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Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

Full text: Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

9Waldeck weigerte sich, dem schwedischen Kanzler die �blichen H�flichkeiten zu erweisen. Er galt jetzt eine
Zeitlang als der dm Schweden mi�g�nstigste unter des Kurf�rsten Ratend
Die wunderlichste Konsequenz der durch den A�nigsberger Vertrag geschaffenen tage war doch, da� die ganze
stattliche, mit so viel Aufwand angeworbene und zusammengehaltene Ztreitmacht des Aurf�rften jetzt ohne Verwendung
blieb. Denn zur Heeresfolge gegen Oolen sollte Vrandenburg vertragsm��ig nur mit 1.500 Mann verpflichtet sein;
galt doch der Arieg dem schwedischen K�nig so gut als beendet. Gewi� schien es �weder reputierlich noch vertr�glich",
diese gute Armee �ohne Emploi zergehen zu lassen" 2; woher aber sollten auf die Dauer die Aosten ihres Unterhalts
bestritten werden? Frankreich hat damals um die �berlassung eines Teils dieser Truppen f�r seinen Krieg gegen
Spanien sich bem�ht und den Kurf�rsten mit dem Herzogtum Geldern, dem alten j�lich-klevischen Nebenland, zu locken
versucht. waldeck hatte schon 165H den Gedanken hingeworfen, man solle sich die schwedisch-polnischen Wirren im
Einverst�ndnis mit Schweden zu einem �coup 6e m^in" am Rhein benutzen; er redete auch jetzt dem franz�sischen
vorschlage das wort; des Dienstes beim Aurf�rsten nach den letzten Vorg�ngen �berdr�ssig, w�re er nicht abgeneigt
gewesen, einen Teil der brandenburgischen Truppen, wenn sie schon abgedankt werden sollten, auf seinen Namen
anzuwerben und den Franzosen zuzuf�hren. Der Kurf�rst widerstand der Versuchung, seine in Preu�en vereinigte
Kriegsmacht zu zersplittern oder gar abzudanken; er beschr�nkte sich darauf, mit Frankreich am 2H. Februar ein einfaches
Devensivb�ndnis auf sechs Jahre abzuschlie�en, das sich nur auf die deutschen Reichslande Brandenburgs einerseits
und die durch den westf�lischen Frieden erworbenen Gebiete Frankreichs andrerseits erstrecktet
Die schiefe Stellung des Kurf�rsten wurde in gl�cklicher Weise ausgeglichen durch einen j�hen Umschwung
der Kriegslage.
Immer kr�ftiger wuchs in Polen die nationale Bewegung zu Gunsten des angestammten K�nigs, dessen 5ache
ihm selber und seinem Adel schon als verloren gegolten hatte. Ein winterfelbzug Karls X. nach Galizien endete mit
einem verlustreichen R�ckzug, die im Vorjahre zu ihm �bergegangenen polnischen und litauischen Ausgebote fielen
wieder ab. Er lie� Mitte April in Warschau eine Nesatzung zur�ck und sah sich bald, da auch ganz littauen gegen
ihn unter die Waffen trat, auf das polnische Preu�en beschr�nkt, wo aber die Hauptstadt Danzig ihm ihre Tore verschlo�.
Nun erkl�rte sich auch der Zar endlich f�r Johann-Kasimir, �berzog die schwedischen Valtenlande, erst�rmte D�naburg,
belagerte Dorpat, prahlte, an der spitze eines gewaltigen Heeres die Schweden in ihrer Heimat aufsuchen zu wollend
Nur durch einen gro�en Schlag konnte der vom Kriegsgl�ck getrogene stolze Schwedenk�nig seine Sache wieder-
herzustellen hoffen. Das noch versammelte brandenburgische Heer stieg auf einmal stark imPreise. Statt der im K�nigs-
berg� Vertrag ihm zugesagten 1.500 Mann mu�te Karl X. die ganze Streitmacht des Kurf�rsten zu gewinnen suchen
und schlug deshalb ein neues Abkommen vor. �Nichts ist wichtiger als das kurf�rstliche Traktat", schrieb ihm sein
Kanzler nach Veginn der Verhandlungen aus NIarienburg, �und nichts geht langsamer".
Schon die K�nigsberg� Abkunft war dem Kurf�rsten in Polen arg verdacht worden, wenn sie auch als
erzwungen entschuldigt wurde. Vb ein siegreiches Polen ihn schonen w�rde, mu�te dem Kurf�rsten zweifelhaft erscheinen,
da ihm schon jetzt von dieser Seite mit ausgesprochener Feindseligkeit begegnet wurde. So weit wie er sich einmal mit
den Schweden eingelassen hatte, durfte er folgerichtigerweife nur an ihrer Seite Sicherheit und weiter auch Vorteil
erhoffen. Mit seinen 20000 Mann noch l�nger stille zu sitzen, w�re unter mehr als einem Gesichtspunkt widersinnig
gewesen. Gleichwohl machte sich von den Beratern, wie es scheint, nur waldeck die Anforderungen des Augenblicks
v�llig klar b. Als er in Marienburg als Unterh�ndler an der Seite des nur widerwillig mitgegangenen Platen den
Vertrag schon dem Abschlu� ganz nahe gebracht hatte, hat der Einstu� der anderen Berater den Kurf�rsten noch im letzten
Augenblick stutzig gemacht. Doch gelang es waldeck, durch eine eindringliche Gegenvorstellung die Verhandlung zu retten.
1 �LrdmannZdSrffer, Graf Waldeck, S. 361. U. A.2, 5. 89.
� *
vgl. Publ. 80, S. ,
    
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