Path:
Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

VII
auf Deutschland ausge�bt werden sollte zu dem Zweck, e5 in seiner wellpolitischen Vet�tigung auf Schritt und Tritt
zu hemmen und zu st�ren. Zugleich begann man in England an eine wesentliche Ver�nderung in der Verteilung
der englischen Flotte zu denken. Noch w�hrend des Vurenkrieges tauchte der Plan auf, in der Nordsee auf schottischem
Gebiet zu Rosyth einen neuen Ariegshafen zu schaffen, der als Vasis einer speziell gegen Deutschland gerichteten Heimat-
flotte gedacht war und �berhaupt eine gr��ere Zahl von schiffen dauernd in den heimischen Gew�ssern versammelt
zu halten. Die erste bedeutende Frucht der neuen gegen Deutschland gerichteten Emkreisungspolitik war die Herstellung
der sogenannten Lntente cordiale zwischen England und Frankreich, bei der von franz�sischer Heile namentlich der
kondoner Botschafter Cambon und der Minister des Ausw�rtigen Delcasse mitgewirkt haben. Die alten Rolonial-
differenzen zwischen Frankreich und England wurden beseitigt; man kam �berein, sich gegenseitig in Aegfpten und
Marokko freie Hand zu lassen, wobei freilich die Aufrechterhaltung der bestehenden Zust�nde, soweit es m�glich sein
werde, ins Auge gefa�t war, aber andererseits auch der Grundsatz aufgestellt wurde, da� keine der beiden M�chte
der andern bei der Verfolgung ihrer Interessen Hindernisse bereiten werde. Den Hintergrund bei dieser Abmachung
bildete der gemeinschaftliche Gegensatz gegen Deutschland. In Frankreich gewannen die Revanchehoffnungen neue
Nahrung, und in England richtete sich die fieberhaft gesteigerte Seer�stung immer deutlicher gegen Deutschland. Der
Vau ganz gro�er Schlachtschiffs vom Typ des Dreadnought wurde in Angriff genommen; die Front der britischen
Seer�stung, die sich fr�her vornehmlich gegen Frankreich und Ru�land gekehrt hatte, wandte sich jetzt ausschlie�lich
gegen Deutschland; man begann die Seestreitkr�fte mehr und mehr in den heimischen Gew�ssern zu konzentrieren.
W�hrend fr�her die britische Flotte in einem Dutzend Auslandstationen �ber alle Meere und R�sten verteilt war, wo
britische Interessen des Schutzes bedurften, wurden jetzt die meisten Schiffe in den H�fen am Aanal und an der Nordsee
zusammengezogen; der Schutz des westlichen Mittelmeerbeckens wurde ganz und gar den verb�ndeten Franzosen anvertraut.
Inzwischen war der japanisch-russische Krieg ausgebrochen, in welchem Japan ebenso f�r das englische Interesse
wie f�r das eigene focht, w�hrend Deutschland eine f�r Ru�land entschieden wohlwollende Neutralit�t beobachtete, die
deutlich erkennen lie�, wie gro�en Wert man auf ein gutes Verh�ltnis zu der russischen Regierung legte. Die auf-
richtige Friedensliebe der deutschen Regierung wird auf das unzweifelhafteste durch die Tatsache bewiesen, da� sie weder
die Verlegenheiten Englands im Vurenknege noch die Ru�lands im japanischen Rriege in unfreundlicher weise sich
zunutze zu machen versucht hat, und da� sie auch Frankreich gegen�ber in dieser Zeit gro�e M��igung gezeigt hat.
Ver Ausgang des russisch-japanischen Arieges <5906) kam den englischen Interessen sehr stark zugute. England war
auf lange Zeit hinaus die Sorge vor der russischen Rivalit�t in Gstasien und auf der See �berhaupt losgeworden;
und die inneren Unruhen, die Ru�land zu gleicher Zeit ersch�tterten, machten es vollends reif f�r �ine �hnliche Rolle
an der Seite Englands, wie sie Frankreich bereits spielte; von dieser Zeit an ist das Vestreben der englischen Politik
dahin gegangen, Ru�land in die Tntente cor�iale mit hineinzuziehen, und von Frankreich aus wurden diese Bem�hungen
im Interesse der Revanchehoffnungen unterst�tzt. Im Jahre 590? ist es in der Tat gelungen, die Entente durch
ein Abkommen mit Ru�land auszubauen und damit einen Dreiverband zu schaffen, der sich in der Hoffnung wiegen
konnte, dem deutschen Dreibund �berlegen zu sein. Die Vr�cke zur Verst�ndigung bildete namentlich ein Abkommen
�ber Persien, dessen Norden den Russen als Interessensph�re �berlassen wurde, w�hrend diese in der s�dlichen H�lfte
des Landes, am persischen Golf und in Afghanistan den Engl�ndern freie Hand zugestanden.
Inzwischen hatte sich das enge Einvernehmen zwischen England und Frankreich als ein geeignetes Instrument
bew�hrt, um die von R�nig Eduard VII. geplante Politik eines konzentrischen Druckes auf Deutschland ins Werk zu
setzen. Eine bequeme handhabe dazu bot die Marokko-Frage. Unter Nichtachtung der deutschen Interessen ging
Frankreich daran, dieses wichtige tand nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch unter seine Votm��igkeit zu bringen
und so sein nordafrikanisches Reich gewaltig zu erweitern und zu verst�rken. Es konnte dabei nicht blo� auf die
Unterst�tzung Englands, sondern auch auf eine g�nstige Haltung Ru�lands und anderer M�chte rechnen, und neben
dem positiven Gewinn schien auch die Ausschaltung Deutschlands bei einer so wichtigen Frage der Weltpolitik einen
erw�nschten diplomatischen Erfolg in Aussicht zu stellen. Diese Absicht wurde von Deutschland gest�rt durch die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.