusagen auf-
gewickelt werden und so �bereinander zu liegen kommen, der Typus, wie er heutzutage in der Hand der Vamen am
h�chsten in der Gunst steht, wir finden sie im Nachlasse des K�nigs Friedrich Wilhelm III., jedoch noch ohne die
jetzt �bliche Vorrichtung zum Aufspringen (H; 8^,
Ein relativ sehr sp�tes Produkt sind die eigentlichen Brillen, die mit Seitenstangen an den Ghren befestigt
werden, von ihnen haben wir erst seit etwa Aunde. Aus dem Besitz des A�nigs Friedrich Wilhelm r�hrt eine
solche fr�he, noch sehr dicke und schwere Brille her, mit sehr gro�en runden Gl�sern.
werfen wir zum Schlu� noch einen Blick auf den Schliff der Gl�ser und darauf, was wir daraus f�r Schl�sse
auf die Augen unseres Hohenzollernhauses ziehen k�nnen.
Vffenbar war eine nicht unbetr�chtliche Rurzsichtigkeit imHause erblich. Friedrich der Gro�e benutzte konkave
Eingl�ser von 6,0 und von 7,0 Dioptrien. So viel wird also auch ungef�hr seine Rurzsichtigkeit betragen haben.
Ich sage absichtlich �ungef�hr", denn in dieser Zeit gab es weder eine wissenschaftliche Bestimmung der Rurzsichtigkeit
der Augen, noch eine wissenschaftliche, genaue Gl�serverordnung, noch auch eine Auswahl von Gl�sern. Ver Gro�e
A�nig wird M�he genug gehabt haben, sich Gl�ser zu verschaffen, die so ungef�hr richtig waren, so da� er in die
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