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Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

Full text: Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

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warum sich l�nger von Schweden und seinen Verb�ndeten, Frankreich und England, als subjectum misericordiae,
als Statist, behandeln lassen? Und �u�ersten fallest besser als ein k�we sterben, denn als ein Schaf verschlungen werden.
Schwerin ging ganz auf weimanns Anschauungen ein^ und unterst�tzte sie bei dem Aurf�rsten. Hoverbeck,
Somnitz, stimmten bei. Die Aurf�rstin lie� sich vernehmen 2, da� bei den Waffen ihres Gemahls und des K�nigs
von Schweden wenig Gerechtigkeit sei, da� beide F�rsten ihre Personen und ihre Staaten den zweifelhaften Ereignissen
eines �rgerlichen Arieges aussetzten, zumal wenn der Kaiser sich einmischte; w�rde ihr Rat geh�rt, so m��te Friede
mit Polen um jeden preis geschlossen werden. Ver franz�sische Gesandte wollte wissen, da� der Aurf�rst der Begegnung
mit seiner Gattin ausweiche, da� er auch seine R�te, da er ihre Gesinnungen kenne, nicht mehr h�re und in seiner
Passion f�r die Souver�nit�t von Preu�en und das Bistum Ermland sich von zwei oder drei Vfsizieren leiten lasse,
die dieser Leidenschaft schmeichelten.
Beim ersten Blick auf die Reihe der sich abl�senden, einander widersprechenden Vertr�ge, die Friedrich-Wilhelm
im kaufe dieses Arieges unterzeichnet hat, gewinnt man von ihnen wohl den Eindruck der Eilfertigkeit und Un-
best�ndigkeit, des Unvermittelten oder wohl gar kaunenhaften. Aber die Vindeglieder, die bed�chtigen wohlberechneten
Ueberg�nge sind f�r das sch�rfere Auge unverkennbar. Vie irrten, die im Herbst einen entscheidenden und aus-
schlie�lichen Einflu� Waldecks � denn dieser Mann soll doch unter den �zwei oder drei Vffizieren" des franz�sischen
Berichterstatters einbegriffen sein � annehmen wollten. Der Aurf�rst war innerlich dem hochfahrenden, anspruchsvollen,
r�cksichtslosen Reichsgrafen, dem eingeschworenen Parteig�nger Schwedens und Frankreichs schon entfremdet^, und allem
Anschein nach gingen seine Berechnungen �ber die f�r waldeck ein f�r allemal gegebene Richtlinie damals schon hinaus.
Was der Aurf�rst auf Umwegen �ber die Anschauungen der Polen erfuhr, lie� ersehen, da� sie wohl zu
einer Amnestie bereit waren, aber weder an eine t�sung des preu�ischen kehnsverh� Unisses noch an irgendeine
Abtretung, etwa die Ueberlassung des Ermlands, dachten. Gleichwohl, die blo�e Tatsache eines brandenburgischen
Meinungsaustausches mit Polen verfehlte die Wirkung nicht, den schwedischen A�mg dem Aurf�rsten willf�hriger zu
machen. Aarl-Gustav hatte zuerst nur gelacht als Schwerin imNamen seines Herrn nach der Schlacht bei Warschau
die Souver�nit�t �ber Preu�en beanspruchte. Er hatte weitere Zugest�ndnisse h�chstens f�r brandenburgische Waffen-
hilfe auch gegen Ru�land hoffen lassen. Nach monatelangen Verhandlungen ist der Aurf�rst in den: Vertrag von
kabiau November doch zu seinem Ziel gelangt.
Er erhielt in Preu�en und in Ermland die Souver�nit�t zugestanden, dazu den Verzicht Schwedens auf den
bisherigen Anteil an den preu�ischen Z�llen gegen eine einmalige Abfindung in der H�he von 000 Talern. Das
brandenburgischerseits zu stellende Hilfskorps blieb auf H000 Mann bemessen. Die zu Marienburg dem Aurf�rsten
versprochene �berweisung der vier gro�polnischen Woiwodschaften wurde zwar aufrecht erhalten, verlor aber dadurch
ihre Bedeutung, da� daraus beim Friedensschlu� mit Polen keine concilia aine qu2 non gemacht werden sollte. Dagegen
wurde f�r Schweden durch das B�ndnis von labiau ohne solche Einschr�nkung in Aussicht genommen die Erwerbung
von Polnisch-Preu�en, Pomerellen, Polnisch-Aassubien, Samogitien, Semgallen, Aurland und tivlano. Somit war das
Mi�verh�ltnis zwischen dem f�r beide Teile ausbedungenen Gewinn so augenf�llig, da� der �ber die weitere Befestigung
der Beziehungen zu Schweden �u�erst mi�vergn�gte weimann von einer anciens leunina sprechen zu d�rfen meinte.
Weimann und die andern Gegner des schwedischen B�ndnisses �bersahen den entscheidenden Punkt. Sie h�tten
sich sagen �n�ssen, da� ihr Herr in: tats�chlichen Besitze der preu�ischen Souver�nit�t jetzt Polen gegen�ber mit ganz
andern Anspr�chen auftreten konnte als bisher. Sie hatten gemeint, da� er schon mit dem Siege von Warschau alle
Tr�mpfe in seine Hand bekommen habe. Aber den st�rksten Trumpf hat er erst jetzt sich gesichert. Der Aurf�rst hat
schlie�lich kl�ger gerechnet, als seine Berater.
Es ginge zu weit, wenn man annehmen wollte, da� Friedrich-Wilhelm den Vertrag von kabiau nur ein-
gegangen w�re, um von dem damit gewonnenen festen Punkte aus alsbald die Verhandlung mit Polen aufzunehmen
1 u. A. 7, S. ?\, 215.
� * Vericht des franz�sischen Gesandten lumbres, Oktober 5656. H. 2l, 2. 5. 109.
� *u. A. 6,
3. 93, 25*.
� * U. A. 8 S. H*.
        
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