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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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geschenkt. Auch die pers�nliche Neujahrsgratulation der Hallorendeputation mit �berreichung typischer Geschenke beruht
auf �altem Herkommen", dessen Beginn sich nicht n�her bestimmen l��t; sie findet auch jetzt noch regelm��ig statt.
Wohl m�glich, da� sie auf dem Wunsche des Herrschers beruht, bei diesem Anlasse mit schlichten keuten aus dem
Volke, von so l�blichen Traditionen, in pers�nliche Ber�hrung zu kommen.
Im engsten Familienkreise sehen wir auf unserem Bilde, das wir auf den 2. Januar 5885 ansetzen, den Aaiser
die drei Abgeordneten empfangen: wirklich bei der �Familientafel", an der neben dem Aaiserpaare das Aronprinzenpaar
mit den, Prinzen Heinrich, die Prinzen Aarl und Friedrich Aarl � die Prinzessin Friedrich Rar! ist wohl durch den
�ltesten der Halloren verdeckt �, und die Prinzen Alexander und Georg von Preu�en, die Neffen des Aaisers, die
unverm�hlt gebliebenen S�hne seines Jugendfreundes und Vetters �Fritz k.", des Prinzen Friedrich von Preu�en
sgest. 5363; s. beim 2. Bilde, hohenzollern Jahrbuch 5903, S. 5H5) � vereinigt sind. Vie drei Hallorengestalten
d�rfen als treffliche Typen ihres Stammes gelten: schlank und wohlgewachsen, mit regelm��igen Gesichtsz�gen, freier
Stirn, klaren Augen erinnern sie an die Gebirgsbewohner Tirols und der Schweiz. Ihre respektvolle Haltung ist frei
von Befangenheit oder kriechender Devotion; mit ruhigem Anst�nde nahen sie ihrem Aaiser mit ihren Geschenken:
dem Neujahrs-Tarmen in roter Mappe, den Soleiern in einer Salzpyramide, dem Teller nnt Schlackwurst, an ihr
Privileg der �Rauchschl�chtcrei", d. h. des Schweineschlachtens und Verkaufs von frischem und ger�uchertein Fleische,
erinnernd. Auch ihre Tracht hebt ihr Auftreten vorteilhaft hervor: schwarze Schuhe und wei�e Str�mpfe, kurze schwarze
Hosen, lange farbige � rot, blaugrau, violett � R�cke mit silbernen An�vfen, die oft ein jahrhundertelanges Alter
haben sollen. Wohlgetroffen ist auch hier vor allem der Aaiser, in der Uniform des 5> Garde-Regiments zu Fu�,
wie er mit ernster Freundlichkeit die Gl�ckw�nsche des Sprechers entgegennimmt. Zur Pflege guter, alter Neber-
lieferungen ist vornehmlich das Herrscherhaus berufen, das in erster linie m der Tradition wurzelt; auch hierin ist
Aaiser Wilhelm, im Gro�en wie im Aleinen, vorbildlich gewesen.
Mitten m den Vorbereitungen zu einen� frohen Familienfeste sehen wir den Aaiser auf unserem 5 5?. Bilde,
von Hermann k�ders: �Generalprobe am 25. Februar 5865." Das war die Hochzeit des Prinzen Wilhelm, unseres
Aaisers und A�nigs Wilhelm II.,mit der Prinzessin Auguste Viktoria zu
die am 27. Februar 5865 stattfinden und am 5. M�rz mit Huadrillen-Auff�hrungen gefeiert werden sollte. Auch hier
war der Aaiser unerm�dlich, sachkundig, entscheidend t�tig: war doch die Hochzeit des �ltesten Lnkelsohnes zugleich ein
hoffest gr��ten Stiles, f�r dessen Gelingen der Aaiser die Verantwortung f�hlte und tatkr�ftig �bernahm. Urspr�nglich
hatten die Berliner und Potsdamer Offiziere ein gro�es Fest zu Ehren des jungen Paares geplant, Quadrillen
zu Pferde und Tableaux, das in dem neuen Centralhotel stattfinden sollte. Dieser Plan war so kostspielig � die
totalmiete allein mit den n�tigen Umbauten war auf 75000 2Nark veranschlagt � da� der Aaiser sein Veto
einlegte und daf�r Quadrillen im A�niglichcn Schlosse vorschlug, welche die Aost�me der Zeit der preu�ischen A�nige
Friedrichs I., Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. darstellen sollten. Zur Umstellung des Tanzplatzes f�r diese
Quadrillen wurde eine Aompanie der Riesengarde Friedrich Wilhelms I. formiert, aus 50 Offizieren, von denen
keiner unter 5 Fu� 55 Zoll messen durfte; der Fl�gelmann hatte 5? Zoll: es war der Leutnant von Pl�skow vom
5. Garde-Regiment zu Fu�, heute Generalleutnant und Divisionskommandeur zu Dannstadt. Die Quadrillen wurden
jede einer Patronin unterstellt: eine in der Hoftracht Friedrichs I., eine von Frideriziamfchen Grenadieren und Rheins-
berger B�uerinnen und eine Husaren-Huadrille. Die Riesengaide kommandierte der Generalintendant der A�niglichen
Schauspiele, Votho von h�lsen; ihr widmete der Aaiser sein besonderes Interesse, wenn er auch den anderen Proben
gleichfalls beiwohnte, und sogar der TNusikprobe f�r den Fackeltanz im Wei�en Saale!
Unser Bild gibt von der mit geschultertem Gewehr auf dem spiegelblanken Parkett des Wei�en Saales
anmarschierenden Riesengarde den imponierenden Lindruck anschaulich wieder, den er in Wirklichkeit gehabt haben mu�;
selbstverst�ndlich war die Uniformierung getreu wie m�glich, so ganz preu�isch: blau-rot. Die blauen R�cke mit roten
Aufschl�gen und rotem Futter, die roten Westen und roten Aniehosen, die wei�en Gamaschen mit schwarzen
        
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