Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

133
mit Vismarck, die diesen sehr befriedigte, und die ihm das vertrauen des Zaren gewann, das standhielt trotz aller
IntriZucn, und bis �ber das Schicksalsjahr von hinaus.
Vismarck waren so ernste Attentats-Warnungen noch in Danzig zugegangen, da� er dem Kaiser empfahl, den
Versuch zu machen, den Zaren, unter dem vorwande der Versp�tung, auf der �Hohenzollern" festzuhalten, statt an kand
zu gehen. Da aber der Zar auf seinem Wunsche beharrte, Danzig zu besuchen, so mu�te das schon an Vord gebrachte
Diner zur H�lfte dort als �Dejeuner" verzehrt werden, w�hrend die andere H�lfte eiligst in den �Artushof" nach der
Stadt zur�ckgeschafft wurde, um hier als Diner zu dienen � eine l�bliche Leistung des Vberhofmarschalls! � So ging denn
die Fahrt auf der �Hohenzollern" nach Neufahrwasser zur�ck, und mit der Eisenbahn nach Danzig, wo gegen 5 Uhr unter
Kanonendonner und Glockengel�ut in viersp�nniger Hofequipage der Einzug der beiden Herrscher in die sch�ne alte Handels-
stadt erfolgte. Der Kaiser wohnte im Gouvernementsgeb�ude, der Zar stieg bei dem russischen Aonsul ab, von wo ihn
der Kaiser zum Diner im Artushofe abholte, und ihn dann, um 8 Uhr abends, wieder zum Vahnhofe geleitete, da der
Zar auf seine Jacht zur Nacht zur�ckkehren wollte. Der Kaiser fuhr inder Nacht nach Verlin zur�ck, sicher einer gro�en
Sorge ledig, und befriedigt von dem bei dieser Vegegnung gewonnenen pers�nlichen Eindrucke, besonders auch erfreut
�ber die Haltung der Bev�lkerung, die, trotz ung�nstigen Wetters, vom fr�hen Morgen bis zum sp�ten Abend nicht
m�de geworden war, immer wieder den Kaiser und seinen Kaiserlichen Gast mit wohltuender Herzlichkeit zu begr��en.
Auf unserem Vilde sehen wir den Zaren, in der Paradeuniform seines westpreu�ischen Ulanen-Regiments
Nr. 5, zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen, beide in russischer gr�ner Generalsuniform und hellgrauen Hosen,
geschm�ckt mit dem blauen Andreas -�Ordensbands; neben dem Kronprinzen die beiden Gro�f�rsten in preu�ischer
Generalsuniform. Gegen�ber steht, wie erwartungsvoll, Vismarck, als �gelber" K�rassier, mit dem blauen Vrdens-
bande, den Stahlhelm in der Hand, w�rdig und vornehm wirkt wieder die Erscheinung des Kaisers, der �brigens
den Zaren �berragt, wie �berhaupt das ganze Vildden historisch bedeutungsvollen Vorgang in ansprechender Korrektheit
zum Ausdruck bringt, gewi� ganz der Auffassung und dem Geschmack des Kaisers gem��.
Nur einen Tag der Ruhe g�nnte sich der Kaiser in Verlin nach diesem innerlich wie �u�erlich so angreifenden
Danziger Tage � dann rief ihn seine Kriegsherrnpflicht wieder nach dem Nordwesten zur�ck, zu den Kaiserman�vern
des IX.,Schleswig-Holsteinischen Korps, die um Itzehoe stattfanden. Am September 5, mittags, reiste der Kaiser
mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Albrecht (Sohn) �ber Hamburg nach Itzehoe, wo er, auch in dieser kleinen Stadt
lebhaft begr��t von begeistertem Jubel, �der sich wie eine woge, stets kraftvoll erneuernd, durch die Stra�en fortpflanzte,
die der Kaiserliche wagen durchfuhr", wie ein Zeitgenosse es poetisch schildert � in der Villades Fabrikbesitzers Kommerzien-
rats de Vo� Quartier nahm. Am 52. September fand in dem zwei Meilen nord�stlich von Itzehoe gelegenen tock-
stedter 3ager auf dem Artillerieschie�platze die Parade des IX.Korps, unter dem General Hermann von Tresckow, dem
fr�heren Chef des Milit�rkabinetts, statt. Zu Wagen fuhr der Kaiser um 50^/2 Uhr nach Tockstedt, stieg hier zu Pferde,
ritt die Fronten ab und nahm zwei Vorbeim�rsche ab. Um H Uhr fand im Rathause das Paradediner statt.
Unser para�ebild, das von Hermann k�ders, zeigt das Vorbeif�hren des Hannoverschen Husaren-
Regiments Nr. 15 � heute �Husaren-Regiment K�nigin Wilhelmina der Niederlande" � durch seinen Chef, den
Gro�herzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin, vor dem Kaiser, der, in Generals-Paradeuniform auf
kastanienbraunem Pferde, den auf stolzem Rappen, mit Muschelzaumzeug und blaugelber, in den Ecken mit wei�en
korbeerzweigen gezierter Schabracke, heransprengenden Gro�herzog begr��t. Das Regiment, in dunkelblauen, wei�-
verschn�rten Attilas, mit gelben KolpakZ an den Pelzm�tzen, kommt im schlanken Trabe, wohlausgerichtet, vorbei,
vor der Front wohl der Regimentskommandeur, Gberst von Schadow-Vodenhausen. Das Vild dient zugleich als
Abschiedsgru� f�r den Gro�herzog Friedrich Franz II., des Kaisers Neffen, den wir so oft auf unseren Aquarellen
dargestellt sahen; er starb am 55. April im 6^. kebensjahre.
Die holsteinschen Man�ver unterbrach am September ein Besuch Hamburgs von Altona aus, zur Er�ffnung
der Seewarte auf dem Stintfange, der Zentralstelle f�r maritime Meteorologie und Sturmwarnungswefen, wo auch eine
Ausstellung maritimer Gegenst�nde aufgestellt war, vornehmlich von Schiffsmadellen der Handelsmarine, der ersten ihrer
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.