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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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folgen; noch bei der Parade des Gardekorps, am 2. September, die er im Wagen stehend abnahm, hatte er gemeint,
dies nur aus Schonung f�r S�ddcutschland zu tun; aber auch hier forderte der k�rperliche Zustand des 88 j�hrigen
Kriegsherrn unabweisbar diesen Verzicht. Doch erquickte und erheiterte ihn trotzdem wieder der Anblick der sch�nen
Gruppen, deren Leistungen, bei enormer Hitze, die leider manches Hitzschlagsopfer forderte, forme die Anlage und
F�hrung der Hebungen im Gro�en, er mit so warmen Worten anerkannte, da� er dann fast besorgte, die �Jalousie"
der anderen Korps zu erwecken, und die teilnehmende und sympathische Haltung der Bev�lkerung, die dem Kaiser von
\8^9 her freilich zu ganz pers�nlichem Danke verpflichtet war: �)etzt kann man doch wieder auf die Stra�e gehen",
hatten damals dein Prinzen von Preu�en die badischen B�rger zugerufen, a?s er ihr sch�nes �T�ndle" von Aufr�hrern
und Freisch�rlern s�uberte (Hohenzollern -Jahrbuch S. 58 ff,).
Auf unseren: Bilde f�hrt der Kaiser in eleganter, offener, blauausgeschlagener rotbrauner Kalesche, mit vier
stolzen, vom Sattel aus gelenkten Rappen, denen ein blaulivrierter Vorreiter den weg weist, in der Uniform seines
Vadischen Grenadier-Regiments Nr. langsam, so da� der gr�ne teibj�ger rechts und der Fl�geladjutant links
neben dem Wagen zu Fu� bleiben k�nnen, an der feuernden Sch�tzenlinie badischer Grenadiere entlang. Ihm folgt
die unabsehbare Suite, hart am wagen links sein Sohn, der Kronprinz, in Infanterie Uniform auf einem Fuchs,
rechts sein Schwiegersohn, der Gro�herzog Friedrich von Baden, zwischen beiden wohl sein Enkelsohn, Prinz Wilhelm,
nicht gerade gut getroffen, als Garde-Husar; rechts neben dem Gro�herzog reitet Moltke, im Hintergrunde links, vor
den beiden Pappeln, ein russischer Stabsoffizier mit wei�er Tammfellm�tze. Im Mittelgrunde marschieren Kolonnen
l�ngs blauschinnnernder H�gel, rechts ist Artillerie im Feuer zu erkennen. Die Sch�tzenlinie ist, f�r damalige Taktik,
recht nat�rlich dargestellt, der in der Tust schwebende rechte Arm des liegenden Sch�tzen am rechten Fl�gel wird wohl
noch zum Aufst�tzen gebracht werden durch die Korrektur des eleganten zugf�hrenden Leutnants, dessen lange Hosen
t�chtige Spuren des Lehmbodens aufweisen � anno dazumal waren ja hohe Stiefel f�r Offiziere der Fu�truppen noch
verp�nt, noch dazu bei solchem �parademan�ver".
(Fine wirkliche Parade zeigt nun das (22. Bild, von Hermann C�ders: �Parade des XIII.(K�niglich
W�rttembergischen) Armee-Korps bei pflugfelden am September (995."
Am (3. September vormittags fuhr der Kaiser von Karlsruhe nach Stuttgart, auch hier feierlich empfangen
und mit gro�er Begeisterung begr��t, auch abends durch einen Fackelzug auf den: Schlo�hofe gefeiert. Am (Y. Sep-
tember brachte ein Extrazug den Kaiser mit K�nig Karl und K�nigin Olga von W�rttemberg nach dem Dorfe
pflugfelden, 1/2 Meile s�dwestlich von kudwigsburg; hier bestieg der Kaiser mit dem leidenden und etwas lahmen K�nig
einen wagen, uni gemeinsam die paradefronten des w�rttembergischen Korps abzufahren, vor dem Vorbeimarsche
verlie� K�nig Karl den Wagen^ so da� der Kaiser hier allein blieb und, im wagen stehend, die Truppen bei sich
vorbeimarschieren lie�, wie es unser Bild wiedergibt. Vie gerade vor�berkommende Truppe, F�siliere, macht auch
hier einen vortrefflichen Eindruck. Die Haltung des Kaisers, in Generals-Paradeumform mit dem roten w�rttem-
bergischen Ordensbands, hoch aufgerichtet, ist auch so von imponierender Wirkung: da� er nicht zu Pferde gestiegen,
durften ihm alle treuen Verehrer nur danken, denen vor allem seine l�ngere Erhaltung am Herzen lag. Tinks am
wagen h�lt der Kommandierende General des w�rttembergischen Korps, der preu�ische General Hans von Schachtmeyer,
mit gesenktem Degen; der am wagenschlage stehende, elegante Fl�geladjutant, wohl der 2Najor von Broesigke, und
der Reitknecht am Kopfe der stattlichen Rappen beugen jedem etwaigen Unf�lle vor. Hinter dem Kaiserlichen wagen
ragt der Kronprinz hervor, in Generalsuniforrn, links neben ihm, im roten Attila der preu�ischen Garde Husaren,
der Prinz Wilhelm von W�rttemberg, der jetzige K�nig; ganz rechts h�lt Moltke. Unter der Suite fallen die fremd-
l�ndischen Offiziere ins Auge, der Russe mit wei�er M�tze, der Vesterreicher mit gr�nem Federhut, rechts neben
diesen� wohl der Franzose mit rotem K�ppi.
Wie die Parade selbst, so erfreute den Kaiser auch der Anblick der Kriegervereine, die sich f�r ihn zahlreich
versammelt hatten, und nach den am 25. September beendeten Fcldman�vern die jubelnde Begr��ung der zur�ck-
marschierenden w�rttembergischen Truppen.
        
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