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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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in Glogau � von de prades gegebenen Darstellung beruht, andererseits legt er durch den Hinweis auf eine von
Blaschke ausgelassene stelle bar, da� Francheville lwtzdem auf Grund des Briefes von Friedrich an Voltaire vom
18. 2Nai 1?5H von dem Verrat des Abbe �berzeugt war. De Grades starb am August 1782*
Einen sowohl in sittlicher wie wissenschaftlicher Beziehung besseren Ersatz f�r de Prades gewann Friedrich
in der Person des Schweizers Heinrich Alexander de <5att. Er hatte ihn im Sommer auf seiner mit dem
Oberstleutnant von Valbi nach Holland unternommenen Inkognito-Reise auf einem Flu�boote zwischen Utrecht und
Amsterdam kennen gelernt und an der Unterhaltung mit dem jungen Gelehrten Gefallen gefunden^. Ve Catt hielt sich
in Holland auf, um an der Universit�t zu Utrecht seine humanistischen Studien zu vollenden. Drei Monate nach dieser
Begegnung erhielt er eine Aufforderung des A�nigs, an seinen Hof zu kommen, konnte aber der ehrenvollen
Verufung nicht Folge leisten, da er eben erst von einer schweren Arankheit genesen war. Im Dezember nach
der herben Entt�uschung, die Friedrich mit de prades erfahren hatte, wiederholte er sein Angebot, und de Catt ging
jetzt gern darauf ein. Am M�rz kam er im Hauptquartier in Breslau an, un: nun 22 Jahre lang in
der schon gekennzeichneten Stellung dauernd in der Umgebung Friedrichs zu bleiben. In seinen Memoiren schildert
de Catt ausf�hrlich seine erste Unterredung mit dem K�nig, wenn diese auch eine oft, besonders in chronologischer
Beziehung willk�rliche und nicht durchaus zuverl�ssige sp�tere Ueberarbeitung der gleichzeitig niedergeschriebenen
und als Guelle viel wertvolleren Tageb�cher sind, so geben doch auch sie �ein treues Bild von der Art der Conversation
Friedrichs, von den Formen, in denen sie sich bewegte, von dem eigent�mlichen Reize, der sie belebte"". Die Cagc-
b�cher wie die Memoiren wird lesen m�ssen, wer einen Einblick bekommen will in das Verh�ltnis de Catts zu seinen�
K�nig; es war nicht das der Freundschaft, aber auch nicht das von Herr und Diener. Der A�nig brachte ihm
vollstes vertrauen entgegen, sowohl in seinen Urteilen �ber Pers�nlichkeiten wie in seinen Mitteilungen �ber seine
kriegerischen Absichten. Und wenn wir der Mitteilung de Catts glauben d�rfen, sagte ihm der R�nig, als er ihn:
eines Tages einen Brief mit der Titulatur des �Vorlesers S. M.des K�nigs" �bergab: �Sie sind nicht mein Vorleser,
sondern mein Erlesener" Er bek�mmert sich in r�cksichtsvollster weise uni ihn, wenn er krank ist, entl��t ihn,
wenn er f�rchten mu�, seine eigene schlechte Stimmung k�nnte auch de Eatt beeinflussen, und bedauert ihn, wenn die
politische und milit�rische kage sich verschlimmert, Zuschauer so trauriger Ereignisse sein zu m�ssen. An seine Braut
richtet der K�nig im Namen ihres Verlobten scherzhafte Gedichte und widmet ihm selbst eine Epistel, in der er das
gl�ckliche Temperament, die tebenskunst seines Vorlesers besingt. Dagegen ist de Tatt, wie er an Voltaire schreibt 5,
gl�cklich, Augenzeuge der gewaltigen Ereignisse gewesen zu sein, die seinem Herrn eine so bedeutende Rolle auf dsm
Velttheater spielen lie�en. Als sich der K�nig einmal nicht auf den Namen einer Vper besinnen kann und de Eatt
bei der Verabschiedung an, Abend sagt, er werde sogleich danach forschen, schickt ihm Friedrich noch in der Nacht einen
siagen mit einem Zettel, auf den er den gesuchten Namen geschrieben hat. D'Alembert sowohl wie d'Argens, die sich
�ber de Catt und seine Beziehungen zum K�nig wohl ein Urteil bilden konnten, sprechen sich in gr��ter Anerkennung �ber
seine Zuverl�ssigkeit und seine Verehrung f�r seinen Herrn aus. Ihm k�nne Friedrich, schreibt d'Argens am 29. M�rz 76 5,
das Geheimnis seiner literarischen Besch�ftigungen anvertrauen, ohne, wie fr�her, f�rchten zu m�ssen, da� die Neugierde des
Publikums damit befriedigt wird, und er begl�ckw�nscht den K�nig, jemanden, der ihn, so ergeben sei wie de Catt, um
sich zu haben. (26. M�rz Und o'Alembert, dem Friedrich von einer Erkrankung seines Vorlesers Nachricht
gegeben hat, meint, die Treue de Catts verdiene wohl den Anteil, den der K�nig an seinen teiden nehme, und er
k�nne der Dankbarkeit seines Dieners sicher sein, die dieser in jedem Briefe an d'Alembcrt zum Ausdruck bringe;
de cllatt verdiene die Gnade seines Herrn durch seine unverbr�chliche Treue und Ergebenheit. (Briefe von d'Alembert
1 Ausf�hrliches �ber die erste Begegnung de Catts mit dem K�nig siehe in der in Wien W}o erschienenen �bersetzung samt�
licher Werke Friedrichs II,, Vd. 25, 5. uff* Anin. und �ber bas sp�tere Verh�ltnis beider in der Einleitung von Kofer zu den von ihm
herausgegebenen, schon vielfach zitierten �Unterhaltungen mit Friedrich dem Gro�en. Memoiren und Tageb�cher von Heinrich de Catt,"
Archiv�Publikationen, Ob, XXII.
�
5. �ff.
�
8 Koser in seiner Einleitung 311 de 
    
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