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Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

Full text: Ursprung und Bedeutung des gegenwärtigen Krieges

XGebiets unter die Verb�ndeten gerichtet war. Noch ehe es hier zum kosschlagen kam, setzte Italien 19 U den von
langer Hand vorbereiteten plan ins Werk, Tripolis vom t�rkischen Reiche loszurei�en und es unter die eigene
Botm��igkeit zu bringen. Durch den Ausbruch des Valkankneges, Herbst \9J2, sah sich Me T�rkei gen�tigt, Italien
jene Vente zu �berlassen; fie konnte nur mit M�he Konftanttnopel vor dem Ansturm der Vulg�ren retten; fast der
ganze Rest ihrer europ�ischen Besitzungen geriet in die Gewalt der Verb�ndeten. Nun aber entstand zwischen diesen
J9J5 um die Verteilung der Vente, bei der Bulgarien zu kurz gekommen war, ein neuer Krieg, der den Vund
vollends sprengte und damit endete, da� Rum�nien als ausschlaggebende Valkanmacht in dem Frieden von Vukarest
eine Regulierung der Grenzfragen herbeif�hrte, die Serbien und Griechenland auf Kosten der bulgarischen Interessen
beg�nstigte, gro�e St�cke landes mil bulgarischer Bev�lkerung in die H�nde Serbiens und vor allem die wichtigen
H�fen Saloniki und Ravala in die H�nde Griechenlands brachte; Vesterreich und Italien hatten darauf bestanden, da�
Albanien als besonderer Staat konstituiert wurde und da� Serbien auf seinen hei�en Wunsch, einen Hafen am
Adriatischen Meer zu gewinnen, verzichten mu�te. Die Abschlie�ung Serbiens vom Meer war namentlich im Interesse
Vesterreichs erforderlich, weil sonst Bosnien aufs schwerste bedroht gewesen w�re, da, wie die Dinge lagen, ein
serbischer trafen an der Adria den Russen un& Franzosen jederzeit offen gestanden h�tte. W�hrend dieser Valkanwirren
hatte sich n�mlich eine scharfe Gegnerschaft zwischen Vesterreich auf der einen, Frankreich und Ru�land auf der
anderen Seite herausgebildet. Die Gro�m�chte waren anfangs einig gewesen in dem Grundsatz, da� der status quo
auf dem Baifan gewahrt werden m�sse; sp�ter, unter dem Eindruck der bulgarischen Stege �ber die T�rkei, hatte
man das Prinzip der Nationalit�t f�r die Verteilung des t�rkischen Gebiets proklamiert, das aber nur in �u�erst
unvollkommener N)eise zur Durchf�hrung gelangt ist. Ru�land, das �ber die Unbotm��igkeit Bulgariens erz�rnt war,
und ebenso Frankreich beg�nstigten vor allem Serbien und nahmen es Vesterreich �bel, da� dieses sich gegen eine �ber-
m��ige St�rkung dieses gef�hrlichen Nachbarn auflehnte. Vesterreich hatte w�hrend des Krieges selbst eine Einmischung
vermieden, obwohl seine Interessen durch die Machtverschiebungen auf dem Valkan stark ber�hrt wurden; bei der
endg�ltigen Regulierung der Verh�ltnisse aber wollte Vesterreich nicht darauf verzichten, das Gewicht seiner Autorit�t
in die tvagschale zu werfen, und das rief eine Spannung mit Frankreich une Ru�land hervor. Ru�land begann
bereits mit milit�rischen R�stungsma�regeln, die es freilich durch die Bezeichnung �f)robemobilmachung" dem verdacht,
als handele es sich um Kriegsvorbereitung, zu entziehen suchte; doch wurde schon damals der Argwohn laut, da� es
sich dabei um eine Ma�regel handele, die den franz�sischen Verb�ndeten dar�ber beruhigen sollte, da� Ru�land im
Kriegsfalle mit seiner Mobilisierung nicht allzuweit hinter dem Tempo Frankreichs und feiner Gegner zur�ckbleiben
w�rde. Deutschland hatte in diesen Balkanwirren im allgemeinen Vesterreich unterst�tzt, aber zugleich auch einen
m��igenden Einflu� auf feine Balkanpolitik ausge�bt. Dem Widerspruch, den Gesterreich im Interesse Bulgariens
gegen den Frieden von Vukarest erhob, hat es sich nicht angeschlossen; es stand in dieser Frage vielmehr auf der Seite
Rum�niens und erkannte den Friedensschlu� als zu Recht bestehend an. Seine allgemeine Richtung gegen die v�llige
Neberw�ltigung der T�rkei durch das Vordringen des von Ru�land gesch�tzten und geleiteten Slawentums stimmte, wie
es schien, mit dem englischen Interesse �berein, das einer allzu starken Vermehrung des russischen Einflusses im
nahen �rient widerstrebte. Hier ergab sich ein Feld f�r gemeinsame politische T�tigkeit, und man hatte allgemein
den Eindruck, da� die Beziehungen Deutschlands 311 England in der Befferung begriffen seien. Die Vorschl�ge
lord Haldanes f�hrten \3\2 zu n�heren Er�rterungen dar�ber, ob nicht in Zukunft ein festes Verh�ltnis zwischen
Deutschland und England hinsichtlich der Seer�stung beobachtet werden k�nne, etwa nach der proportion von 16:20.
Vie Einigung scheiterte hauptf�chlich daran, da� England bei der Berechnung dieser verh�ltniszahl weder die Schiffe,
die f�r fremde Rechnung in England gebaut wurden und nat�rlich im Kriegsfall der englischen Flotte zugewachsen
w�ren, noch die Schiffe feiner Kolonien, wie Kanada und Australien, mit in Anschlag gebracht wissen wollte. Tat-
s�chlich wollten die Engl�nder auf das Ziel hinaus, das sie auch ohne Vertrag damals verfolgten und proklamiert
hatten: immer zwei Kiele auf Stapel zu legen gegen ein Schiff, das in Deutschland gebaut wurde. Bei dieser
ungel�sten Dissonanz in der Flottenfrage durfte auch das scheinbare Entgegenkommen Englands inkolonialen Streitfragen
        
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