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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Auf unserem Bilde tr�gt nun der Kaiser die M�tze, im grauen hohenzollernmantel auf der Kommando-
br�cke der �pommerania" stehend, die auch hier wie nach der Schnur gerichtete 3inie seiner Kriegsschiffe entlang
fahrend. Die scharf seitlich getriebene Dampfwolks und die wehenden Federb�sche der Generale illustrieren die Ursache
jener Erk�ltung, die den Kaifer zun�chst nicht abhielt, an dem Festmahle auf �Vellevue" bei Kiel teilzunehmen, �as
ihm die St�nde der Provinz Schleswig-Holstein darbrachten. Auch hierbei war der Kaiser durch Pr�zision und Gediegen-
heit des Gebotenen sehr befriedigt, und huldvolle Erwiderungsworte fand er auf den ihm gebrachten Trinkspruch.
Nm lj,5 Uhr verlie� der Kaiser Kiel, um �ber t�beck, wo ihn ber Rat am Bahnhofe begr��te, und kudwigslust
nach Berlin heinizukehren, anscheinend im besten Wohlsein. Am H. Zum nachmittags aber kam jene Erk�ltung zum
Ausbruch, vom 6. bis 23. Juni mu�te der Kaiser das Bett h�ten: �Gern trage ich", so schrieb er dem Staatsnnmster
von Voetticher, �die darauf f�r mich eingetretenen teiden, da ich um Nichts die Freude aufgebe, dieser nationalen
Feier haben beiwohnen zu k�nnen." Da� der Kaiser diesen Sto� gesundheitlich nicht mehr �berwunden habe, scheint
doch nicht zuzutreffen. Am h. Juli konnte er die gewohnte Fahrt nach Ems antreten, freilich nur zu abgek�rzteren:
Aufenthalte, und am Juli, wie allj�hrlich, von hier �ber Koblenz und die Mainau nach Gastein reisen, wo ex
vom Juli bis zum August weilte, am 6. und ?. August den Vesuch des Kaisers von Vesterreich empfangend;
dann kam wirklich sein letzter Abschied von Gastein, unter den allerw�rmsten kebewohlgr��en der Badeg�ste.
�
Dem Garde-Kavallerie-Exerzieren bei Potsdam vom 26. bis 29. August wohnte der Kaiser ebenso bei, wie der Parade
auf dem Temvelhofer Felde am j.September, wenn auch vom wagen aus. Die geplante Reise nach K�nigsberg i.Pr.
mu�te der Kaiser freilich, infolge eines Falles auf H�fte und Ellbogen durch Ausgleiten bei dem Paradediner, aufgeben,
zu seinem gr��ten Bedauern, da K�nigsberg so wichtig in sein Teben und Geschichte eingegriffen; aber von den Kaiser-
man�vern bei Stettin in Pommern lie� er sich nicht zur�ckhalten, die,sechs hier verlebten Tage, vom bis 1?. September,
bei warmem Sommerwetter lie�en ihm durch das vorz�gliche Erscheinen des II.Armeekorps und den patriotischen Jubel
der Einwohner den wohltuendsten Eindruck zur�ck: es sollte seine letzte Truppenschau sein! Auch von Baden-Baden,
wo der Kaiser vom 26. September bis zum 20. Gktober den gewohnten Aufenthalt nahm, kam dann der letzte Abschied.
Zu Ende ging es; aber wie der Kaiser bis zu seinen letzten Tagen nicht nur bei jenen �u�eren Anforderungen
an den Kriegsherrn, sondern auch in der gro�en internationalen Politik seinen Platz, allemal den ersten im Staate
und seiner Vertretung nach au�en, ausf�llte, das zeigt unser 5Z9' S'lb, das letzte der Aquarell-Sammlung, von
Hermann k�ders: �Gang zu dem Diner im Runden Saale des hiesigen Palais bei Anwesenheit der Russischen
Majest�ten an, November
Wir sahen auch hier in unserer Sammlung, wie. die russischen Beziehungen sich durch das ganze Teben Kaiser
Wilhelms hindurchziehen, in den Tagen guten, besten Einvernehmens und in politisch gespannten Zeiten, wie eine
F�gung erscheint der Zufall, da� dieser �Illustrirte Nekrolog" des Kaisers ausklingt mit dieser russischen Begegnung.
Wieder wie vor Alcxandrowo � Hohenzollern-Iahrbuch S. 55f. � waren die politischen Beziehungen
Ru�lands zuDeutschland durch panslavistische und andere deutschfeindliche Treibereien in eine ernste Spannung geraten,
die zur Krisis zu f�hren schien, wor�ber sich niemand weniger t�uschte, als der Kaiser selbst; dem Kriegs mit zwei
Fronten � denn Frankreich stand nat�rlich hinter Ru�land � sah der 9t�j�hrige Herrscher fest ins Auge, tief ernst
zwar, aber ungebrochenen Mutes, im Bewu�tsein seiner wahren Friedensliebe und seines rastlos gesch�rften Schwertes.
Der Zar Alexander III.befand sich im herbste mit seiner Familie in Kopenhagen, auf dem Seewege,
wie gewohnt, sollte die R�ckreise nach St. Petersburg erfolgen. Die Masernerkrankung der Kinder des Zarenpaares
zwang zum hinausschieben der Heimkehr, die dann, mit der vorgeschrittenen Jahreszeit, zu Schiff nicht mehr tunlich
erschien. Auf dem tandwege aber war Berlin nicht wohl zu umgehen und damit der Besuch des Zarenpaares bei
Kaiser Wilhelm � die Kaiserin Augusta weilte, wie allj�hrlich, bis zum Dezember, in Koblenz � geboten: anscheinend
wohl eine Ironie des Schicksals, bei dieser politischen Lage, die aber doch durch gl�ckliche F�gung zum heile beider
Reiche ausschlagen solltet
        
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