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Aus dem Briefwechsel des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und des Prinzen Wilhelm mit ihrer Cousine Prinzessin Friederike von Preußen während der Freiheitskriege 1813 - 1815

Full text: Aus dem Briefwechsel des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und des Prinzen Wilhelm mit ihrer Cousine Prinzessin Friederike von Preußen während der Freiheitskriege 1813 - 1815

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2.
Der Kronprinz an Prinzessin Friederike. (Teplitz, 30. September \8\3.) <^".
�T�plitz den 30*n September \8\3 (Borgens).
?iebe Friederike;
Ich w�nsche Dir alles nur m�gliche Gl�ck und Seegen zum heutigen Tage; wie leid thut mir's nicht, da ich
hier doch m��ig weile, nicht am heutigen frohen Tage Dir in der Albrechtsgasse, eine Treppe, vis �. vis des Hohen-
lohischen Hauses, meine herzinniglich aufrichtigen w�nsche selbst zu F��en zu legen; wahrlich, ich werde heut ganz
melancholisch seyn; ich m�chte heulen, wenn ich Eures frohen Jubels gedenke." . .. Soiree im Hatzfeldtschen Palais:
�Ich sehe lebhaft, wie Euch die tangeweile die rothe Nasen andrehen wird; ach und das Diner Hab ich ganz ver-
gessen, dieses Champagner-Trinken, mein Gott, wo h�rt das auf! Vie k�niglichen Hoheiten basuffa? Jetzt tr�bt sich
meine Seele, wie Auell-Wasser, in welchem eine Sau ihren Schmutz-R�ssel gebadet; diese Sau nehmlich ist eine bild-
liche Darstellung eines Gedankens, welcher soeben meine Seele (besagten Duell) durchstitzt, und dieser Gedanke besteht
aus allen den bunten Leuten, die heut Margen beladen zu Dir kommen, beste Cachla-Filzis. Nicht einmal ein Gru�,
ein w�nschten, geschweige denn 3ik2ire2 6e cons�quence gelangen heut an Dich von mir; denn K ma
sottise, ich wu�te bis gestern um Uhr kein Wort davon, da� heut der allverehrten Cachla Geburtstag sey.
Schafert's w�thender Vrief erinnerte mich erst dran .... Ich mu� Vich recht dehm�thig um Vergebung bitten.....
Hier in T�vlitz ist kaum Vutter und Aase, geschweige denn F�rsten-Pr�sente zu haben.
was ist sonst T�plitz h�bsch, und wie g�ttlich mu� es im Frieden seyn .... Ich wohne beym K�nig im
F�rsten-Haus, neben der T�pfer-Schenke, wo die alte dicke Fanny tobt . Gl�cklicher weise sind die sch�nen
V�ume noch so ziemlich verschont. Vorgestern sind wir einen Monat hier, heut ist die Vernichtung des Vandamm'schen
Corps monatlich, wir werden wahrscheinlich bald wieder aufbrechen, und sehr ernsten und entscheidenden Auftritten
entgegengehen, wenn wir nun wieder auf Abentheuer in den deutschen kanden umherstreifen werden, so betet f�r
uns, Ihr Theuren alle, denn wir werden sehr des himmlischen Veystands bed�rfen. Gott gebe, da� wenn die Vl�lter
fallen, alles gethan ist, und da�, wenn sie von Neuem zu gr�nen beginnen, ich zu Euch allen, im g�ttlichen Sans-
souci, heim ziehen kann. Uniarme mir die Aeben alle recht herzlich; ich betheure Dir's, an solchem Tage, wie der
heutige, wird mir's recht bange uno schns�chtlich nach Euch, so recht zum Flennen ....
. Von ton gro�en Fest wirst Du mol schon geh�rt haben, welches vorvorgestern die Ru�ischen Garden den
unfern gaben, an des Ru�ischen Aayser's Aranungsfest. Es war in einer S^eune in Dorn, eine H'" stunde von
hier. Niemals ist etwas geschmackvolleres gemacht worden als die Decoration dieser Scheune. [Situationsplan und
Zeichnung der dekorierten Scheune und der brennenden H�user: �Das Dach und die Halmen waren von Tanger".)
Kaum sa�en wir bey Tisch, als in einem nicht 30 schritt entfernten Hause Feuer ausbrach, und bald lagen 3 H�user
in Asche, und wir blieben in gro�er Seelen-Ruhe sitzen, denn der wind stand ab.
Ihr habt wieder einige S�ndstuthen ausgestanden? wie befindet sich der Hof.... teb wohl, theuerste
Friedericke, Fifi, Rike, Ize, Fike, Drache, Cachla, Filzis, Irop ckauvee, M�llersche, Neumannsche, Neandersche
skarikierte Portr�t-Zeichnung mit besonders starken Augenbrauen^ etc. Bleib mir gut, und vergi� nicht Deines Dich
herzlich liebenden Cousin'5 Fritz.",..
Ueber die Verw�stungen in Teplitz schreibt der Fl�geladjutant des K�nigs, Oberstleutnant Vldwig von
Natzmer an Prinz Wilhelm st.), Teplitz, 3. September
... �Welch ein Tontrast zwischen T�plitz, wie es voriges Jahr war, und wie es ietz aussieht. Die sch�nen
Promenaden sind zu Lagerpl�tzen, der Gesellschafts-Saal zu einem kazareth umgeschaffen. Der Schlo�garten des F�rsten
5o, statt des zuerst geschriebenen: �Livoulue�".
        
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