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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Politik und Zufall bei den Maiest�tssiegeln der
yohenzollernschen Kurf�rsten und K�nige.
vollst�ndig ans dein Halmen des bisher am brandrnburgischcn
Hofe �blichen, kehrt aber 311 de�! gew�hnlichen Sicgeltypus der
weltlichen Herrscher jnviicf. Hier sind 711111 deutlich politische Verh�ltnisse
nachweisbar, die auf seine Anfertigung eingewirkt. Als dies geschah,
stand in dem Brennpunkt der gesamten dran denb�rg �scheu Politik
die Frage der preu�ischen Erbfolge; sie ist auch f�r die. Siegel
entscheidend geworben. 3" Preu�en hatte speziell der Vormund des
kranken Hertas, der �??arfjjraf Georg
-.friedlich von Brandenburg,
ein Reitersiegel zur I5est�tignng der feierlichen preu�ischen Privilegien
benutzt (Abb, Nr. 5). Dieses Siegel hat, wie die gesamte Anordnung
zeigt, als Vorbild f�r bas des Kurf�rsten gedient; man vergleiche
nur den �u�eren Rand und die Umschrift. Uebrigens ist nach ihm,
wie bereits pou Gritzner: Vas brandenburgisch �preu�ische Wappen,
S. 259 bemerkt ist, auch bus Siegel eines VruderZ des Kurf�rsten,
des Johann^Georg von J�gerudorf, gestockten worden.
Von ?��clle Hltnfenborg,
wenil matt die gro�en Siegel der Hohenzollernschen 7iurf�rsten
und K�nige, die sogenannten Majest�issicgel, wie sie bereit? im
1,5. Iahihnndeit bezeichnet wurden, betrachtet, so f�llt, wie die
beigef�gten Abbildu�gen Nr. I,2, 4, 6, 7 ergeben, ein merkw�rdiger
Wechsel Zwischen Inciter- und Thronsiegeln auf. Diesem Schwanken
steht man zun�chst ratlos gegen�ber; im ersten Augenblick k�nnte
man wohl benfeit, da� es ans die Vorliebe der jeweiligen Herrscher
f�r einen bestimmten Typus zur�ckzuf�hren ist, da� sie in ihm die
Art ihrer Veranlagung unwillk�rlich 311111 Ausdruck gebracht haben.
Aber bei n�herer Uuterfnch�ug stellt sich ein ganz anderes Resultat
heraus, n�mlich da� hier teils der Zufall sein Spiel getrieben hat,
teils aber politische Einfl�sse nachzuweisen sind'. Die folgenden Herrscher Georg'wilhclm (Abb. Nr. 6),Friedrich-
wilhelm der Gro�e Kurf�rst und dessen Sotjn Friedrich sind wieder
zu Thronsiegeln zur�ckgekehrt. Der sparsame Friedrich "Wilhelm 1.
hielt eilt solches f�r einen �berfl�ssigen Stups und lie� sich �berhaupt
feins anfertigen. Dagegen tauchte unter seinein Sohne Friedrich
pl�tzlich wieder ein Reitersiegel (Abb. Nr. 7) auf, das dann als Vorbild
f�r das seiner beiden n�chsten Nachfolger gedient hat. welcher Zufall
es geschaffen, habe ich nach den Akten bereits fr�her ausf�hrlich
er�rtert, so da� ich mich hier auf die wefentlicheu Vorg�nge, beschranken
kanu. Urspr�nglich halte man beabsichtigt, da� �berhaupt Fein
i??ajcft?'tsfiegel angefertigt werden folle, da Friedrich II.befohlen
hatte, da� alles auf dein bisherigen Fu�e gelaffen weiden follte.
