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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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beiden Standorten der Kriegsflotte, eingetreten war, auch hier ganz mit Bismarck zusammenwirkend, selbst im Gegensatz
zu Mollke, der f�r den Kriegsfall die zur Deckung des Kanals erforderlichen Streitkr�fte � er schlug sie auf 6O0O0 Mann,
zwei Armeekorps, an � f�r den doch alles entscheidenden Tandfcldzug nicht entbehren zu k�nnen glaubte. Als feinen
Gedanken nahm der Kaifer das Unternehmen selbst in Anspruch-, �^ch bin doch der, der den Hor6^�ftfee^KauaI
wieder ausgegraben hat gegen den alten Moltke", meinte er, um fein Erscheinen bei der Einweihung des gro�en Werkes,
dessen Durchf�hrung dnrch Reichsgesetz vom M�rz 5836 endlich sichergestellt war, als unerl��lich 311 begr�nden.
Am 2. Juni M? nachmittags reiste der Aaiser �ber Hamburg nach Aiel und begab sich am I.Juni
vormittags im offenen wagen nach dem zwischen Aiel und Friedrichsort an der Aielcr F�hrde gelegenen Dorfe holtenau,
wo die Eingangsschleusc des Aanals erbaut werden sollte. Vis zu der vortrefflichen, kurzen, den Nagel auf deu Aopf
treffenden wcihercde des Gbcrhofpredigers A�gel verlief die wohldurchdacht angeordnete Feier in musterhafter Vrdnung
und w�rde, zur h�chsten Zufriedenheit des Kaisers, wie er dem hierum verdienten Staatsminifter von Voetticher, der
-zum Schl�sse dag hoch auf den Aaiser ausbrachte, dankend schrieb. Die drei Hammerschl�ge tat der Aaiser mit den
Worten: �Zur Ehre Deutschlands, zu seinem immerw�hrenden Wohle, zur Gr��e und zur Macht des Reiches!",
und die in den Grundstein niedergelegte Urkunde, die der Staatsminister von Boetticher anfangs verlesen, umri� die
Zwecke des gewaltigen vaterl�ndischen Unternehmen?, als eines bleibenden Denkmals deutscher Einigkeit und Araft:
�M�ge hierdurch das Gedeihen der deutschen Schiffahrt und des deutschen Handels, die friedliche Entfaltung des
Weltverkehrs, die St�rkung der vaterl�ndischen Seemacht und der Schutz der deutschen A�sten kr�ftig gef�rdert werden!"
Die Weihe des Grundsteines durch den Aaiser zeigt uns unser Bild; hinter dem Aaiser, im Waffenrocke
seines Garde Regiments zu Fu�, stehen seine beiden Enkels�hne, Prinz Wilhelm als Gardehusar, Prinz Heinrich,
in Marineumform, als Aapit�nleutnant; vor dein Grundsteine zwei Werkmeister mit gelbem Schurzfell. Aelle und
M�rtel hatte dem Aaiser der bayerische Gesandte Graf Terchenfeld, den Hammer der Reichslagsvr�sident von Wedel
�berreicht, mit kurzen, treffenden Vegleitworten. Vor dem Grundsteine rechts l��t sich, nur halb vom R�cken sichtbar,
der Gberhofprediger A�gel erkennen. Der reiche Aranz von Staatsbeamten und Offizieren, namentlich von der Marine
und vom Seebataillon, von Vertretern des Reichstages und des preu�ischen Canotages, das Purpurzelt unter der
m�chtigen, den Bug des reich bewimpelten Schiffe, welches als Dekoration in den Festplatz vorspringt, kr�nenden
Germania, die dicht gef�llten Trib�nen � auf der vorderen rechts wohl Aieler Studenten im Wichs �, die bunten
Flaggen unter den gr�nen Buchen und die blauen H�gel �ber die F�hrde hin�ber geben ein festliches, sch�nes Vild
dieser, doch vor allem durch die Gegenwart des ehrw�rdigen Herrschers ergreifenden Feier, deren Bedeutung wohl
jedermann hier verstanden haben wird.
Nach der Grundsteinlegung begab sich der Aaiser, der sich nach seiner eigenen Aeu�erung an diesem Tage
so wohl und kraftig f�hlte wie seit fahren nicht, an Bord des Avisos �pommcrania", wo seine Cochter, die
Gro�herzogin kuise von Baden, ihn erwartete, zur �Flotten-Paradc" �ber die in paradestellung im reichsten
Flaggenschmucke, in nun doch schon langer Front, bereit liegenden Ariegsschiffe. Die Flotte fand wiederum die vollste
Zufriedenheit und Anerkennung des Aaisers, besonders durch die hohe Vrdnung seiner Marine, deren Grundlagen
er geschaffen und deren zukunftssichere Entwicklung er nun wieder feststellen konnte. Und mit welch' stolzer Freude
mag er auch auf die behenden, die �pommerania" umgebenden Torpedoboote herabgeblickt haben, von denen sein
Enkelsohn, Prinz Heinrich, eine Division kommandierte, die er dann vor dem Aaiser vorbeif�hrte: wieder ein hohen-
zollernspro� zur See!
Trotz des sch�nen Wetters und ruhiger See wehte doch �ber die Wasserst�che eine frische Brise; der Generals-
helm mit dein im winde flatternden Federbusche dr�ckte auf die alten Aopfnarbm von dem Attentate her, so da� der
Aaiser ihn abnahm, sich zuerst scheuend, der hohen G�ste wegen, die M�tze aufzusetzen: da hatte er auch schon �die
Erk�ltung weg", wie er selbst erz�hlte. Die AaMe aufzusuchen, hatte er vollends abgelehnt: �das w�re noch besser;
die Matrosen wollen doch ihren Aaiser, den sie so selten zu Gesicht bekommen, nicht in der Aaj�te, sondern auf dem
Verdeck sehen, wenn ich einmal auf dem Schiffe bin, bleibe ich oben!"
        
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