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Aus den Briefen der Königin Sophie Dorothea : IV. Aus den Briefen an den Kronprinzen Friedrich

Full text: Aus den Briefen der Königin Sophie Dorothea : IV. Aus den Briefen an den Kronprinzen Friedrich

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von tothrinZen und der Herzog von Bevern mit seiner Gemahlin und ihrer Tochter Elisabeth, aus Potsdam nach
Verlin gekommen w�ren.
Der Kronprinz erhielt von der Prinzessin keinen sehr vorteilhaften Lindruck, und auch die K�nigin stand
zueist dieser ihr von der kaiserlichen Partei aufgedr�ngten Schwiegertochter nicht eben sympathisch gegen�ber. Graf
Seckendorf hoffte, mit der Zeit und einiger Nachhilfe werde sich die Prinzessin in Gestalt und Manieren so zu ihrem
vorteil ver�ndern, da� der Kronprinz mit ihr bei dem n�chsten Zusammentreffen zufriedener sein und so von der
Abneigung gegen sie, die er am Verlobungstage nur schlecht verhehlt hatte, ablassen werde. Nach einem Besuche des
Herzogs Ferdinand-Albert von Vevern und seines Hohnes, des Prinzen Karl, des Br�utigams der Prinzessin Charlotte,
im Januar in Potsdam, ging der K�nig und der Kronprinz nach Vraunschweig (9.�^8. Februar); der K�nig
war mit den Verlobten zufrieden, an den F�rsten Leopold von Dessau schrieb er am �Die Verlobten sind recht
verliebt." Die Verm�hlung wurde auf den Juni festgesetzt; da das junge paar nicht auch iniBerliner Schlosse wohnen
sollte, wurde f�r sie das bisherige Gouvernementsgeb�udc, das jetzige KronpnnzUche Palais, umgebaut; die Sorge f�r
die innere Einrichtung �bernahm die K�nigin. An: Juni war die Hochzeit in Salzdahlum, am 2?. der Einzug
der Kronprinzessin in Verlin; NNtte Juli ging der Kronprinz in seine Garnison Ruppin, die Kronprinzessin blieb in
ihrem neuen Palais zur�ck; in den langen Wochen, die sie die n�chsten Jahre hier allein zubrachte, gelang es ihr, der
K�nigin n�her zu treten und ihr Verh�ltnis ertraglich zu gestalten.
Nach dem Tode Augusts II. von Polen (Februar traten als Bewerber f�r die erledigte K�nigskrone
Stauislaus keszczinski, der Schwiegervater tudwigs XV. von Frankreich, und August III. von Sachsen aus; franz�sische
Truppen sammelten sich im Sommer am Rhein, kaiserliche bezogen ein Tager in B�hmen. Die Wahl Stanislaus'
erfolgte im September, die Augusts am 5. Oktober; am ;8. erkl�rte Frankreich dem Kaiser den Krieg, Ende des
Monats eroberte� die Franzosen Kehl. Zum Reichskriege r�ckten Ende April preu�ische Truppen an den Rhein.
Der Kronprinz erhielt die Erlaubnis, den Feldzug mitzumachen; Ende Juni reiste er von Verlin ab, nach einem
kurzen Zusammentreffen mit seiner Schwester wilhelmine im Weihsrhaus bei Bayreuth s3. Juli) kam er an� ?. Juli
im kager vor Philippsburg an. Der K�nig kam ani 6. nach und blieb bis Mitte August beim Heere, dann ging
er nach Wesel; hier erkrankte er sehr schwer, am traf er in Potsdam ein, sein Zustand verschlimmerte
sich so, da� man imNovember das Schlimmste bef�rchtete; wenn er auch Anfang des n�chsten Jahres wie durch ein
Wunder sich wieder erholte, v�llig ist er von dieser Krankheit nie wieder genesen, �er lebte seitdem nur noch durch
die Kunst der Aerzte".
Im April 5735 sprach der Kronprinz wieder die Bitte aus, ins Feld gehen zu d�rfen. Die Anfang Juni
m�hsam erlangte Erlaubnis wurde dann an Bedingungen gekn�pft; die letzte Hoffnung war die Revue des Regiments
am 29. Juli, sie fiel zur vollen Befriedigung des K�nigs aus, die Erlaubnis wurde wiederholt, aber wieder nur
bedingungsweise. Eine erneute Bitte (Ende August), die Verwendung der Kronprinzessin beim K�nige (Anfang
September) blieben erfolglos, statt dessen schlug ihm der K�nig am 6. September eine kustreise nach Preu�en vor,
die dortige Vekonomie und Tandesart kennen zu lernen und nach dem Rechten zu sehen, zugleich die dort
liegenden Regimenter zu besichtigen; �eine Reise," meinte der Kronprinz, �nicht viel ehrenvoller als nach Sibirien".
Vom 23. September bis 30. Gktober war er auf dieser seiner ersten gro�en Inspektionsreise; in K�nigsberg, wo er
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22. Gktober sich aufhielt, traf er mehrfach mit dem vertriebenen K�nig Stanislaus, der hier eine Zuflucht
gefunden hatte, zusammen.
Ende 5735 bei seinem Aufenthalt in Verlin war dem Kronprinzen Voltaires lettre sur I^acko in die H�nde
gefallen, die darin vorgetragenen materialistischen kehren hatten gro�en Eindruck auf ihn gemacht; uni diesen
Anschauungen entgegenzuwirken, verwies ihn der s�chsische Gesandte Suhm, der ihn: schon vorher nahergetreten war,
auf die wolffsche Philosophie. Diese philosophischen Gespr�che wurden wieder aufgenommen, als der Kronprinz Anfang
2N�rz auf ein paar Tage nach Berlin zur�ckkehrte; an der von Suhm angefertigten Uebersetzung der Wolffschen
Metaphysik wurden diese Studien in Ruppin fortgesetzt. Wolff, seit aus Preu�en verwiesen, hatte zwar in der
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