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Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

XX
hatten die Gestenreicher die Hauptmasse der Russen in S�dpolen festgehalten und einige gl�nzende taktische Erfolge
erzielt; aber bei der starken Uederzahl des Gegners hatten sie ihm einen gro�en Teil von Galizien mit kemberg
�berlassen m�ssen und wandten sich nach Nordwesten, um F�hlung mit den heranziehenden deutschen Streitkr�ften zu
gewinnen. Im Vktober entfaltete sich der Kampf an der weichsellinie haupts�chlich um Warschau und Iwangorod
unter dem Zusammenwirken deutscher und �sterreichisch-ungarischer Truppen. Aber die ung�nstigen Bedingungen
dieser Stellung und die Ueberzahl des Gegners lie�en es hier zu keinen: Erfolge kommen, und so entschlo� man sich
auf deutscher und �sterreichischer Seite zu einem Ausweichen nach r�ckw�rts und neuer Gruppierung der beiderseitigen
Streitkr�fte. Bei dem langsamen Nachr�cken der Russen haben diese Ma�nahmen an unseren Grenzen bereits zu
erfolgreicher Abwehr und zu erneutem Vordringen nach Polen gef�hrt. Im ganzen stehen wir hier mehr in Ver-
teidigungsstellung, w�hrend wir im Westen angriffsweise vorgehen. Die K�mpfe in Serbien, die den ganzen Krieg
er�ffneten, verlaufen je l�nger desto entschiedener g�nstig f�r Gesterreich, sind aber nat�rlich f�r den Ausgang des
Krieges im gro�en unerheblich. England hat von seiner Flotte bisher keinen erw�hnenswerten Gebrauch gemacht,
w�hrend unsere Unterseeboote und unsere Auslandkreuzer ihm schon recht unangenehm geworden sind. Nm so nach-
dr�cklicher hat es die vergifteten Waffen der k�ge und der Verleumdung gegen uns gebraucht, nicht blo� in seiner
eigenen presse, sondern auch in vielen namhaften Zeitungen neutraler k�nder, die in seinem Sold oder unter seinen�
Einflu� stehen. Es hat das Nachrichten Monopol, das seine Kabel und seine Seeherrschaft ihm geben, dazu mi�braucht,
um falsche Nachrichten �ber die Kriegslage in alle Welt zu senden und die deutsche Kriegf�hrung als grausam und
barbarisch zu verd�chtigen. Seine Bundesgenossen haben es darin unterst�tzt, und es ist bedauerlich, da� auch neutrale
europ�ische k�nder, die besser unterrichtet sein k�nnten, sich dem Eindruck dieser Stimmungsmache nicht haben entziehen
k�nnen. Ver Protest unseres Kaisers an die Adresse des amerikanischen Pr�sidenten hat einen etwas befremdlichen
Widerhall gefunden, und nur langsam und vereinzelt dringt, dank der Einwirkung unabh�ngiger Journalisten in den�
vielger�hmten kande der Freiheit, die Stimme der Wahrheit durch. Der Reichskanzler konnte mit Recht in einer an
die amerikanische presse gerichteten Kundgebung darauf hinweisen, da�, wer die gro�e moralische Volkserhebung in
Deutschland beim Ausbruch des Krieges habe beobachten k�nnen, die S�hne dieses Volkes, die, von allen Seiten
bedr�ngt, zur Verteidigung ihres Rechtes auf Existenz freudig ins Feld ziehen, keiner unn�tigen Grausamkeit und
Roheit f�r f�hig halten werde. Allerdings haben in diesem Kriege sehr scharfe Mittel angewandt werden m�ssen.
Aber das war die unvermeidliche Folge der beklagenswerten Tatsache, da� in Belgien wie in Frankreich die Zivil-
bev�lkerung in heinit�ckischer und hinterlistiger weise unsere Truppen in den Quartieren �berfallen und viele von
ihnen meuchlerisch ermordet oder verst�mmelt hat. Wo es, wie inBelgien, vorkommt, da� M�dchen auf den� Schlacht-
felde den Verwundeten die Augen ausstechen, da� Frauen den schlafenden Soldaten die H�lfe abschneiden, da� aus den
Kellern und Fenstern der H�user geschossen wird, wo jeder Mann zum Franktireur und jedes Haus zur Festung wird,
da kann sich niemand wundern, wenn die gefangenen M�nner erschossen und die H�user, die ihnen zum Hinterhalt
gedient haben, zerst�rt oder angez�ndet werden. F�hrt die Bev�lkerung Krieg gegen unsere Truppen, so m�ssen
unsere Truppen versuchen, diesen heimlichen, t�ckischen Feind samt seiner Gperationsbasis unsch�dlich zu machen.
Das ist Kriegsrecht und Kriegsbrauch, und man vergleiche das vorgehen unserer Truppen mit dem der Russen in
Gstpreu�en, um den Unterschied zu erkennen zwischen barbarischer Grausamkeit in der Kriegf�hrung und einer nach-
dr�cklichen Anwendung der Kriegsmittel, die nicht �ber das durch den milit�rischen Zweck Gebotene hinausgeht.
wenn die Franzosen ihre Batterien durch die Kathedrale von Reims decken und auf dem Turme der Kirche eine
Signalstation zum Dirigieren des Feuers aufstellen, so ist es doch naiv, zu erwarten, da� unsere Artillerie das ehr^
w�rdige Bauwerk unbedingt schonen werde, wir haben wohl eher zu viel als zu wenig um die Erhaltung von
Kunstwerken in diesen, Kriege gesorgt. Barbarisch ist es, zu verlangen, da� wir kostbare Menschenleben opfern
sollen, um einen Rubens oder van Dyck zu erhalten. Die Sorge um diese Kunstwerke h�tten unsere Gegner sich
angelegen sein lassen sollen. Es ist �ber diese Dinge viel zu viel geredet und geschrieben worden ; man sollte derartige
Vorw�rfe einfach mit dem Hinweis auf die bitteren Notwendigkeiten des Krieges beiseite schieben. Da� Anstrengungen
        
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