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Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

XIII
Ansehens handelte, auf welches Gesterreich -Ungarn als Gro�macht nicht verzichten konnte. Sie erwog, da� eine
Schw�chung oder Zertr�mmerung Vesterreichs, eine Vereinigung aller Slawenv�lker unter dem Gebot Ru�lands eine
Machtverschiebung in der europ�ischen Staatenwelt bedeuten w�rde, die eine gro�e Gefahr f�r das Deutsche Reich
und die deutsche Rasse in Mitteleuropa mit sich brachte. Sie war entschlossen, f�r den Fall, da� Ru�land sich in
einem Gesterreich feindlichen Sinne einmischte, die Sache des bew�hrten Bundesgenossen zu der eigenen zu machen; sie
sah ein, da� eine Aufopferung �sterreichs nicht eine V�rgschaft des Friedens, sondern die Notwendigkeit eines
Zukunftskampfes ohne Bundesgenossen gegen die Koalition feindlicher M�chte bedeuten w�rde. Im �brigen �berlie�
es die deutsche Regierung der �sterreichisch-ungarischen, die Mittel zu w�hlen, die ihr geeignet schienen, um sich Ruhe
an der serbischen Grenze zu schaffen, und nahm weiter keinen Anteil an den Schritten der Vopvelmonarchie.
Vesterreich-Ungarn richtete am 23. Juli eine scharfe Note an die serbische Regierung. Es forderte darin nach
Auseinandersetzung des Zusammenhangs der Mordtat mit den gro�serbischen Bestrebungen die Bestrafung der schuldigen
Beamten und Vffiziere, die Aufl�sung der gro�serbischen Vereine samt B�rgschaften gegen ihr Wiedererstehen unter
anderem Namen, eine b�ndige Erkl�rung der Regierung, in der die gegen Vesterreich gerichtete Bewegung r�ckhaltlos
verurteilt werden sollte, und vor allem auch, da man Scheinma�regeln auf serbischer Seite bef�rchtete, oie Beteiligung
von Vrganen der �sterreichisch-ungarischen Regierung an der Untersuchung gegen die Schuldigen. Vesterreich -Ungarn
verlangte von Serbien die bedingungslose Annahme dieser Forderungen und setzte f�r die serbische Erkl�rung dar�ber
eine Frist von H6 Stunden fest. Die Bem�hungen Ru�lands um eine Verl�ngerung dieser Frist blieben erfolglos.
Die serbische Regierung, best�rkt durch das vertrauen auf Ru�land, begann am Tage nach der �berreichung der Note
die Mobilmachung der Armee. Nach Ablauf der Frist erteilte sie eine Antwort, die zwar einige von den �sterreichischen
Forderungen, wenn auch mit allerlei Modifikationen und Bedingungen annahm, im ganzen aber deutlich die Absicht
hervortreten lie�, die Angelegenheit durch weitere Verhandlungen zu verschleppen und so den durchschlagenden Erfolg
des �sterreichischen Schrittes zu vereiteln. Die �sterreichisch-ungarische Regierung erkl�rte mit eingehender Begr�ndung
die serbische Antwort f�r ungen�gend und brach die diplomatischen Beziehungen ab, ohne sich aus weitere Verhand-
lungen einzulassen; denn die bisherigen Erfahrungen hatten ihr ein begr�ndetes Mi�trauen gegen serbische Versiche-
rungen eingefl��t. Damit war seit dem 26. Juli tats�chlich schon der Kriegszustand zwischen Vesterreich und Serbien
eingetreten, der dann am 29. des Monats durch eine f�rmliche Kriegserkl�rung �ffentlich verk�ndet wurde.
Alles kam darauf an, wie Ru�land sich zu diesen Schritten Oesterreichs stellen w�rde. Schon am 2H. Juli
hatte die russische Regierung eine amtliche Mitteilung erlassen, wonach Ru�land unm�glich in dem serbisch-�sterreichischen
Konflikt indifferent bleiben k�nnte. Die �sterreichisch-ungarische Regierung hatte ihrerseits von vornherein in Petersburg
auf das unzweideutigste erkl�rt, da� sie keinerlei Eroberungspl�ne habe, da� sie die Integrit�t des K�nigreichs Serbien
nicht antasten werde, da� sie vielmehr nur Ruhe an den Grenzen der Monarchie haben wolle und Garantien daf�r,
da� diese wirklich bewahrt werde. Trotzdem wurde in Ru�land sofort nach dem Bekanntwerden des Abbruchs der
�sterreichisch-serbischen Beziehungen der Beschlu� zur Mobilisierung gegen�ber Oesterreich gefa�t und in den n�chsten
Tagen auch zur Ausf�hrung gebracht, ja seit dein 29. Juli wurden auch Ariegsvorbereitungen an der deutschen Grenze
vorgenommen. Das ist die beherrschende Tatsache in dem verwickelten Spiel der Verhandlungen zwischen den M�chten,
das die 6� ? Tage bis zum Ausbruch des Krieges erf�llt. Ru�lands Haltung hat den Stein ins Rollen gebracht,
wir k�nnen nicht feststellen, inwieweit der Zar Nikolaus dabei unter dein Druck der milit�rischen Kriegspartei und
der hinter ihr stehenden nationalistischen und panslawistischen Agitation gestanden hat. Da� ein solcher Druck auf ihn
ausge�bt worden ist, bezeugt er selbst in einen: der damals mit Kaiser Wilhelm gewechselten Telegramme; die Pers�n-
lichkeit, durch welche dieser Druck vornehmlich auf ihn wirkte, ist zweifellos die des Gro�f�rsten Nikolai Nikolajewitschgewesen, der sp�ter mit dem Oberkommando der Armee betraut worden ist. Es mag sein, da� der Zar selbst gew�nscht
hat, den Krieg zu vermeiden; aber die Haltung, die Ru�land in dieser Krisis unter seiner Leitung und unter dem
Drucke der Milit�rpartei eingenommen hat, mu�te notwendigerweise zum Kriege f�hren, wenn nicht Deutschland und
Gesterreich sich eine empfindliche politische Dem�tigung gefallen lassen wollten, die ihre Stellung in der Welt und das
        
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