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Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

II
Aoalitionsbeftrebungen gegen Deutschland lag in Frankreich, das sich niemals r�ckhaltlos auf den Voden des Frank-
furter Friedens gestellt und nach der Weisung �ambettas sich verhalten hat, stets an Me Revanche zu denken, auch
wenn man nicht davon sprach. Es war ein alter Gedanke der franz�sischen Politik, ein B�ndnis mit Ru�land zu
erstreben, um das in der Mitte liegende Deutschland in Schach zu halten; in der Zeit Napoleons I. und Alexanders I.
war er besonders stark hervorgetreten; und wenn er dann auch im 59. Jahrhundert ganz in den Hintergrund gedr�ngt
worden war, so gewann er doch in jedem Moment, wo eine Entfremdung zwischen Deutschland und Ru�land sich
f�hlbar machte, von neuem ?eben und Bedeutung. Bismarcks politisches System hatte ein freundschaftliches und
vertrauensvolles Verh�ltnis mit Ru�land zur Voraussetzung. Er hatte sich als Botschafter in Petersburg das pers�n-
liche vertrauen Alexanders II. erworben, der als Neffe des preu�ischen K�nigs noch ein lebendiges Gef�hl f�r die
traditionelle dynastische Freundschaft zwischen den Herrscherh�usern von Preu�en und Ru�land besa�, und er hatte sich
als Minister die gr��te M�he gegeben, durch die Haltung der preu�ischen Politik w�hrend des Polen aufstand es in
Ru�land J863 dies Vertrauen zu befestigen und die Ueber5eugung von einer politischen Interessengemeinschaft der
beiden Nachbarl�nder zu erhalten und zu verst�rken. Aber dies gute Verh�ltnis zwischen Preu�en und Ru�land, das
sich zun�chst auch auf das Deutsche Reich �bertrug, beruhte mehr auf dynastischen Sympathien, als auf der Volks-
empfindung h�ben und dr�ben; insbesondere in der russischen Bev�lkerung �nachte sich je l�nger je mehr eine bis zum
Ha� sich steigernde Abneigung gegen das kulturell �berlegene Deutschtum geltend, die von der russisch-nationalistischen
und vanslawistischen presse geflissentlich gen�hrt wurde; und auch in der Regierung wirkte der Minister Gorlschakoff,
der alte Rwal Vismarcks, dem dessen Vertrauensstellung bei Alexander II. ein Vorn im Auge war, den Interessen
der deutschen Politik vielfach entgegen und verstand es zum Beispiel in der Arisis von \875 in der G�ffentlichkeit den
Anschein zu erwecken, als habe Ru�land die Gefahr eines deutschen Angriffs von Frankreich abgewandt. Auf dein
Berliner Aongre� von erhielt das freundschaftliche Verh�ltnis zwischen Deutschland und Ru�land einen 3to�,
dessen Folgen nie wieder vollst�ndig verschwunden sind. Ru�land verlangte damals von Deutschland, da� es das ganze
Gewicht seiner Macht f�r die russischen Interessen in der t�rkischen Frage einsetzen sollte, w�hrend Bismarck lediglich
als �ehrlicher Makler" eine Vereinbarung zwischen den entgegenstehenden Anspr�chen Englands und der T�rkei einer-
seits, Ru�lands andererseits herbeizuf�hren bem�ht war. Es zeigte sich schon damals, da� eine Bewahrung der
Freundschaft mit Ru�land nicht auf die Dauer m�glich sein werde, da Ru�land von Deutschland ein Ma� von
Ergebenheit verlangte, das mit der selbst�ndigen Wahrnehmung der deutschen Interessen nicht vertr�glich war. Diese
?age und diese Erkenntnis brachten einen Plan zur Reife, den Vismarck schon seit \866 gehegt hatte, n�mlich den
eines B�ndnisses mit Gesterreich zur Sicherung beider M�chte gegen einen russischen Angriff. Dieses B�ndnis wurde
geschlossen und vorl�ufig noch geheim gehalten; es war nicht als eine feindliche Ma�regel gegen Ru�land, gedacht,
sondern sollte nur zur Erhaltung des Friedens dienen: es war darin ausgemacht, da� jede von beiden M�chten der
anderen zu Hilfe kommen solle, wenn diese von Ru�land angegriffen werde. Vismarck glaubte, trotz dieses B�ndnisses,
�ber welches Aaiser Wilhelm dem Zaren Alexander pers�nlich andeutende Mitteilungen machte, ein gutes Verh�ltnis
mit Ru�land aufrechterhalten zu k�nnen; das gelang anfangs auch, doch wurde es immer schwieriger, als Aaiser
Alexander II. \SS\ ermordet worden war und sein Nachfolger Alexander III., der nicht mehr das lebendige Gef�hl
des alten dynastischen Zusammenhanges mit Preu�en besa� und durch seine d�nische Gemahlin in ganz anderer
Richtung beeinflu�t wurde, der deutschen Politik mit einem schwer zu �berwindenden Mi�trauen gegen�bertrat, das
auch durch den Tod Gortschakoffs (^883) noch keine Abschw�chung erfuhr. Dagegen gelang es Vismarck 1(883 mit
Italien, dem Verb�ndeten von der aber 5 370 nahe daran gewesen war, mit Frankreich gemeinschaftliche 5ache
gegen Preu�en zu machen, ein B�ndnis abzuschlie�en, das Italien den Einwirkungen der franz�sischen Politik entziehen
und seiner alten Feindschaft gegen Vesterreich ein Ende machen sollte. Die Ursache f�r diese Wendung der italienischen
Politik lag in der Aneignung von Tunis durch die Franzosen, die von Italien nicht blo� unter dem Gesichtspunkt
eines ihm selbst entgehenden, schon mit Sicherheit erhofften Gewinns, sondern auch unter dem einer empfindlichen
Bedrohung seiner Mittelmeer-Interessen �berhaupt und seiner eigenen H�ften betrachtet wurde; seinen Mittelmeer-
        
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