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Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

Full text: Der Große Kurfürst und Karl X. von Schweden

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Woiwodschaften mehr oder weniger kam es dem pl�tzlich so Freigebigen dabei nicht an; blieb es doch eines jeden
Sache, zu sehen, wie er wirklich in den Besitz des ihm hingeworfenen landloses kam. So hat Karl dem Nurf�rsten
im kaufe der Verhandlungen sogar podolien und die Ukraine anbieten lassend Mochte Vrandenburg hinten weit
im Vinnenlande sich vergr��ern � bas lie� sich vom schwedischen Standpunkte eher zugestehen, als die Souver�nit�t
von Preu�en. Sie blieb dem Aurf�rsten auch jetzt noch versagt. Denn dort an der Seek�ste, wo Schweden seinen
eigentlichen Gewinn einzuheimsen gedachte, das polnische Preu�en mit den, Weichseldelta, die Helena dieses Krieges 2,
dort war die tehnshoheit �ber bas herzogliche Preu�en ein wertvolles, unentbehrliches F�llst�ck in dem gro�artigen
Gef�ge der schwedischen Au�enlande vom Bosnischen Meerbusen bis zur Weserm�ndung.
wie in den ersten Monaten von hat in der Folge noch �fter ein b�ser Zauber das preu�ische Schwert
zur entscheidenden Stunde in der Scheide zur�ckgehalten. Jetzt aber wurde der Bann noch rechtzeitig gebrochen. Der
Marienburger Pertrag berief das Heer zum Handeln gerade in dem Augenblick, da die Ariegslage eine t�sung erheischte.
Vier Cage nach der Unterzeichnung mu�te die kleine schwedische Besatzung in Warschau kapitulieren, wenn Aarl X.
jetzt durch eine Feldschlacht gegen die gewaltig angeschwollene polnische Nebermacht das Ariegsgl�ck noch einmal auf
feine Seite zur�ckzwang, hat er einzig und allein der Mitwirkung Brandenburgs feinen Erfolg 311 danken gehabt.
�l^ne sic h�tte er mit feinem auf 9000 Mann zusammengeschmolzenen Heere sich nicht mehr im offenen Felde zeigen
k�nnen. Indem zu den Schweden ungef�hr die gleiche Zahl �on Brandenburgern mit stie�, konnte man drei Tage
hindurch, vom {8. bis 20. Juli, den Angriff auf die um Warschau in verschanzten Stellungen versammelten polen,
tittauer und Cataren wagen.
Sie gaben sich f�r 200000 Mann aus und haben mindestens 70000 gez�hlt; ihr Widerstand war r�hmlicher,
hartnackiger als an fr�heren Tagen, aber die gro�e UcberZahl ihres zusammenhanglosen Schlachtizenaufgebotes konnte
gegen die geschulten Verufstruppen der Verb�ndeten von Manenburg nicht aufkommen. Die Schw�che der Schweden
an Fu�volk und Gesch�tz wurde durch die Zusammensetzung des brandenburgischcn Heeres in gl�cklichster weise aus-
geglichen. An den �wandernden Aastellen", wie der Tatarenaga die Infanteriekarrees der Gegner genannt hatte, prallten
die immer von neuem ausschw�rmenden slawischen und tatarischen Reiterangnffe ab.
Die Schweden haben nach dem Siege in ihren Schlachtberichten den Anteil der Brandenburger zu verkleinern
gesucht und das Zeugnis nachtr�glich abschw�chen wollen, welches ihr Feldmarschall Wrangel mit den Worten abgelegt
hat: da� vornehmlich der hohen Aondmte des Aurs�rsten die herrliche Viktoria zu danken gewesen. Der moralische
Eindruck dieser dreit�gigen Schlacht war �berall stark und tief. Vrandenburg hatte einen ersten unbestreitbaren Erfolg
aufzuweisen. Zum ersten Male horchte Europa aus das Alirren dieses Schwertes auf, das sich so oft noch den Feinden
schrecklich machen sollte.
Die Schlacht war eine Erl�sung f�r das Heer, eine Erl�sung f�r den Kriegsherrn. Diese Stunden auf der
hei�umstrittenen Walstatt von Warschau haben in Friedrich-Wilhelm das Selbstvertrauen geweckt, das in den langen
Jahren des Zuschauen^ und Abwartens, in diesen ewigen Staatsratssitzungen und Beratschlagungen, in den, z�hen,
erm�denden Ringen mit den Bedenken und Zweifeln der Schwarzseher unterdr�ckt worden war. Von 'Stund' an
erscheint der Aurf�rst in ganz andrer weise zuversichtlich, sicher, selbst�ndig. Er hatte sich Anerkennung verschafft.
Er hatte jetzt seinen Platz gefunden, den Platz an der Spitze seiner Truppen, von dem aus er und seine Nachfolger
sich und ihren Staat m der Welt durchgesetzt haben. Von nun an geh�rten in diesem Staate F�rst und Heer unzer-
trennlich zusammen.
F�r die strategische tage war der Sieg von Warschau nicht entscheidend. Die Ariegf�hrung der Verb�ndeten
blieb auf die Defensive beschr�nkt. Dem geschlagenen Feinde tief nach Polen hinein zu folgen, weigerte sich der Aurf�rst
mit R�cksicht auf die Sicherung seiner Grenzen. Die Schweden hielten die festen Pl�tze in polnifch-preu�en, Thorn,
Graudenz, Marienburg, Elbing, aber Danzia �ffnete seine Tore dem A�nig Johann-Aasimir. In Posen behauptete
'U. A.2, 5. YS. � 'Au3 eitlem Berichte von 3ommtz l �Haec enim est Helena illa propter quam Sueci pugnant". H.A. 7, 5. H2tz.
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