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Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

Full text: Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

8niedermachen, teils in die schwedischen Regimenter unterstecken lie�. Das brandenburgische Heer stand unter den Mauern
von K�nigsberg; am Dezember erteilte der Aurf�rst dem Grafen tvaldeck den Vefehl, Gewalt mit Gewalt abzuwehren.
Ver Aampf w�re f�r Brandenburg nicht v�llig aussichtslos gewesen, aber im h�chsten Grade bedenklich. Die
auf die preu�ische Hauptstadt gest�tzten Truppen w�rden unter den Augen ihres F�rsten den Schweden den Sieg jeden-
falls teuer verkauft haben. Andrerseits hinderte den K�nig im Augenblicke nichts, mit seiner ganzen Macht auf diesen
einen Feind zu dr�cken, ehe aus Holland oder von der Donau zu Waffer oder zu tande Entsatz kommen konnte.
Auch die polnische Insurrektion im R�cken der Schweden zu Gunsten des eben noch von den Seinen schn�de im Stiche
gelassenen und verleugneten, jetzt aus Schlesien zur�ckgekehrten Romas Iohann-Aasimir bedeutete f�r die Entscheidung
vor A�nigsberg nichts Erhebliches, da zu einer Ausstrahlung nach Norden dieses milit�rische Strohfeuer schwerlich
Glut genug enthielt.
Unter diesen Umstanden war in beiden Hauptquartieren Neigung vorhanden, noch in der zw�lften Stunde
zu paktieren. Trafen die Vorposten eine Meile vor A�nigsbera aufeinander, so entschuldigten sich die Schweden mit
ihrer Unkenntnis der VerMchkeit. Die kage des Augenblicks bezeichnet es, da� Aarl X. gleichzeitig Schlippenbach
(29. Dezember) mit einer Einladung zur Taufe seines Erstgebornen und Erich Gxenstjerna (2. Januar) mit einem
Vertragsentwurf an Friedrich-Wilhelm schickte.
Alles, was an preu�ischen tandst�nden und an gefl�chteten polnischen Edelleuten am A�nigsberger Hofe
weilte, best�rmte den Aurf�rsten, die Han� zum Vergleich zu reichen. Ebenso die Mehrzahl seiner A�te, wenn auch
Hoverbeck^ bis zuletzt riet, bei der polnischen Partei auszuharren.
Der Friedens- und V�ndnisvertrag, der an: ?. Januar zu A�nigsberg unterzeichnet wurde, gew�hrte dem
Aurf�rsten weniger als man ihm vor dreiviertel Jahren zu Stettin geboten, d. h. vor allem nicht die damals schon
zugestandene Souver�nit�t �ber Preu�en. Und wie das Herzogtum, sollte Friedrich-Wilhelm auch das ihm als �Satis-
faktion" einzur�umende Ermland^ von der Arane Schweden zu kehen nehmen. Wohl hatte der A�nig diesmal f�r
sich nicht auf den Eid der Festungskommandanten und auf die Besetzung von Memel bestanden, doch sollten die H�fen
des Herzogtums in ArieZ und Frieden den Schweden ge�ffnet sein, die Ertr�ge der Hafenz�lle zwischen dem Suzer�n
und dem Vasallen geteilt werden. Auch wurde der Durchzug durch das preu�ische kand dem schwedischen Ariegsvolk
freigestellt. Immerhin ein Gewinn f�r Vrandenburg war es, da� die dr�ckendsten Bestimmungen des kehnsverh�ltnisses,
die dem polnischen A�nig bisher zur Einmischung in die innern Verh�ltnisse des Herzogtums und insonderheit des
Gerichts befugt hatten, beim Uebergang der tehnsherrlichkeit auf Schweden in Wegfall kamen.
Alles in allem in der Tat ein Unterwerfungsvertrag, und als solcher, zumal nach soviel Hin- und Her-
reden und Str�uben, f�r den Aurf�rsten ein hartes Gpfer. Von den hochftiegenden Pl�nen des vorangegangenen
Jahres war nichts erreicht, au�er der Anweisung auf das Ermland, deren Einl�sung noch von allen wechself�llen
des schwedisch-polnischen Arieges abhing.
Es hie� gute Miene zum b�sen Spiel machen, wenn man in brandenburgischen landen Dankgottesdienste f�r
die Herstellung des Friedens mit Schweden ansagte und wenn der Aurf�rst aus A�nigsberg nach Vartenstem zur
Begr��ung des A�nigs hinausfuhr'. Es ward sechs Tage lang Vers�hnung gefeiert, auch Vr�derschaft getrunken,
aber wir glauben den Zeugen, die uns versichern, da� dem Aurf�rsten diese Begegnungen mit dem vom Gl�ck
allzusehr vorgezogenen Nordl�nder, seinem nunmehrigen tehnsherrn, jedesmal unbehaglich gewesen sind.
Graf IValdeck hat damals seinem Unmut �ber das von ihm vordem empfohlene, aber so v�llig anders
geplante schwedische B�ndnis in den bittern Worten tust gemacht: �Man wollte in keiner Gefahr sein und hatte sich
schon dreingegeben ; man wollte Polen treu bleiben und hatte ihm renonciert; man wollte den Arieg los sein und
wollte neuen Arieg anfangen: in summa, man wollte, was man nicht wollte, und tat, was man nicht zu tun gedachte."
1Droyfen, Geschichte der preu�ischen Politik (2. Aufi.)III,2, 5. 590.
�
a Anstatt des inStettin gebotenen St�ckes vonSamattcn.
�
8 publ. 80, S. 79; U. A. 2, 5. ?s, 79.
        
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