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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Noch a>n Abend dieses 25. Septembers traf der Kaiser in Baden-Baden ein, zu vierw�chentlichem Aufenthalte �
eine Heiserkeit, die Folge dieser anstrengenden �Friedens-Kampagne", bald �berwindend.
Das Jahr \886 brachte mit seinem Beginn f�r den Kaiser die Feier feiner 25j�hrigen Regierung, ein
Ereignis, an sich schon bemerkenswert im Hinblick auf sein bei der Thronbesteigung bereits vorgeschrittenes Lebens-
alter, unendlich erhebend aber durch den R�ckblick auf die herrlichen "Erfolge feiner Regierung, welche die Erf�llung
jener patriotischen W�nsche und Hoffnungen des deutschen Volkes gebracht hatte, die ihn: nach den Freiheitskriegen
versagt geblieben waren. Der seinem 89. Lebensjahre zuschreitende Kaiser beging dies Fest erst am 3. Januar 5886
� den 2, Januar, den Todestag seines K�niglichen Bruders, h�tte er zu feiern nicht vermocht �, umgeben von den
deutschen F�rsten in reicher Zahl und feinen W�rdentr�gern, vor allem aber umrauscht von der begeisterten Siebe
seines Volkes, die sich in einer �berw�ltigenden F�lle von Gl�ckwunschbezeigungcn kundtat, entsprungen aus dem
Gef�hle, da� alle Deutschen dem Kaiser das Veste dankten, das sie zusammen erlebten. Ver Mittelpunkt der �u�eren
.Feiern war, um die Mittagsstunde dieses Regentages mit Sonnenstreifen, die gro�e Gratulationscaur in, Wei�en Saale
des K�niglichen Schlosses, oie unser \33. Bild, von Hermann Euters, darstellt, das die kurze, bezeichnende Inschrift
tr�gt: �3. Januar \$6{�\886."
Der Kaiser, in gro�er Generalsuniform, steht unter dem Thronhimmel aufrecht vor seinem Thronsessel neben
der sitzenden Kaiserin; ihm naht der Reichskanzler F�rst Bismarck, diesmal als General der Kavallerie, mit tiefer
Verbeugung sich auf die dargebotene Hand des Kaifers neigend, dessen ernster, ja ger�hrter Gesichtsausdruck hier ganz
die fast �berw�ltigenden Gef�hle widerspiegelt, die ihn hierbei ergreifen mu�ten: im n�chsten Augenblick wird der Kaiser
seinen treuen deutschen Diener in seine Arme schlie�en, so in diesem feierlichen Moment vor dieser gl�nzenden Ver-
sammlung bekundend, wie von Herzen ihm seine so oft und r�hrend ausgesprochene Dankbarkeit f�r feinen gro�en
Staatsmann kam, der ihm nun auch bald ein Vierteljahrhundert zur Seite stand � eine Szene wahrhaft geschichtlichen
Charakters, deren Festhaltung auch hier ein Zeichen der hohen Bedeutung ist, die der Kaiser selbst ihr beima�.
Wie sollen wir die F�lle der hier Erschienenen nennen? Von der in strahlendes Wei� gekleideten Kaisenn
Augusta links stehen ihr Sohn, ihr Schwiegersohn, ihr Bruder und ihr zweiter Gnkelsohn-. der Kronprinz, der Gro�-
herzog Friedrich von Baden, der Gro�hcrzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, in der wci�gr�nen Uniform seines
Rheinischen K�rassier-Regiments Nr. 8, und Prinz Heinrich in Marineuniform. Neben dem Kaiser rechts die Kron-
prinzessin, in wei�em Gew�nde mit rotem Ueberkleide, noch weiter rechts die Gro�herzogin Cuise von Baden. Vorn
ganz rechts, neben der eleganten hohen Gestalt des Oberhofmarschalls Graf pervoncher, sehen wir den vom Zaren
zu dieser Feier, entsandten russischen Generaladjutanten Graf Adlerberg, vormals Hausminister des Zaren Alexander 11..
die einzige fremde Uniform auf diesen: Vilde, deren Anblick auch hier dem Kaiser gewi� zur Genugtuung gereicht
haben wird. Der ganz �berraschend, zu des Kaisers gro�er Freude, von Dresden nach Berlin geeilte K�nig Albert
von Sachsen tritt bei dieser Cour-Szene nicht hervor.
Seine wunderbare Spannkraft des K�rpers und des Geistes bew�hrte der Kaiser auch bei der sch�nen Feier,
die unser Vild, von Hermann k�ders, gewidmet ist: �S�kularfeier der Kunstausstellung
F�r den Kaiser galt diese Veranstaltung nicht nur der Kunst, sondern zugleich den: Andenken seines gro�en
Vorfahren, des K�nigs Friedrich des Gro�en, der diese Berliner Kunstausstellungen zuerst geschaffen hatte, den er so
hoch verehrte: �Der Gro�e K�nig, der war anders, der war die Seele von allem, die Hauptperson, und es ist ganz
richtig, da� seine Generale unten an seinem Denkmal angebracht sind", �u�erte er Jahrs darauf, bei der Er�rterung
von Denkmalsfragen. �-
Die Jubil�umsfeier fand statt am 23. Mai in dem neuerbauten Ausstellungsgeb�ude am Lehrter
Bahnhofe, in dem gro�en Saale links von den: Kuppelraume, bei siedender, herrlicher Hitze, am Todestage Leopold Ranke's.
Unter den Kl�ngen des Hohenfriedeberger Marsches � eine Huldigung f�r den Gro�en K�nig �, ausgef�hrt
von der Kapelle der Gardes du Corps, betrat der Kaiser in der Uniform des Garde-Regiments zu Fu� mit seiner
        
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