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Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

XI
nicht zu hoch bewertet werden. Immerhin gelang es, wenigstens �ber die Frage der Vagdadbahn jetzt auch mit
England zu einer Vereinbarung zu gelangen; sie beruhte darauf, da� Deutschland Abstand davon nahm, die kinie
�ber Vagdad hinaus bis zum Meer selbst�ndig auszubauen, da� es vielmehr die Aontrolle dieser letzten Strecke den
Engl�ndern �berlie�, wogegen diese den bisherigen Widerstand gegen das deutsche Unternehmen aufgeben wollten.
Die Abmachung hing mit dem englischen Plan zusammen, von Indien �ber den persischen Golf und Arabien eine
Verbindung mit ihrem afrikanischen Herrschaftsbereich herzustellen, wobei Aegypten den Anotenpunkt bildete, und zugleich
den Indischen Gzean zu einem britischen Meer zu machen. Auch �ber afrikanische Fragen wurde in vers�hnlichen:
Sinne verhandelt, und die deutsche Politik gab sich der Hoffnung hin, trotz ihrer Festigkeit in den Fragen der Seer�stung
doch allm�hlich das vertrauen Englands gewinnen und ein besseres Verh�ltnis zu ihm herstellen zu k�nnen. Man
mu� heute wohl diese Hoffnung als eine Selbstt�uschung ansehen und das scheinbare Entgegenkommen Englands als
eine Aulisse betrachten, hinter der die Vorbereitungen zu einer gro�en Aoalition gegen Deutschland in einem den
Zeitverh�ltnifsen angepa�ten Tempo weitergef�hrt wurden. Dm englischen Seer�stungen entsprachen die besorgnis-
erregenden Anstrengungen der Franzosen, die 59^3 �ie dreij�hrige Dienstzeit einf�hrten, um bei ihrer stockenden
Vev�lkerungsbewegung dem deutschen Nachbar gewachsen oder wohl gar �berlegen zu sein; die Antwort darauf war
eine Vermehrung der Pr�senzzahl des deutschen Heeres, die die allgemeine Wehrpflicht erst zur vollen Wahrheit
machen sollte. Ru�land traf ebenfalls Ma�regeln zur Erh�hung seiner milit�rischen St�rke und schob seine Truppen,
die es zeitweise weiter ins Innere zur�ckgezogen halte, wieder mehr an die Grenzen Deutschlands und Vesterreichs vor.
Es scheint, da� seine Probemobilisierung vom herbst seiner Uriegsbereitschaft im Jahre schon bedeutend
vorgearbeitet hat.
Man wird sich doch der Auffassung kaum verschlie�en d�rfen, da� die europaische Konstellation im gro�en
ganzen, abgesehen von den kleinen Schwankungen und Ablenkungen der Tagespolitik und ihrer wechselnden Interessen,
auf eine Umfassung Deutschlands und seines �sterreichisch-ungarischen Verb�ndeten durch die M�chte des Dreiverbandes
gerichtet war. England hatte dabei die diplomatische F�hrung; aber Ru�land blieb es �berlassen, sei es durch ein
ausdr�ckliches, sei es durch ein stillschweigendes Einverst�ndnis, den Moment zu bestimmen, wo die Mine entz�ndet
werden konnte. Die milit�rischen Vorbereitungen der Verb�ndeten weisen darauf hin, da� ihnen das Jahr
oder 491? als dieser Moment vorschwebte. Nachdem die Marokko-Arisis durch die M��igung Deutschlands vor�ber-
gegangen war, ohne einen Arieg zu entz�nden, nachdem dann in dem Valkankriege die Haltung Deutschlands ebenso
zur Bewahrung des Friedens unter den gro�en M�chten wie zur Verh�tung eines allzu starken russischen Neber-
gewichts beigetragen hatte, lag die Gefahr nahe, da� eben aus den Valkanverh�ltnissen heraus sich leicht ein Uonfiikl
entwickeln konnte, der zur Entladung der hochgespannten politischen Atmosph�re f�hren mu�te. Dieser Ronfiikt ist
fr�her eingetreten, als man es in Ru�land und Frankreich urspr�nglich geplant hatte; aber er entsprang aus den
Veranstaltungen, die Ru�land getroffen hatte, um Vesterreich-Ungarn und damit indirekt Deutschland entweder politisch
zu dem�tigen oder in einen gro�en Weltkrieg zu verwickeln, in dem man die Gegner zu �berw�ltigen und zu
vernichten hoffte.
Der Ausgang der Valkankriege entsprach weder den w�nschen noch den Interessen Ru�lands. Mit dem
Vund der Valkanstaaten, der unter seinem patronat sich gebildet hatte, war auch der Plan Ru�lands zusammen-
gebrochen, durch dieses Instrument die t�rkische Frage endg�ltig zu seinen Gunsten zu l�sen. Aber der Vesitz
Aonstantinopels und der Meerengen blieb das Ziel der russischen Politik, und man sah jetzt in Vesterreich vornehmlich
die Macht, die Ruhland dabei im Wege stand. Gegen Vesterreich sollte sich ein neuer Valkanbund wenden, den die
russische Politik vorbereitete. Die Vulg�ren, die so unbotm��ig die Hand selbst nach Aonstant�nopel ausgestreckt hatten
und jetzt nach Vesterreich, nicht nach Ru�land blickten, sollten durch den politischen Druck, dem sie bei ihrer Isolierung
ausgesetzt waren, und durch die Aussicht auf die Eroberung der mazedonischen Gebietsteile, die Serbien sich angeeignet
hatte, zu diesem Plane gef�gig gemacht werden. Rum�nien, dessen Intelligenz ganz unter franz�sischem Einflu�
stand, hoffte man ebenfalls f�r den russischen Plan zu gewinnen. Serbien wurde zur Entsch�digung f�r das an
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