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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Art, die der Kaiser in Augenschein nahm; darauf besuchte er Me Vlumcnausstellung und unternahm dann eine Wagen-
fahrt durch die Hansestadt selbst, die ihn geradezu entz�ckte: �Unvergleichbarer Eindruck der Sch�nheit der Stadt,
Anlagen, Dekorierungen und Enthusiasmus des Publikums �on fr�h bis sp�t", vermerkt der Kaiser Eigenh�ndig auf
seinem �Regenten-Kalender". Auch das Diner, int Hause des Senators Ienisch, da bas Rathaus noch unvollendet war,
befriedigte den Kaiser sehr, durch bas w�rdige und vornehme Auftreten der Senatoren in ihrer mittelalterlichen Amts-
tracht, und die Pr�zision der gediegenen Anordnungen. Da� der Kaiser in seiner dankenden Ansprache hier die ihm
sonst nicht gerade mundgerechten Worte: �Kaiser und Reich" gebrauchte, blieb nicht unbemerkt, da ja bekannt war,
wie wenig wert er dem Kaiscrtitel beima�.
Nach diesem imposanten Hamburger Tage und der Beendigung der Feldman�vcr am U?. September fuhr �cr
Kaiser nachmittags mit dem Kronprinzcnpaare, den Prinzen Wilhelm und Albrecht, dem Gro�herzog von Mecklenburg-
Schwerin, mit 2Noltke und dem Kriegsminister von Kameke nach Kiel, dem von ihn: f�r Preu�en gewonnenen
Kriegshafen, wo ihn Prinz Heinrich, welcher der H?arine schon seit vier IahreU angeh�rt? und eine Weltumsegelung
hinter sich hatte, der Gro�hcrzog peter von Oldenburg und der Chef der Admiralit�t �on Stosch empfingen, zur
Besichtigung der von ihm geschaffenen INarine, die, wie uns gerade in dieser Aquarell-Abteilung einleuchtend entgegen-
tritt, einen ganz betr�chtlichen Rang in seiner Regentent�tigkeit einnahm.
Unser Vild, Don Hermann penner, ist bezeichnet: �Flottenman�ver vor Kaiser Wilhelm. Kiel,
5?. September \88^"
Nach einem gl�nzend verlaufenen Feste des Schleswig Holsteinischen Provinziallandtages am abends auf
�Vellevue", ging der Kaiser am September morgens 8^2 Uhr an Bord der �Hohenzollern", um, von den imKieler
Hafen liegenden Kriegsschiffen �Arkona", �Niobe" und �Nymphe" mit dem K�nigssalut begr��t, bei bedecktem Wetter
nach Friedrichsort zu dampfen, zu dem Uebungsgcschwadcr in der Strandener Bucht, mit dem zusammen die �Hohen-
zollern" dann in Sec ging, zu Evolutionen unter Stosch's F�hrung und einem Tandimgsman�vcr gegen Fort Falckenstcin,
die den Kaiser so befriedigten, da� er dann Stosch durch den Kronprinzen den Schwarzen Adlerorden �berreichen lie�.
Unser Vild zeigt das im Feuer man�veriercnde Geschwader, unter grauem Himmel, auf ruhiger See; rechts
die �Hohenzollern" mit der Kaiserstandarte; die Voote im Vordergr�nde sind wohl mit Zuschauern besetzt, von dem
lichtgr�nen Gestade im Hintergrunde rechts hebt sich ein beflaggtes Fort ab. � Als der Kaiser um Uhr von
dieser Uebung nach Friedrichsort zur�ckgekehrt war, fand vor ihm ein kegen von Nlinensperren statt: der Kaiser selbst
cutz�ndete vom Vord seiner Jacht aus eine Mine, das Ziel, ein Kanonenboot, wurde v�llig zertr�mmert. Dann
folgten noch Schie��bungen mit Fischtorpedos: ein von der Korvette �Vl�chcr" lanzierter Torpedo traf die als Ziel
dienende Hulk �Elbe" und zerst�rte sie, wovon sich der Kaiser durch pers�nliche Besichtigung �berzeugte. Von dein
K�nigssalut des inzwischen zur�ckgekehrten Geschwaders begleitet, fuhr der Kaiser nach Kiel zur�ck, wo im Schlosse
ein Diner f�r Marine- und Zivil-Beh�rden stattfand. Um 6 Uhr abends erfolgte die Abreise von Kiel, �ber Uelzen
direkt nach Karlsruhe in Vaden, zur Teilnahme an der am 20. September gefeierten Verm�hlung seiner Enkelin,
der Prinzessin Viktoria von Baden, mit dem Kronprinzen von Schweden, dem heutigen K�nige Gustav V.Adolf,
zugleich der Silbernen Hochzeitsfeier seiner Tochter, der Gro�hcrzogin von Vaden. An allen Festlichkeiten nahm der
8H j�hrige Kaiser nicht etwa nur pflichtm��ig, sondern mit voller Genu�freude teil: �Der Kaiser kann gar nicht genug
bekommen", berichtet der nicht so festfreudigc General von Albedyll. Ein vierw�chentlicher Aufenthalt in Vaden-Vaden,
vom 23. September ab, bot dem Kaiser die n�tige Ruhe nach diesem vielbewegten Jahre
Vie rastlos fortschreitende Entwicklung des kandheeres zeigen unsere beiden n�chsten Vildcr und
beide von Hermann k�ders, welche die �NageluNg" und die �weihe" der an neuerrichtete Truppenteile verliehenen
Fahnen, am 27. und am 29. 2Nai zu Potsdam darstellen.
NUt welchem Ernste und innerer Anteilnahme der Kaiser an Feiern dieser Art heranging, ist schon wiederholt
in dieser Aquarell-Sammlung zum Ausdruck gebracht worden: Neben der bedeutendsten, entscheidungsvollen Fahnenweihe
        
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