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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Standarten, der Beh�rden, der Geistlichkeit, alles in Galauniform, waren in dein Museumsvorhofe versammelt, wo
das Raiserzelt und vor ihm ein Feldaltar aufgeschlagen war. Auf den S�ulenhallen ringsum waren Trib�nen errichtet.
Um Uhr vormittags erschien der Kaiser in Generalsuniform; nach einer kurzen, ausgezeichneten Feier-Red� des
Dberhofpredigers KSgel sank die H�lle, und der Kaiser, vor der Front der Truppen, in milit�risch straffer Haltung,
zog den Degen und gab selbst mit lauter Stimme dag Kommando zum pr�sentieren ab: dreimal salutierte er durch
denken des Degens die Gestalt seines K�niglichen Bruders, unter Hurrarufen und Trommelwirbel und den kl�ngen
des �Hei! Dir im Siegerkranz". Am Schl�sse dieser kirchlich -niilit�rischen Feier richtete der Kaiser noch einige tief-
empfundene Worte an die n�chststehcndcn Generale und Geistlichen, in wehm�tigem Gedenken an seinen Bruder, dem
es nicht verg�nnt gewesen, die Fr�chte zu ernten, zu denen er den Samen gestreut.
Unser Vild gibt diese Feier wirkungsvoll wieder, wenn auch die Figurenf�lle eine fast mikroskopische Aus-
f�hrung bewirkt hat. Mit voller Deutlichkeit ist aber auch hier der Kaiser zu erkennen, imMittelpunkte der Handlung,
mit seiner straff aufgerichteten Gestalt, und hinter ihm der Kronprinz, die Hand am Helm. Unmittelbar vor der
golden leuchtenden Reiterstatue sind gesenkt die zerschossenen Fahnen des Grenadier-Regiments K�nig Friedrich IVilhelmIV.
si. pommerschen) Nr. 2, dann die Standarte des Regiments der Gardes du Corps und die Fahnen des 5. Garde-
Regiments zu Fu�. Die Freitreppe selbst ist belebt von malerisch gut wirkenden Schlo�gardisten und keibgensdarmen,
an ihrem Fu�e links sind Berliner Invaliden gruppiert. Deutsche und preu�ische Fahnen und Flaggen umrahmen
das farbenleuchtende Vild, auf das links oben der Pegasus vom Dache des Alten Museums herabblickt.
Das Jahr in welchem der Kaiser sein neunzigstes Lebensjahr vollendete, begann mit einer wohl nnr
ihm beschiedenen Erinnerungsfeier, die unser Vild, von Hermann k�ders, festgehalten hat, das, unter der
symbolischen Bezeichnung: �5. Januar �^887", das 30j�hrige Milit�r-Dienstjubil�um des Kaisers zur Dar-
stellung bringt.
Mit den h�chsten milit�rischen <�hef5 und den Generalen und Kommandeuren des Gardekorps waren s�mt-
liche Kommandierenden Generale der deutschen Armee, unter F�hrung des rang�ltesten Feldmarschalls, des Kronprinzen,
mn Neujahrstage, den Januar einem kalten, aber von Hellem Sonnenscheine durchleuchteten wintertage, in
dein Runden Saale des k�niglichen Palais zu Berlin zur Vegl�ckw�nschung versammelt. In ihrem Namen verlas
der Kronprinz eine wohlabgewogene Ansprache, in der er auf die Friedensjahre nach den gewaltigen k�mpfen und
Siegen hinwies:
�Solche friedliche Arbeit konnte indes nur gedeihen, weil gleichzeitig Eurer Majest�t sachkundige und rastlose
Leitung die Schlagfcrtigkeit des Heeres zu der Vollkommenheit f�rderte, deren jeder deutsche Soldat sich mit Stolz bewu�t
ist. Der preu�ische Grundsatz, da� es keinen Unterschied gibt zwischen Volk und Heer, weil Beide eins und zu des
Vaterlandes Verteidigung jederzeit bereit sind, ist durch Eurer Majest�t F�rsorge Gemeingut der ganzen Nation
geworden. In dieser Nahrhaftigkeit unseres gesammtm Volkes liegt die gewichtigste B�rgschaft f�r die Wahrung
unseres Friedens."
Durch �ergreifende Worte im gro�en Stil, an denen jede Silbe wahr und in denen seine ganze Seele und sein
ganzes teben enthalten ist", die er in einem Erlasse an den Kronprinzen zusammengefa�t, dankte der Aaiser den
Vertretern seiner Armee, beginnend mit dein R�ckblicke auf die ernsten Tage schwerster Pr�fung bei seinem Dienst-
antritte � wir d�rfen unseres 5. Bildes hier gedenken, Hohenzollern -Jahrbuch 5906, S. � und auf die
sch�nste Erinnerung seiner Jugend, die Freiheitskriege: �Ich habe viele Ver�nderungen mit der Armee erlebt, in ihrer
�u�eren Form, in ihrer Truppenzahl. Ich habe die Vereinigung mit den deutschen Kontingenten sich vollziehen und
die Manne entstehen sehen � es sind unter Meinen Augen Generationen durch die Armee gegangen, aber innerlich
in dem Herzen und dem Empfinden der Armee gibt es keine Ver�nderung I Den Sinn f�r Ehre und f�r Pfiicht
�ber alles hoch zu halten und jederzeit bereit sein, das keben daf�r zu lassen � das ist das Band, welches alle deutschen
St�mme eng umschlie�t, welches Enkel und Urenkel jetzt ebenso fest wie fr�her die vorfahren vereinigt, und welches
        
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