Aber unerwartet reichte der Graveur ?, H. Varbiez beim Departement
der ausw�rtigen Affairen den fertigen Stempel eines Maiestcitssiegels
ein, das den K�nig zu Pferde in r�mischer Tracht vorstellte. Der
Minister Podewils war nicht wenig ungehalten �ber das eigenm�chtige
Vorgehen des Graveurs, zumal er f�r seine Arbeit noch einen sehr
hohen Preis verlangte. Aber nachdem eine Reduzierung eingetreten
war, suchte er doch f�r tardiez, der offenbar ein Sch�tzling von ihm
war, 311 erreichen, was m�glich war. Er fragte in einem Vericht
vom 9. Gktober i,?qn beim K�nig an, ob er ein Majest�tssiegel
anfertigen lassen solle, bas den K�nig 311 Pferde darstelle. Von dem
bereits vollendeten Siegel wnrde dabei kein wort erw�hnt. Friedrich
genehmigte den Antrag mit dem Vorbehalt, da� ihm zun�chst eine
Zeichnung vorgelegt werde. Eine solche von dem bereits angefertigten
Siegel wurde eingereicht; es mi�siel gr�ndlich. Der K�nig befahl
darauf, da� die Zeichnung von dem maier Anton pesne
durchkorrigiert nnd danach ein Siegel gestochen w�rde.
Das �lteste Ma^est�tssieael ist das Reitersiege! do5 Kurf�rsten
Friedrich I.(3ibb. Ztt. 0- Es entspricht durchaus dein 311 seiner Zeit
�blichen Typus des gro�en Siegels weltlicher F�rsten, wenn es auch
besonders pr�chtig ausgefallen ist. (Es ist auch noch von seinem Sohne
Friedrich II, gef�hrt worden.
Ganz anders das Majest�tssiegcl des Knif�rstcn Joachim I.
(Abb. Nr.2): ein Thronsiegcl von feinster Arbeit. Als solches ist es f�r
einen weltlichen Reichsf�rsten h�chst ungew�hnlich, denn ein solches
kam nur dem Kaiser 311; au�erdem f�hrten es noch geistliche F�rsten.
Nach dieser Seite bin liegt nun auch die Erkl�rung. Der Bruder
Joachims war der bekannte Erzbischof Albrecht von Mainz; er hat
eine gar stattliche Reihe pr�chtiger Chronsiegel sich schneiden lassen,
von denen eins � es tr�gt die Jahreszahl \5\6 � ein genaues
Pendant 311 dem feines Vruders Joachim (Abb. Nr.5) ist. Manbraucht
nur einen Blicf auf die gesamte Anordnung zu werfen, um fofort
zur Ueber^eugung zu kommen, da� beide Stempel von einund demselben
Stecher geschnitten worden sind. Die Herrscher sitzen in gleicher weise
mit scharf vorspringenden Knien auf dem Throue, die Gew�nder
haben den gleichen Faltenwurf; endlich die Anordnung der Wappen
und der Umschrift ist identisch. Da nun das Siegel des Erzbischofs
durchaus dem gew�hnlichen Typus der Siegel geistlicher Herren
entspricht, so liegt nat�rlich eine Beeinflussung von dieser Seite vor^
Pas Chronsiegel Joachims i.ist pou seinem Sohlte Joachim II.
beibehalten worden; auch Iohann�Geora und Johann-Sigismund
haben es mit entsprechenden Ver�nderungen der Umschriften weiter
gef�hrt. Aber daneben taucht unter Johann-Sigismund pl�tzlich wieder
ein Siegel pou unendlich feiner Arbeit auf, das ein portr�t des
Kurf�rsten 311 Pferde enth�lt (2lbb. Nr. 4). (Es f�llt damit also wieder Mit seiner Eigenm�chtigkeit hatte Varbiez demnach kein Gl�ck.
Er mu�te einen neuen Stempel stechen, der erst im Herbst l?H>.
vollendet wurde. Dies Siegel hat, wie gesagt, sp�ter als Vorbild f�r
die der beiden Nachfolger gedient.
1 Hin tiuiffolijrn�en Erg�n^inigm ju mtmni �Juffdgen �ber &te 5ipgel int
irtol'nijolItrn^otTtnid? VIIIund IX ergaben sich bei den Arbeiten f�r i!,� Fnl>let,u"y,
�cibPr fiinn ich eine fol*p bei der 5^wifngrcit dos 5flinitiehi5 noch �!ch! in baldige
Aussicht stellen.
�
2 H�ngens ist Unr�tnal 2.
Zufall und Politik haben somit bei der Anfertigung der
Majest�tssicael die buntscheckige Reihe ergeben, die ans den ersten
Nlick so auff�llt.
        
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